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Mittwoch, 6. August 2014

Lesbisch für Anfängerinnen


Der Buchtitel hat es in sich. Als ich erzählte, was ich gerade lese, wurde ich gerne gefragt, ob es sich bei den Büchern um Selbsthilfebücher handeln würde. 

Nein, keine Selbsthilfebücher. 
Es sind Romane. 
Aber sie zeigen einen schönen Einblick in die Lesbenszene. Für Frau, die diese noch nicht kennt und noch etwas Berührungsängste hat, eine gute Art und Weise sich der Szene zu nähern.

"Lesbisch für Anfängerinnen" ist eine schöne Soap Opera aus der Lesbenszene in Buchform. Zur Buchreihe "Lesbisch für Anfängerinnen" ist unterdessen der dritte Teil "Damenwahl" herausgekommen.

* * *

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!

Ich habe den ersten Teil von Lesbisch für Anfängerinnen gelesen. Kann jetzt Hörbuch und Buch vergleichen. Beide sind okay.

Tina, eine Hetera, will sich Hals über Kopf von ihrem Freund trennen. Was heißt, sie will so schnell wie möglich aus der gemeinsamen Wohnung raus. Durch Zufall und ein Missverständnis - sie hielt das verschlungen dargestellte Frauenzeichen für ein Viele-Frauen-Zeichen - landet sie in einer Lesben-WG. Nach anfänglichen Vorbehalten auf beiden Seiten wächst sie in die WG und auch in die Lesben-Szene hinein. Dabei macht sie sich Gedanken, ob sie eventuell auch lesbisch sein könnte, weil sie immer mal wieder an diese Astrid denken muss.

Die Geschichte ist für mich keine Haute Cuisine, aber sie ist ein leckerer Eintopf: Einfach und alles ist drin.
Beim Lesen hatte ich immer Bilder von meinen Erlebnissen aus Frankfurt vor Augen. Okay, ein Lesbenkulturhaus haben wir nicht. Dafür ein Lesbischschwules Kulturhaus. Aber sonst kam mir alles so vertraut vor. Die Arbeit in Lesbenprojekten, in Lesbengruppen. Das Zusammentreffen der Lesben.

Was ich jedoch beim Lesen verrückt fand war, dass die Darstellung des Prickelns zwischen Tina und Astrid sehr bemüht herüber kam. Ich las mehr Erotik bei den Situationen mit Vera, eine Frau, die Tina auf ungewöhnliche Weise kennenlernte oder mit Susanne, eine Mitbewohnerin der WG. Gewollt ist halt nicht alles. Und vielleicht waren Tinas Gedanken zum Lesbischsein und ob sie nun Gefühle für Astrid haben könnte, nicht sehr hilfreich für die Leserin sich ins Geschehen einzulassen. Bei den anderen Frauen beschrieb die Autorin nur das Geschehen und kein weiter gehendes Nachgrübeln und das Vertrauen der Frauen untereinander war rauszulesen.

Mal sehen wie es sich weiter entwickelt. Hab ja noch Teil 2 als Hörbuch und Teil 3 als Buch vor mir.

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!
Celia Martin
Broschiert: 216 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 3 (August 2010)
Sprache: Deutsch
* * *

Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küsse

Der zweite Teil lag mir nur als Hörbuch vor.
Tina macht gemeinsam mit Henriette von Lojewski, Inhaberin eines Cateringservice und Herausgeberin eines Luxusgourmentjournals eine Geschäftsreise nach Italien, um die Geheimnisse der italienischen Küche für einen Artikel zu recherchieren. Tina schnuppert noch neben ihrem eigentlichen Job in der Versicherung in diese neue kulinarische Branche. Es läuft alles gut beruflich. Privat hingegen gibt es Durcheinander: die Eltern trennen sich, die Mutter zieht bei ihr ein und lernt dadurch einen netten Nachbarn von Tina kennen, dessen Tochter nun auch noch lesbisch ist. Aber Tina hat ihr Coming Out vor ihrer Mutter noch vor sich und eine Freundin, die sie nun nicht nach Hause einladen kann. Dadurch fährt die Beziehung mit Astrid Achterbahn, da Astrids Ex sich nicht als Ex begreift. Auch gibt es Geheimnisse, die Astrid vor Tina verbirgt.

Es gibt also sehr viele Geheimnisse.
Noch mehr Annahmen.
Und die Frauen reden nicht miteinander.
Beim Anhören hoffte ich unentwegt, dass sich Tina und Astrid trennen. Wieder war mehr Erotik und Nähe zwischen Tina und diversen anderen weiblichen Charakteren zu spüren als bei diesen beiden.
Naja.

Hörbeispiel:


Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küssevon Celia Martin (Autorin), Christiane Marx (Erzählerin)
Spieldauer: 6 Stunden und 5 Minuten
Format: Hörbuch
Verlag: Butze Verlag

* * *

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl

Diesmal geht es kommunalpolitisch zu: Im Rahmen der Gentrifizierung soll ein Stadtteil neu gestaltet werden. Gerüchten nach soll das Frauenkulturhaus geschlossen, bestehende Wohnungen sollen wertvoller gemacht werden. Dazu müssen natürlich die alten Mieterinnen raus. Diese hätten eigentlich ein Recht, eine gewisse Zeit in Anspruch zu nehmen, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Aber es soll schneller gehen. Also werden Krachmacher in leere Wohnungen gesetzt, die das Wohnen im Haus reichlich ungemütlich machen. Dies trifft aus der Lesbenclique Käthe.

Aber nicht nur im Wohnbereich wird Käthe gebeutelt: die Ex von Käthe, die zusammen mit ihr das Frauenkulturhaus aufbaute, hat unterdessen Karriere gemacht und ist Kandidatin für eine Konservative Partei. Zu Zeiten mit Käthe setzte sie ihr Talent für das FKH ein – ein Projekt, das ihr sehr am Herzen lag. Nun "mauschelt" sie mit der Presse, um so in einem guten Licht für die kommende Wahl zu stehen. Gleichzeitig ist auch ihre Partei an diesem Wohnungsdingens beteiligt, so dass die Freundinnen alles daran setzen, in ihre Nähe zu kommen, um so etwas über die Zukunft des FKH zu erfahren. Hierzu ist es gut, dass Tina unterdessen Karriere im Bereich der Presse und Cateringservices machte.

Was haben wir noch für dieses Lesbisch für Anfängerinnen? Weniger Verwicklungen. Diesmal ist es klar, dass sie ohne Informationen nicht wissen können, was Sache ist. Und sie kämpfen für ihre Sache. Auch wenn hierfür ein Ausrutscher der Politikerin genutzt wird.

Gelernt habe ich von dem ungeschriebenem Gesetz der Lesben: Du outest keine Lesbe –- auch wenn sie deine politische Gegnerin ist.

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl
Celia Martin (Autorin)
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 1 (27. Juni 2014)
Sprache: Deutsch

Sonntag, 27. Juli 2014

Die Drachenzeit ist vorbei.

Träumte ich wäre ein wuschigbefiedeter Dinosaurier, der wie ein Hund freudig die Gänge umhertollt.
09:24 - 26. Juli 2014

Dann kam ein zweiter Dinosaurier hob mich, weil dies so richtig sei, in die Lüfte und die Freude verschwand.
09:24 - 26. Juli 2014

Wir sind keine Drachen mehr.
09:25 - 26. Juli 2014

Die Drachenzeit ist vorbei. Drachen kommen nur in Märchen vor. Märchen sind nicht real. Happy End.
22:35 - 27. Juli 2014

Samstag, 26. Juli 2014

Familienspuren in der Matrix der Geschichte von Deutschland

Ihre Familiengeschichte ist keine feine Geschichte. Ihre Großeltern sind Vertriebene. Aus Sicht des Landes, aus dem sie vertrieben wurden, ein verständliches Vorgehen. Im Norden von Deutschland wurde das Paar in einem Auffanglager untergebracht. Dort sind  die drei ältesten Kinder geboren.

Dann kamen sie nach Frankfurt. Die Kinder mussten ins Heim gegeben werden: Seligenstadt. Wie lange sie dort bleiben mussten, hat die Mutter nicht berichtet. Dass es im Heim nicht schön war, kann aus dem Nichterzählten herausgeahnt werden. Der Großvater war Rentner oder arbeitslos. Das war mit ein Beweggrund, warum die Kinder recht schnell Verdienst haben mussten, um dieses Zuhause abzugeben. Die Rente war damals noch nicht sicher, denn sie war gar nicht definiert.

Familienspuren in der Matrix der Geschichte von Deutschland. Die Enkelin hat noch nicht so viel Information, dass die Gründe so mancher "Entscheidungen" der Großeltern sichtbar werden. Dennoch mit dem Abstand der Enkelin ist das Erklären freier als für die direkt betroffenen Kinder.

Sonntag, 15. Juni 2014

Sappho II

Knapp drei Wochen nach dem mystriösen Tagebucheintrag stellt sich heraus, dass die jugendliche Autorin noch keine Kenntnis über die Texte von Sappho haben konnte.
Freitag, den 1. VII. '83

Salve!

Anscheinend können es die Normalen ehrlich nicht ertragen, Sappho. Am Tisch gab es wieder ein Gespräch von Freund und Männer. Ich meinte, ich wollte von solchen Kreaturen nicht abhängig sein. (...) 

Soll ich die blöde Situation endlich aussprechen oder immer noch um den heißen Brei herumreden. '- Ja, ich wage mich, ich liebe ein Mädchen, auch wenn es euch nicht passt und jetzt werde ich die Umschläge von den zwei Büchern abmachen und meinen Namen hineinschreiben. Sappho, dich hab ich endlich. Verdammt, warum waren die Menschen nur so dumm und haben deine Stücke zum Teil vernichtet. Aber du hast überlebt, nein, du wirst nicht vergessen, auch wenn so wenige Leute dich nur kennen. Dein Name währt ewig, auch wenn manchmal ein negativer Inhalt ihm zugute kommt. Aber warum soll man nicht in Leidenschaft zu einem Mädchen entbrennen? Was ist schlimm daran? Man kann doch jeden Menschen lieben, warum sind die Normalen nur so verkorkst? Nicht wir sind es, die das ganze schlecht machen, denn auch unsere Liebe ist rein und echt. Auch wenn es euch nicht passt, wir können und wollen auch lieben dürfen. (...)

Ave für heute.
Die zwei in diesem Tagebucheintrag mit blindem Schutzeinschlag versehenen Bücher kaufte die junge Autorin auf dem 20. deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover 1983 (8.-12. Juni 1983). Eines davon ist das von Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Tabu Homosexualität – Die Geschichte eines Vorurteils, Frankfurt am Main 1978. Ein Buch, das sich auch heute noch im Bücherschrank der alten Autorin befindet.
Das zweite war des Aufhebens nicht wert.

Das im Tagebucheintrag mit "Sappho, dich hab ich endlich." gemeinte Buch war Sappho: Strophen und Verse übersetzt von Joachim Schickel, herausgekommen 1978, deren Texte nun endlich von der Autorin genossen werden konnten.


Weiterführende Links
  • Über das Buch Tabu Homosexualität Artikel auf en.wikipedia.org (engl.)
  • de.wikipedia.org Gisela Bleibtreu-Ehrenberg
  • Lyrikzeitung & Poetry News: Selanna: vergleicht eine Sappho-Originaltextstelle mit unterschiedlichen Texten diverser Übersetzerinnen (darunter auch Schickel)

Freitag, 13. Juni 2014

Theoretisch

Die Nacht nicht schlafen können, nachdem mich Kater weckte, weil er Hunger hatte.

Und so dachte ich über den Konstruktivismus nach.
Warum dieser mir soviel bedeutet.
Meine Antwort war: weil er eher beschreibender Natur ist. Ich kann die Bilder nutzen, muss es aber nicht.

Dann dachte ich darüber nach, warum ich im Studium, als der Dekonstruktivismus aufkam, mit diesem nichts anfangen konnte.
Für mich hat diese Theorie eher eine auffordernde Natur: dekonstruiere - vor allem Geschlechter und ihr Begehren!
Dieser Anspruch setzte mich unter Druck, denn andere könnten von mir fordern, dass ich mein Begehren, mein Geschlecht, meine Sexualität ändern müsse.
Ich wollte mir meine Lebenskonstruktion nicht zerdeppern lassen.
Wollte auch nicht Lebenskonstruktionen der anderen zerdeppern.
Wusste ich doch, dass wir nicht wirklich dasselbe sehen können.

Naja, statt mich dann weiter im Bett hin und her gedankenverloren zu wälzen, stand ich auf und notierte diese These auf einen Zettel.
Danach konnte ich den Schlaf fortsetzen.
Theoretisch.

Dienstag, 10. Juni 2014

Lesbenliteratursalon im Juni. Thema: Rita Mae Brown

21.05.1992: Lesung Rita Mae Brown: "Schade, dass du nicht tot bist" in der Buchhandlung Heinz Schutt, Frankfurt; Foto: irgendeine Userin
Vor 22 Jahren war ich auf einer Lesung von Rita Mae Brown. Was ich nicht erinnerte, war die Tatsache, dass sie damals ihren ersten Katzenkrimi vorstellte. Was ich erinnerte war, dass sie an diesem Abend aus Rubinroter Dschungel vorlas. Katzenkrimis waren damals nicht so mein Thema.
Manches kommt halt wieder.

Lesbenliteratursalon

Am ersten Sonntag im Juni war Lesbenliteratursalon. Diesmal hatten wir uns als Thema Rita Mae Brown auserkoren. Drei Bücher von ihr wurden vorgestellt:
  • Rubinrote Rita: Eine Autobiographie
  • Einen ihrer Katzenkrimis
  • Dolley. Das Leben einer First Lady, (Dolley Madison, First Lady der USA von 1809 - 1817)
(Auf die Autobiographie wurde ich durch die Vorstellung im Salon so neugierig, dass ich mir diese nun auch bestellt habe.)

Katzenkrimis

Ich habe mich für den Lesbenliteratursalon mit einem ihrer Katzenkrimis beschäftigt. Mittlerweile gibt es schon 20 Bände der Mrs. Murphy-Reihe auf deutsch.

Ich recherchierte im Netz zu Katzenkrimis und wurde durch weitere neue Erkenntnisse überrascht: Mir war nicht bekannt, dass sich die Tradition der Katzenkrimis auf den Altmeister Edgar Allan Poe gründet, der 1843 die Kurzgeschichte Der schwarze Kater schrieb. Auch wusste ich nicht, dass es eine Berliner Katzen-Krimi-Nacht und einen Deutschen-Katzen-Krimi-Preis gibt. Jetzt weiß ich es durch Kater Paul.

In Erwartung lustiger Lektüre, ich hatte andere Bücher von Rita Mae Brown gelesen, bestellte ich mir drei Katzenkrimis wegen der Titel: Ruhe in Fetzen, Virus im Netz und Mausetot. Gelesen für den Lesbenliteratursalon habe ich nur einen. Es ist der zweite Band in der Reihe. Nach allem, was ich so an Rezensionen fand, soll es der gruseligste in der Reihe sein. Okay, das weiß ich nicht, weil ich habe ja die anderen Bände nicht gelesen.

Ruhe in Fetzen. Ein Fall für Mrs. Murphy

Crozet, ist eine kleine Stadt in Virginia. Hier lebt die vor kurzem geschiedene Mary Minor Harristeen, genannt Harry, ganz zufrieden. Sie verbringt ihre Freizeit auf ihrer Farm und arbeitet bei der Post, wo zentral die Nachrichten über die Vorgänge ihrer Nachbarn zusammenführen. Ihre Katze, Mrs. Murphy und der Welsh Corgi Tee Tucker, begleiten Harry fast überall hin.

Nachdem Blair Bainbridge, ein männliches Modell aus New York und ein Yankee, in der Stadt ankommt, findet sich - durch die gute Nase von Tee Tucker und der Besonnenheit von Mrs. Murphy, die den Hund davon abhält das Fundstück gleich zu verschlingen - kurze Zeit später auf seinem Grundstück diverse Leichenteile.

Mein Leseerlebnis

Leider muss ich sagen, dass mich das Lesen des Krimis eben nicht dazu ermunterte die anderen Bücher, die ich mir auch bestellt hatte, lesen zu wollen.
Dies mag an der langatmigen Beschreibung einer Fuchsjagd oder dem Alltagsleben einer Kleinstadt im Süden der Vereinigten Staaten oder der holprigen deutschen Übersetzung liegen. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall gingen Katze, Hund, Pferde, das Oppossum und die Schlange - die Eule schon - nicht an mich. Auch bei den menschlichen Charakteren fand sich keine für mich zum Liebhaben. Ich las zuviel von Heteroverkuppelungsversuchen, von wie sich eine geschiedene Frau zu verhalten habe, wie Rock und Hose doch Harry kleiden können, so dass das Thema des Krimis mich leider kalt ließ.

Ich weiß aber, dass andere Leserinnen nicht genug von der Mrs. Murphy-Reihe kriegen können.



Ruhe in Fetzen
Rita Mae Brown, Sneaky Pie Brown
Verlag: Rowohlt Tb.;
Auflage: 76 bis 90 Tausend (1996)
Sprache: Deutsch

Freitag, 6. Juni 2014

Sappho I

Montag, den 6. VI. '83
Salve!
Wenn das stimmt, was ich denke, was ich bin, weißt du, dann steht es ziemlich schlecht um mich. Beim Spaziergang ist mir aufgegangen, daß ich nicht ganz normal bin. Du, ich begehre ein Mädchen und weißt du, was das heißt, ich bin lesbisch! Sappho, Sappho, was mach ich nur? Ich hoff nur, daß das nicht stimmt. Aber ich hab sie so lieb. Ich muß mich mit dem Gedanken abfinden. Das ist wohl der einzige Weg. Die Kunst muß einfach zu meiner Geliebten werden. Ansonsten seh ich da keinen Ausweg.
Ave, für heuteEin mysteriöser Tagebucheintrag einer Teenagerin von vor 31 Jahren. Die Schreiberin spricht eine uralte, imaginäre, jedoch auf einer realen Person basierende, Lyrikerin an.
Die Autorin kann damit leben, dass Sappho als Namensgeberin für die sapphische Liebe steht. Sie hat kein Problem damit, dass der Wirkort der Lyrikerin - Lesbos - das Wortgrundgerüst für die Bezeichnung homosexueller Frauen ist. Aber mit der negativen Konnotierung in Abgrenzung zur "Normalität" hat die junge Schreiberin ein unerwünschtes Thema mit in der Persönlichkeitsfindung.
Ruheort Text, in dem Verzweiflung und Sehnsucht nebeneinander stehen können.

Mittwoch, 16. April 2014

Und die Moral in der Geschicht?
Lesbenfilme

Faszinierend, wieviele Liebesgeschichten in Lesbenfilmen auf Fremdgehen beruhen. 13:27 - 16. Apr. 2014

Kyss mig: Eine hintergeht ihren Verlobten, die andere ihre Lebensgefährtin. Lesbische Liebesgeschichte im Film.
15:33 - 16. Apr. 2014

Image me and you: Sie verliebt sich auf ihrer Heterohochzeit in die Gärtnerin.
15:34 - 16. Apr. 2014

It's in the water: Sie standesmäßig verheiratet fängt etwas mit der Krankenschwester an.
15:36 - 16. Apr. 2014

Alles wird gut: Sie halbwegs verlobt, lässt sich von ihrer Putzhilfe beeindrucken.
15:37 - 16. Apr. 2014

Puccini for Beginners: Eigentlich Lesbe fängt mit Mann was an, um diesen dann mit Frau zu betrügen.
15:38 - 16. Apr. 2014

Noch mehr?
15:39 - 16. Apr. 2014

The Four-Faced Liar: Sich bürgerlich mit Freund einrichtende Neu-New-Yorkerin richtet ihre Gefühle auf eine New Yorkerin.
15:46 - 16. Apr. 2014

Out at the Wedding: Heteroheiratende Schwester tändelt mit "Freundin" der Fake-Lesbe.
15:47 - 16. Apr. 2014

Ach ja: Big Spoilers in den vergangenen Lesbenfilme-Inhaltstweets.
15:48 - 16. Apr. 2014

Und wenn ich jetzt mit den DramaDrama-sehrernsten-Lesbenfilmen anfange, wird's gruselig. Ich lass das bleiben.
15:49 - 16. Apr. 2014

Liebe Regisseurinnen und Regisseure dreht MEHR schöne, spannende, lustige Filme mit eindeutigen Lesben. Würd mich sehr freuen. Danke. :-)
15:51 - 16. Apr. 2014

Bekanntgehen wäre ein anderes Thema - wenn auch weniger mein Thema. #Lesbenfilme Okay. #Monogamie #Moral
16:06 - 16. Apr. 2014

So. Macht euch Gedanken. Ich muss einen Videoplayer suchen.
16:07 - 16. Apr. 2014

Samstag, 12. April 2014

Schwulsein in den 50er und 60er Jahren

Not macht erfinderisch - fehlende Forschung zu Zeitzeugen, respektive Forschung erst am Anfang. Also habe ich mir ein paar Kommentare aus queer.de kopiert, um ein Gesellschaftsbild der 50er und 60er Jahre Deutschland zu erhalten.
Von gatopardo
Aus Madrid-Landkreis (Spanien)
Mitglied seit 02.05.2008
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Oh ja, mit heute 72 Jahren bin auch ich ein Zeitzeuge dieser unseligen 50er und 60er Jahre im Adenauer-Mief. Durch starkes Anpassungsvermögen und Heuchelei mit Weibergeschichten haben wir es aber mehrheitlich geschafft, trotz strafbarer homosexueller Handlungen nicht in die Mühlen dieser postfaschistischen Justiz zu kommen. Ich erinnere mich noch heute an eigentlich nette Nachbarn oder Freunde, die sich über verhaftete 175er lustig machten, ohne jemals einen Funken Verständnis dafür aufzubringen.
Als ich 1966 von meiner Firma ins national-katholische und faschistische Spanien versetzt wurde, kam ich dann vom Regen in die Traufe, aber das ist ein anderes Thema.

Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011
Als 68-Jähriger bin ich ebenfalls Zeitzeuge dieser Zeit. Ich war zwar nicht dirket betroffen, da ich als Jugendlicher nicht darin verwickelt wurde, jedoch trotzdem einen Schock erlitt. Mangels Aufklärung und allgemeiner Tabuisierung von Sexualität und ohne das Wissen dieser Verbote äußerte ich meine homosexuelle Veranlagung, die ich als natürlich empfand, wo ich hätte jederzeit bestraft werden können. Ich war völlig unaufgeklärt, was mich hätte ins Gefängnis bringen können. Meine Eltern wußten über meine Homosexualität, aber sie schwiegen aus Angst darüber. Ich konnte mich nicht in diesen Fragen an sie wenden. Sexualität war ein großes Tabu!
Sie haben aus Angst vor diesem Thema noch nicht mich einmal gewarnt, daß ich durch mein Verhalten ins Gefängnis wandern könnte. Sie dachten, daß sie durch Schweigen über das Thema Sexualität als auch durch extreme Prüderie meine Sexualität in die richtigen Bahnen lenken könnten. Sie haben zwar meine Sexualität nicht durch direkte Verbote und Drohungen unterdrückt, jedoch konnte ich ahnen, daß sie diese Sexualität mißbilligten.

Ich wurde auch Zeuge einer Denunziation, wo ein homosexuelles Paar verurteilt wurde. Natürlich wurde nicht darüber gesprochen, daß sie Sex miteinander hatten. Ich bekam jediglich nur zu erfahren, daß sie wegen ihrer Freundschaft verhaftet worden sind.
Da brach für mich eine Welt zusammen. Ich dachte nun, daß es eine strafbare Handlung ist, Freunde und Freundinnen zu haben - andrerseits begrüßte man Freundschaften und heiratete sogar (Mann mit Frau). Das war extrem widersprüchlich für mich. Die beiden waren nach der Abbuße der Gefängnisstrafe stigmatisiert. Es war dann allgemein bekannt, daß sie homosexuell und vorbestraft waren und somit keine Möglichkeit mehr hatten, einen Beruf zu ergreifen. Man zerstörte ihre Existenz und trieb sie in den Selbstmord. Da das am Ende der 50 Jahre war und ich mich an die Namen nicht mehr erinnern kann, außer der der Denunziantin, nämlich meiner Nachbarin, kann ich faktisch diese Geschichte nicht mehr belegen. Genau das ist der Punkt, weswegen man auf eine Entschädigung wartet, nämlich bis alles vergessen und verstorben ist.

Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014

Von gatopardo
Aus Madrid-Landkreis (Spanien)
Mitglied seit 02.05.2008
Antwort zu Kommentar #8 von JadugharDazu kann ich beisteuern, dass ich Anfang der 60er von einem schwulen Freund folgende Geschichte erfuhr: Im angetrunkenen Zustand nahm er sich mal ein Taxi und fand den Fahrer so anziehend, dass er ihm den Hof machte, worauf dieser direkt mit ihm zur nächsten Polizeiwache fuhr und ihn denunzierte. Ich glaube, der Freund bekam eine Geldstrafe, war aber dann natürlich vorbestraft.
Dann erinnere ich mich auch an Schulkameraden, die sich sehr abfällig über einen bekannten "175er" unterhielten, der den rosa Winkel aus dem KZ am Arm trug und auch damals nach Ende der NS-Zeit noch stigmatisiert blieb.

Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #5 von gatopardo
Das kann ich nur bestaetigen. Diese Gesellschaft hat auch nach dem Krieg weiter unterdrueckt. Die Befreiung vom Faschismus hat nicht zu einer freien Gesellschaft gefuehrt. Bis heute nicht mit einer CDU/CSU, die das alte Erbe weiter aufrecht erhaelt.
Wie haette es denn auch geschehen koennen in einer Gesellschaft, die ja nicht etwa vom Regime, sondern allein vom Kriegsverlust traumatisierrt war. Die ihre Moerderbande und Kriegstreiber freiwillig gewaehlt und bis zum bitteren Ende ebenso freiwillig unterstuetzt hatte.
Ein junger Nachbar hatte sich Mitte der 50er Jahre aufgehaengt. Auf das Beileid meiner Tante gegenueber der Mutter, kam von ihr als Reaktion: "Nicht so schlimm. Der war ja vom anderen Ufer!"
Einer meiner aelterer Brueder wurde ueber Jahre von einem Nenn-Onkel sexuell missbraucht. Dieser war - fast moechte man sagen, klar - ein sehr aktiver Katholik und hoher Bauern-Vertreter. An wen haette sich mein Bruder wenden koennen? An unsere Mutter? Undenkbar. An den Pfarrer? Voellig ausgeschlossen.
Der Druck aus meiner Familie auf ihn, der dann selber schwul war und kleine Jungs belaestigt hat, war so gross, dass er freiwillig und lange zum Militaer ging. Die erste Frau, die er traf, heiratete. Und heute eine voellig disfunktionale Familie, ihn, seine Frau und alle VIER Kinder, eingeschlossen, "unterhaelt". Ein Leben aus Luegen und Selbsttaeuschung. Aber ebenso aus Leid, Verlassenheit und Furcht.
Die aktuelle Politik der deutschen Regierung zum Wohl der Kinder? Die dickste Luege ueberhaupt! Keine Entschuldigung UND Entschaedigung fuer die Opfer dieses unseligen Paragraphen? Eines der ganz schlimmen Versaeumnisse schon der damaligen SPD/FDP Regierung unter Brand.
Und diese Unrecht geht weiter, denn auch die naechste deutsche Generation fuehrt das Unrecht und die Ungleichbehandlung von Menschen fort. Die CDU unveraendert ihr furchtbares Erbe! Gerade so, als haette es die 30er Jahre nicht als Erfahrung zu Recht und Unrecht gegeben. Gerade so, als habe Filbinger mit seinem Satz: "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein!" noch im Nachherein obsiegt!
Und einmal mehr versagt die Mehrheit auch der Kirchen und ihrer Fuehrer.
Da muss ich, der ebenso noch die 50er Jahre erlebt hat, wie auch die Furcht vor dem 175er, aufpassen, dass ich mich nicht aufrege! Doch, ich rege mich auf! Und man frage mich nicht, wie! Ich kann gar nicht so viel essen.....

Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #5 von gatopardo
Zur Ergaenzung. Damals unterhielten auch Banken interne Notizen, in denen sehr persoenliches Verhalten von Kunden dokumentiert war und im "Ernstfall", also z.B. bei einem Kreditwunsch, zur Ablehnung fuehrte.
Ich erinnere mich sehr gut an die Notiz zu einem Kunden: "Treibt sich an der Schwimmhale herum und schaut den Schwimmern zu. Insbesonder, wenn Schulklassen (Jungs) dort ihren Sportunterricht habe!"
Dazu muss man wissen, die Schwimmhalle hatte auf der Rueckseite eine riesige Wand komplett aus Glas. Und daran fuehrte eine Art Balkon entlang.
Dieser arme Mensch war in dieser Bank stigmatisiert, denn wirklich jeder Mitarbeiter, auch diejenigen, die mit Krediten nichts zu tun hatten, kannten diese Notiz: sie wurde als "Spass" heimlich herumgereicht.
Woher die Banken solche Infos hatten, kann man nur vermuten: Die wurden zwischen Bank und Polizei ausgetauscht, dachte ich schon damals.
Uebrigens gab es diese Kunden-Infos noch bis in die 70er.

Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014

Mittwoch, 20. November 2013

Julie Maroh: Blau ist eine warme Farbe

Blau ist eine warme Farbe
Autorin: Julie Maroh
Taschenbuch: 156 Seiten
Verlag: Splitter;
Auflage: 1., Aufl. (Dezember 2013)
Sprache: Deutsch

Inhalt

Clementine ist 15 als sie die blauschopfige Emma das erste Mal im Vorbeigehen sieht. Clementine ist gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Jungen, weil ihre Freundinnen sie mit dem Argument zu diesem Treffen drängen, dass dieser ja schon auf der Oberstufe sei. Clementine hat tatsächlich einen wunderschönen Tag mit Thomas. Kann aber die blauhaarige junge Frau nicht vergessen und träumt in der Nacht von ihr. Sie kann nicht glauben, wie sie von ihr geträumt hat und trifft sich deshalb mit Thomas weiter. Weil,

"Ich bin ein Mädchen, und ein Mädchen muss mit einem Jungen gehen."
S. 20

Die Gedanken, die sie in ihrem Tagebuch niederlegt, kreisen immer wieder um das Thema Normalität. Sie geht auf Demos. Sie kommt zu spät Nachhause. Sie hat Krach mit ihrer Mutter. Und sie träumt immer noch von der blauhaarigen Frau. Clementine ist unterdessen 16 geworden. Sie beginnt sich zu fragen, ob es nicht auch andere Mädchen gibt, die dasselbe fühlen. Ein Vorfall mit einer Schulkameradin lässt sie das Gefühl bekommen, dass es sie gibt. Aber schon einen Tag später stellt sich alles als ein Missverständnis heraus. Aufgewühlt verlässt sie die Schule und wird durch Valentin aufgehalten. Dieser schwänzt mit ihr die Schule, um hinter die Fassade ihrer Verwirrung zu kommen. Dabei erzählt er, dass auch er schon mal mit einem Junge geflirtet habe.

Ein paar Wochen später ziehen Clementine und Valentin durch die Homokneipen. Unterwegs trennen sich die Wege und Clementine folgt einer Gruppe Frauen in eine Lesbenkneipe. Beim Blick durch die Menge schimmert es zuerst nur blau... Dann hat Clementine ein freies Blickfeld und sie sieht die blauhaarige junge Frau, von der sie schon ein ganzes Jahr träumt. Das Aufmerken ist beidseitig.

Am nächsten Morgen wird die blauhaarige Emma vor der Schule wartend von den Schulkameradinnen entdeckt und gleich als Lesbe identifiziert. Clementine zieht Emma erschrocken weg aus dem Blickfeld der anderen. Emma ist brüskiert und entschuldigt verabschiedend, dass sie wohl etwas missverstanden habe. Clementine hält sie rufend auf, Seite 55:

Weitere Ansichtsseiten auf splitter-verlag.eu

Zeichnungen

Das Comic ist fantastisch gezeichnet. Maroh gelingt es, die Emotionen der Figuren gut durch die Bilder zu transportieren. Auch der Einsatz der Farbe unterstreicht dieses Vorgehen. Für die Zeichnungen der Gegenwart hielt sie alles in bunt, für die Zeichnungen für die Vergangenheit wählte sie schwarz/weiß.
Spontan schrieb ich mir auf: Ein schönes Gefühl mit schönen Bildern schön gezeichnet.

Was die Wahl der Farbe Blau angeht, so erzählt Maroh auf After Ellen:
Regarding the choice of the color blue in particular, it was nothing more than a graphic decision. By process of elimination, I knew that all the other colors wouldn’t work. The blue was simply the most neutral and efficient one to use.

Quelle: afterellen.com Julie Maroh on creating “Blue is the Warmest Color”

Meinung

Maroh beschreibt das wachsende lesbische Begehren eines Mädchen. Sehr detailliert wird die Angst davor und die Bestätigung der Angst durch die Homophobie der Umwelt beschrieben. Das immer wieder Schwanken, Verneinen des Begehrens - es ist für viele Lesben so bekannt. Es ist nicht wichtig, ob Maroh autobiographisch gearbeitet hat - sie verneint dies und ich glaube ihr das. Das Comic enthält für so manche Lesbe autobiographische Ansätze. Und die anderen, die dies nicht kennen, können lesen, dass der Weg zum Coming Out nicht der leichteste ist.

Der Detailreichtum verliert sich etwas zum Ende. Ob Maroh endlich abschließen wollte, weil sich schließlich auch ihr Studium dem Ende neigte? Sie zeichnete an dieser Geschichte in ihrer Freizeit seit Beginn ihres Studiums mit 19. Sie arbeitete fünf Jahre an der Geschichte.

Ja! Comic und der diesen Comic adaptierende Film haben diverse Preise erhalten. Egal.

Das Comic ist eine schöne künstlerische Meditation zum Thema Coming Out. Mir gefiel das.

Mittwoch, 13. November 2013

Sketch-Hunting

Ich schrieb am 25.10.2010 zum Sketch-Hunting folgendes:
Viele, viele Fans waren unterwegs, um Sketche zu sammeln. Ich machte mir während der Messe deshalb auch so meine Gedanken, wie ich weiter mit dem Thema Sketch-Hunting verfahren möchte. Ich hatte ja schon vorher die Regel aufgestellt: Für jede/n Kunstschaffende/n nur eine Zeichnung. So gewinne ich etwas Zeit, da ich nicht bei jedem Signiertermin aufwarten muss und möchte. Aber, so überlegte ich, wie lange will ich das denn noch machen? Mein derzeitiges Sketch-Buch wird das einzige bleiben, ist jetzt vorerst der Plan. Mal sehen.
Meine Signiertermingeschichte auf Ja! Es sind Comics!

Sonntag, 10. November 2013

Christine Brückner: Das eine sein, das andere lieben

Das eine sein, das andere lieben.
Autorin: Christine Brückner
Broschiert: 176 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1983)
Sprache: Deutsch


Inhalt.
Schön kurz und knapp wird der Inhalt auf dem Buchrücken von "Das eine sein, das andere lieben" von Christine Brückner beschrieben:
Auf einer Bahnreise lernt die Schriftstellerin P. einen jungen Mann kennen, der ebenfalls mit Literatur zu tun hat, jedoch weniger erfolgreich ist als sie. Auf der Rückreise sitzt ihr dieselbe Person gegenüber, aber diesmal als Frau. Mario oder Marion - das ist die Frage. Hier wechselt jemand die Rollen, will das alte Geschlechterspiel nicht mitspielen.
Die Schriftstellerin ist so fasziniert von dieser Person, die sie bald als "ihre" Person bezeichnet, dass sie sich von ihr die Erlaubnis einholt, Nachforschungen anstellen zu dürfen und letztendlich auch das Angebot macht, mit an den Lesereisen als Assistenz teilzunehmen.

Zwei in einem und die Grenzen.
Mario(n) stellt ziemlich früh im Roman fest:
"Sie nehmen das alles viel zu ernst. Das Männerspiel, das Frauenspiel."
Quelle: S. 74, Brückner, a.a.O.
Dennoch ist P. von ihrer "Person" fasziniert und möchte alles über sie erfahren. P. ist der Meinung, dass
"(d)ie Überbewertung der Sexualität (...) durch diese Person ebenso absurd gemacht (wird) wie das überbewertete Rollenverhalten von Mann und Frau. Sie spielt beide Rollen!"
Quelle: Brückner, a.a.O. S. 93
Das Spiel mit den Rollen kommt jedoch auch in Grenzbereiche. So hält ihr ihr Ehemann im Gespräch über das Schreibprojekt einen Spiegel vor:
"Ich rate dir von diesem Projekt ab. Für gleichgeschlechtliche Liebe hast du nach meinen bisherigen Erfahrungen kein Gespür."
Quelle: Brückner, a.a.O. S. 95
P. lässt sich davon nicht beeindrucken. Das Geschlechtliche, die Sexualität soll in der Annährung an ihre "Person" außen vor gelassen werden. Dass eine Grenze in P.s Vorstellung erreicht wird, ist dann festzustellen, als Mario(n) ihr erklärt, dass sie schwanger sei. P. zieht sich emotional von Mario (sic!) zurück. Ihre Enttäuschung wird bei einem Telefonat mit ihrem Ehemann von diesem benannt:
"Was hast du? Was ist mit dir los?"
"Mario" - wieder ließ sie das 'n' weg - "ist schwanger."
"Trifft dich das?"
"Ja."
Quelle: Brückner, a.a.O. S.174
Die Schriftstellerin P. lässt sich auf die Irritation, die Mario(n) in ihr auslöst, solange ein, bis etwas geschieht, dass ihre "Person" geschlechtlich festlegt:
"Irgendwoher. Immer willst du wissen, woher. Und ich weiß nicht einmal, wohin."
"Ich habe dir keine Antworten versprochen. Wer schreibt -"
"Stellt alte Fragen neu! Damit redet ihr euch heraus. Du schreibst. Ich lebe. Von nun an habe ich keine Wahl mehr."
Brückner, a.a.O. S. 174
Das Muttersein lässt Mario(n) nicht mehr die Wahl, mit den Geschlechtsrollen zu spielen. 1981 im Roman von Christine Brückner. Und heute?

Leseerlebnis.
Das generische Maskulinum, welches ich hier anmerkte, war zwar vorhanden, aber Brückner hat es hingekriegt, dass dies beim Lesen in den Hintergrund gerät. Spannender war es da, mitzubekommen, wie sie sich ihrer "Person" nähert: Sie befragt die Mutter. Sie geht zum Standesamt. Sie korrespondiert mit alten Lehrern (sic!). Sie lässt sogar Horoskope erstellen.

Manches empfand ich als heftig: War es damals echt so leicht, auf's Amt zu gehen und Auskünfte zu erhalten? Anderes fand ich witzig: Horoskope! P. lässt einen Astrologen Horoskope erstellen und macht dies nicht als Unsinn nieder, sondern beschreibt Astrologie so wie ich es beschreiben würde, müsste ich es denn erklären.

Gestolpert bin ich beim Thema Laufen. Mario(n) trainiert einen homosexuellen Regisseur, um diesen von seiner Lust auf Mario abzulenken. Okay, vielleicht hat Brückner bzgl. Laufen jemanden gefragt, der/die sehr gut im Laufen ist - aber fünf Minuten für den Kilometer ist für einen kurz zuvor untrainierten Mann ein ganz schön heftiges Ziel.

Als ich so über die faszinierende Irritation der Schriftstellerin nachdachte, ist mir mein Erlebnis mit Legolas aus dem ersten Teil Der Herr der Ringe eingefallen. "Enttäuscht" wurde meine Irritation dann, als der Schauspieler Orlando Bloom im nächsten Film eine eindeutige Rolle und Maske hatte.

Resümee.
Ich habe das Buch Anfang der 80iger Jahre gelesen. Und auch jetzt noch hat es mich gefangen genommen. Für ein Buch, welches 1981 geschrieben wurde, hat es schön die Ambivalenz der interessierten Umwelt näher gebracht und bringt damit weitere Denkanstöße.
Es wird in meinem Bücherschrank verbleiben. Und vielleicht lese ich es ja in 30 Jahren wieder.

Weiterer Link zum Buch auf diesem Blog:
Vorbereitung zum Zweitbesuch eines Buches: Brückner - Das eine sein, das andere lieben

Samstag, 9. November 2013

Verena - ein Schultag (1983)

Die Autorin kreierte 17jährig ein ungewöhnliches Theaterstück, welches mit Prosateilen auskommen musste. Auffällig ist der Versuch, eine Liebe durch die Blume zu erklären. Eine lesbische Liebe, um es genauer auszudrücken.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

"Die Fraueninsel" von 1981

Die junge Autorin stellte 15jährig diese kleine Erzählung fertig. Inspiriert durch den Latein- und Geschichtsunterricht, sowie Religion und Wonder Woman als Comic malte sie sich eine Geschichte aus, die so niemals funktionieren könnte:

Sonntag, 27. Oktober 2013

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque

Mir ist das Verlagsprogramm des Zaglossus-Verlages eher mit wissenschaftlichen Themen aufgefallen. Auf der Buchmesse lernte ich, dass ihr Verlagsprogramm weiter gefächert ist.
Es gibt für Lesben sehr viele Geschichten mit Coming Outs und sowieso Liebesgeschichten. Meine Lesemotivation solcher Bücher geht gegen Null.
Die Beschreibung des Buches Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque aus dem Zaglossus-Verlagsprogramm machte mich neugierig und ich nahm mir Zeit für einen Science Fiction, der "queer durch die Galaxie" führt.

Inhalt
Helen Hayer ist Miss Universe. Der nächste Wettbewerb steht an. Die Vorraussetzungen, um an Misswahlen im Jahr 2848 teilzunehmen, haben sich derart verändert, dass Aussehen nicht mehr wichtig, jedoch Intelligenz gefragt ist. Den Titel hat Hayer bereits fünfmal errungen. Diesmal möchte sie alles daran setzen, damit der Titel an ihr vorüber geht. Denn sie will ihre Zukunft anders gestalten. Marissa Applegate, die Leiterin und Besitzerin des Großkonzerns Applegate Inc. hat andere Pläne. Für sie ist Hayer das Marketingmoment, so dass Applegate die vielbeachtete Weltraumkapitänin Christine de Castelbaraque beauftragt. Sie soll Hayer begleiten, damit diese und ein wertvolles Amulett unbeschadet den Wettbewerb auf Eden erreichen. De Castelbaraque hegt eine starke Abneigung gegen die Funktion Hayers als Miss Universe und sie lässt Hayer dies spüren. Der Versuch den Auftrag nicht annehmen zu müssen, schlägt fehl. Schon bald sind Hayer und de Castelbaraque auf dem Raumschiff Agina V unterwegs nach Eden. Das Abenteuer beginnt als beide entführt und mit neuem Auftrag bestückt, quer durch die Galaxies die Horax-Tafeln finden müssen, um Schaden von der Erde fernzuhalten.

Resümee
Meine Einstellung zum Roman veränderte sich nach Lesebeendigung von mal zu mal.
Manchmal habe ich mir gewünscht, dass die Figuren ernsthafter sind. Dann waren die Charaktere wieder okay.
Ein bisschen anstrengend fand ich das Lesen der Schlusskapitel, deren Reihenfolge ich ein klein wenig geändert hätte. Es waren sehr viele Informationen, die die Autorin für die Leserin da vorhielt. Als Leserin ist frau nicht so in der Geschichte, wie als Schreiberin.
Jedoch, ich mag Zeitsprünge - zeitliche Doppelung, unterschiedliche Universen - gleichzeitige Doppelungen und Kuriositäten - ich habe mich köstlich über das Auftauchen der Waschmaschine amüsiert, deshalb fühlte ich mich der Kniffligkeit der vielen Ebenen im Buch gewachsen.
Dass am Ende doch noch eine kleine Liebesgeschichte vorkam, fand ich passend.
Auf jeden Fall war das mal eine etwas andere Geschichte.
Und falls eine mal Lust hat, über die Sinnigkeit der Reihenfolge der Schlusskapitel zu diskutieren... Fühlt euch eingeladen, hier zu kommentieren.

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Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque
von Judith_Jennewein
Broschiert: 292 Seiten
Verlag: Zaglossus;
Auflage: 1 (7. Juni 2013)
Sprache: Deutsch




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Weitere Infos:


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Nachtrag im Tagebuch 17. November 2013
Was nervt mich eigentlich bei diesem Weltraumabenteuer? Die Figuren werden nicht ernst genommen. Die Charaktere könnten in jedes Thema gepresst werden, weil sie nicht in die Zeit passen. Die einzigen, die in die Zeit zu passen scheinen, sind die beiden Wissenschaftler, die die Protagonistinnen in den 50igern Jahren antreffen.
Raumdarstellung ist auch ein schwieriges Thema. Wirklich gelungen, dünkt mir, ist es nicht im Buch. Nur einmal, als die Orientierungslosigkeit des Schwebens beschrieben wurde, da wirkte es authentisch. Vielleicht weil es da so passte?
Über das Thema Mann_Frau, Mutter_Vater-Figur fange ich gar nicht erst an. Mir stellte sich die Frage, ob dieses Faktum für den Roman nötig war. Die Antwort war eindeutig. Und so war das Thema verschenkt.
Letztendlich bleibt: Gute Ansätze, die aber nicht konsequent verfolgt werden. Hin und wieder blitzt Genialität auf (Waschmaschine). Das ist doch auch schon was!

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Vorbereitung zum Zweitbesuch eines Buches: Brückner - Das eine sein, das andere lieben

Ich statte nunmehr als alte Dame einem Buch einen zweiten Besuch ab. 1984 - ich war 18 Jahre alt - hatte ich es als Taschenbuchausgabe gekauft und auch gelesen.

"Das eine sein, das andere lieben" sagt am Ende des Romans eine heterosexuelle Frau von sich, weil sie Männer liebt, aber kein Mann sein will.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Freitag. Buchmessetag 3: schweizerisch, boxend, brasilianisch, zu spät, zukünftig

Gute Sachen passieren zufällig. Und so schrieb ich auf meinem Notiz-Block:
Erlebe gerade eine Schweizer Autorin in ihrer Sprache. Macht sie gut.

Samstag, 12. Oktober 2013

Donnerstag. Buchmesse Tag 2: brasilianisch, novellig, startend. Und... ein bisschen lesbisch

Comics aus Brasilien
Ich war zu früh vor Ort, deshalb schaute ich mir in Ruhe die Ausstellung "Comics aus Brasilien" in Form einer Powerpoint-Präsentation an. Ich sah Werke von Künstlern (sic!) und Beschreibungen über Künstler (sic!). Eine Künstlerin hatte sich dann doch auch darunter geschmuggelt: Cynthia B.
Dies ist der Begleittext mit dem sie in der Ausstellung beschrieben wird: 

Freitag, 11. Oktober 2013

Donnerstag. Buchmesse Tag 2: DC-Intermezzo

So als DC-Fangirl hatte ich mich erkundigt, ob der Verlag auch auf der Buchmesse vertreten ist. Ich fand ihn in Halle 8.0, wo sich die internationalen Verlage tummelten.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mittwoch. Buchmesse Tag 1: kindlich, gewaltig, osmotisch

Okay, gestern war der erste Tag der Buchmesse. Fabelhafter Tag. Fing damit an, dass ich zu einer Umfrage eingeladen wurde, die mir dann zu lang vorkam. Komische Fragen darin, u.a. irgendwas zu einer Akademie, ob ich die kennen würde.
Nach dieser komischen Umfrage ging es famos und entspannt weiter. Ich schaut mich wieder im Comiczentrum um. Verwunderte mich wieder, dass die Bundesregierung einen Stand dort hat. Was mich daran so irritiert ist die Gleichsetzung: Regierung = Merkel = CDU. Weil, so sieht das dann aus. Es wird doch das gewählt, was mensch kennt. Naja.

Mittwoch, 18. September 2013

Gedanken zur Frau, die Akzente setzt

Sie war auf Besuch bei ihrer Verwandten in Deutschland.
Im Gespräch kamen wir - ich weiß nicht wie - auf ihren Akzent. Sie hat nun diesen amerikanischen Akzent, den ich von meiner Tante her kenne. Und wieder bekümmert es sie, dass ihr Akzent zu bemerken ist. Dabei ist/ war sie für mich immer die Frau, die Akzente setzte. Es war für mich etwas Positives.

Dieses Moment in ihrem Leben bezüglich Sprache: Sie kam mit 12 nach Deutschland aus einem Land, das durch Krieg zerrüttet war. Natürlich war deutsch dann für sie eine Fremdsprache. Deshalb fühlte sie sich nie in Deutschland heimisch, weil sie nie dazu gehörte: der Akzent kennzeichnete sie.

Sie lernte hier in Deutschland ihren Mann kennen, der aus einem anderen Land ebenfalls nach Deutschland flüchtete. Ihre gemeinsame Sprache ist deutsch, weil auch er deutsch als Fremdsprache einsetzen musste, um mit ihr reden zu können. Jetzt sind beide in Amerika. Ihre Söhne werden vermutlich nur englisch sprechen. Für die Eltern wieder eine Fremdsprache, während die Kinder nun angekommen sind.

Mich hat das Sprachmoment immer fasziniert. Die Brücken der Sprache ermöglichte Kommunikation und setzte so die Akzente in ihrem Leben.

Mich macht es traurig, dass sie unter dieser Akzentuierung leidet. Dieses Gefühl kann ihr niemand nehmen.

Samstag, 27. Juli 2013

Der Besserwissende-Reflex

Am 22. Juli las ich auf Twitter vom Ratschläge-Rant. Das erinnerte mich, dass ich mir mal zu einem ähnlichen Thema etwas notierte.

Ich machte mir am 21.03.2013 Gedanken darüber, dass es bemerkenswert ist, wie versucht wird, Leute, die nicht im Mainstream schwimmen, diese wieder in den Mainstream zurückzuholen.
Persönlich finde ich es dabei spannend, dass dadurch das eigene Verhalten so bleiben kann wie es ist, auch wenn jemand offensichtlich etwas anders tut und damit erfolgreich ist. So erfolgreich, dass nach einem Rat gefragt werden muss. Nur die Antwort gefällt nicht, so dass der Besserwissende-Reflex erscheint:

Sie finden sich überall: eine Person erklärt, dass sie kaum gekochte Speisen zu sich nimmt... Schon wird ihr erklärt, dass mindestens eine warme Mahlzeit am Tag sein müsse.
Eine andere erzählt, sie nutze auch WII für Sport. Einhellig wird festgestellt, dass dies nicht als Sport gezählt werden könne.
Nicht Frühstücken? Das ist natürlich die wichtigste Mahlzeit des Tages!

Das Witzige ist doch, nicht Genaues weiß mensch nicht. Für alles gibt es Pro & Contra. Dennoch... Warum wird so reagiert?
In der Hauptsache dünkt mir eine Abwehrhaltung, damit auch das Behalten der Definitionsmacht.
Es kann nicht angehen, dass die anderen etwas als Sport definieren, was die einen – ungefragt – als Spiel nur sehen.
Es kann nicht sein, dass früstückloses Leben möglich ist. Jedoch ich bin das beste Beispiel dafür. Und nein, ich nehme nicht zu, weil ich später zulange. Eure Fragen nach meinem „Gewichtsgeheimnis“ beweisen das.

Schlussendlich muss das eigene Verhalten nicht hinterfragt werden. Es kann alles so bleiben wie es ist. Was okay ist.

Nur ihre Fragen, bezüglich was andere anders machen, die etwas erreichen, was sie sich wünschen, nerven, wenn sie sowieso alles besser wissen.
Die haben einfach nicht den Mut, so zu sein und zu bleiben, wie sie sind.

* * *

Samstag, 11. Mai 2013

Eure falschen Köder in TV-Serien schluck ich nicht

Hm. Es hat mich sehr bekümmert, dass ich Probleme mit diversen TV-Serien habe - obwohl diese von Lesben so gehyped werden. Da haben wir Mystery mit Warehouse 13 mit H.G. Wells und Myka Bering. Crime mit Rizzoli & Isles mit Jane Rizzoli und Maura Isles. Und es gibt derer noch viel mehr. Die Frauen haben was: Sie sind stark, sie sind hübsch und sie haben eventuell etwas miteinander? Ha! Reingelegt! Ein bisschen lesbischer Subtext tut ja niemand weh!

Warum nur regt es mich so auf? Es ist dieses an der Nase herumführen. Andeuten und dann stehen lassen, was mich nervt. Hit and Run. Ich dachte, wir wären weiter.

Lesbischer Subtext?

Was soll das? Soll da heimliches Schwärmen erleichtert werden?

Subtext hat nie die Intention, dass zwei Charakere einer Serie oder in einem Film oder wo auch immer wirklich lesbisch sind. Es geht viel mehr darum, das Poential der möglichen Romanze zu entdecken ud seiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.

Quelle: Kommentar von Bianca 14.04.2012 zum Artikel Rizzoli & Isles: Lesbisches Mörder und Poli am TV? auf lesbianchic.ch

Da ich mir denke, dass es für TV-Machende leichter ist, das Lesbische anzudeuten, fragte ich mich, ob es schwulen Subtext in Buddy-Crime-Serien gibt, z.B. Starsky & Hutch oder so. Gab es denn, um wieder zurück zu den Frauen zu kommen, bei Cagney & Lacey einen lesbischen Subtext? Wurde in der Serie damit gespielt? Rein aus der Erinnerung würde ich mal "Nein" behaupten.

Was ist das, was da gerade passiert? Auf Twitter vermutete ich, dass es mit Xena "zufällig", vielleicht noch ohne Absicht anfing.

xena
Ach, es ist doch so erholsam, nicht zwischen den Zeilen lesen zu müssen! Und denke dabei an die neue Krimi-Reihe Die Chefin. Hier gibt es in der Nebenrolle explizit eine Lesbe, die Pathologin Heike Steinbeck. Und dann passierte der Zufall. Ein Begriff schlug ein wie die Bombe, weil er mein Unbehagen beschrieb: Queer baiting! Thinkpunk auf Twitter brachte den Begriff, der mir erst nicht auffiel...
queerbaiting
Dann begann ich das Recherchieren und fand diese schöne Erklärung, die lesbischen Subtext von Queer baiting abgrenzte:
Guys I finally figured out what’s the difference between queer subtext and queer baiting Queer subtext is when actual queer context exists within canon but the narrative plays it down Queer baiting is when queer content DOESN’T exist within canon and yet the narrative plays it up

Quelle: My Whole Life Is Thunder
Übersetzung mit Erläuterung: Leute, ich hab endlich herausgefunden, was der Unterschied zwischen queer Subtext und queer baiting (Ködern/Hetze) ist Queer Subtext ist, wenn tatsächliche queer Kontext vorhanden ist, der innerhalb vom Canon gebracht wird (Anm. i.U.: heißt in der regulären Serie Thema ist), aber die Erzählung spielt es herunter Queer Baiting (Köder/Hetze) ist, wenn der queere Inhalt nicht im Canon existiert und doch die Erzählung es hoch spielt
  Und in allen weiteren Quellen, die ich zu Queer-baiting (Queers ködern) fand, wurde mir mein Unbehagen widergespiegelt. Was es heißt, die Andeutung zu bekommen, aber es wird dir immer wieder "weggenommen". Hier finden sich auch reichlich Beispiele mit "schwulem Subtext", der aber genauso falsch ist, wie der lesbische. Das Ködern funktioniert nicht.

Vielleicht bin ich zu alt, schon zu lange dabei, um mich mit solchen Andeutungen für irgendwelche Serien ködern zu lassen. Bei Serien mit Frauen verärgert es mich sogar sehr.

In manchen der o.g. Links kommt auch Sherlock vor. Und ich muss für mich sagen: Ich fand die Andeutungen eher witzig, weil der Subtext ja unentwegt angesprochen wurde. Es wurde nicht damit gespielt. Und deshalb entzerrte sich für mich die Möglichkeit eines möglichen schwulen Paares.

Aber bei diesen neuen modernen o.g. Serien mit Frauen als Hauptcharakteren nervt mich die Andeutung, die jedoch nicht ausgesprochen wird.
Es nervt.
Weil, wir sind weiter, oder zumindest ich lass mich davon nicht mehr einfangen.

Weitere Ergebnisse meiner Recherchereise im Internet
Queer baiting trivializes queerness. (Anm. Hervorhebung i.U.) By presenting two males and declaring them to be totally straight, yet placing them in situations that only reinforce the idea of queerness belittles those who happily engage in homosexual relationships. The shows who conscious and repeatedly queer bait are telling their audiences that they know this is what they would like to see but under no circumstances will it become a reality because these are two strong, male characters and queerness (specifically, gayness and perceived femininity) would only diminish them. Quelle: mpricexx Project 1: Queer Baiting in Television

Test ist zuerst hier erschienen

Freitag, 29. März 2013

Crisis on Infinite Earths

Hörbücher mit Comicgeschichten seien das Gegenteil von Comics meinte lächelnd eine Freundin über das Vernehmen meines neuen Genusses, Hörspiele, Hörbücher mit Geschichten aus der Comicwelt zu lauschen. Ich war über diese Aussage zuerst irritiert.
Ja, es fehlen die Bilder, die Zeichnungen...
Aber es sind die Geschichten, die mich Comics lesen lassen. Geschichten, die mich von Comics entfernen oder auch wieder nähern lassen.

Also.
 
Die Tage Crisis on Infinite Earths angehört.
Genial gemacht.
Das Comic selbst ist chaotisch. Ja, es ist nachvollziehbar, wohin es gehen soll: Eine Erde, weniger Superheldinnen und -helden. Aber es ist chaotisch.
Das Hörspiel hat die Inhalte sortiert und es auf eine Person - in der Hauptsache - zugeschnitten: Barry Allen, der Flash. Durch diese Fokusierung macht die Geschichte nun mehr Sinn. Es werden bessere Erklärungen gegeben etc. Die Geschichte ist einfach runder. Auch der Schluss wurde dem angepasst.

Es gibt einen auktorialen, also allwissenden Erzähler. Teile der Geschichte werden aus der Sicht von einzelnen Superheldinnen oder auch Superschurken erzählt. Und immer wieder ist Barry Allen dabei, die Geschichte voranzutreiben.
Dass ich Barry Allen persönlich sehr mag, davon erzählt eine andere Geschichte.

crisis-003
Was mir besonders gut bei diesen Hörspielen von GraphicAudio gefällt, ist der Einsatz eines Erzählers. Für das Hörspiel wird sich nicht Wort für Wort an die Comic-Vorlage gehalten. Teile der Comic-Geschichte werden exzerpiert, manche Momente anderen Figuren zugewiesen. Jedoch erfolgt die Bearbeitung immer so, dass die Teile der Geschichten zueinander passen und stimmig werden.
Ich kenne andere Comic-Hörspielproduktionen, z.B. von BBC, die mich eher verwirrten, weil sie zwischendurch nicht erklärten, wo sich die Protagonistinnen gerade befanden.

Für mich waren es sieben Stunden absoluter Hörgenuss.
Und wieder habe ich Zugang zu einem der Crisis-Themen von DC erhalten.


Weitere Infos

Samstag, 22. Januar 2011

Die Ersten werden die Letzten sein - Lesben in der DDR Vortrag von Samirah Kenawi im Lescafé am 16.01.2011

IMG_0451Letzten Sonntag gingen meine Frau, ich und zwei Freundinnen nach langer Zeit mal wieder ins LesCafé in Frankfurt. Es sollte ab 18 Uhr einen Vortrag über die Lesbenbewegung in der DDR geben.

Grübelnder Gedankengang:
Auch sonst scheint das Café eine breitere "Themenvielfalt" bieten zu wollen, so dass es unter Umständen ein netter kultureller Treffpunkt am Sonntagnachmittag für Lesben werden könnte. Was mir persönlich, wenn ich so darüber nachgrübele sehr gefallen würde...


In der Einführung zur Veranstaltung berichtet Karin vom Lesbenarchiv über ihre Internetrecherche zu Lesben und DDR. Sie konnte zu diesem Thema kaum etwas finden, wohingegen Männer, respektive Schwule immer auftauchten. Dabei war sie auf der Suche nach einer Visualisierung des Themas. Letztendlich kreierte sie eigentständig ein Bild, das das Veranstaltungsthema verbildlichte.


Über die Vortragende

Samirah Kenawi berichtete über sich, dass sie aus Ostberlin käme, 1983-1988 in Dresden studiert habe und in Berlin in der Lesben"Bewegung" beteiligt gewesen war. 1988 arbeitete sie in der Frauenbibliothek und baute das Archiv "Grauzone" in Ostberlin auf.

Samirah Kenawi Geb. 1962 in Ostberlin. Ab 1984 in verschiedenen DDR-Frauengruppen und Netzwerken aktiv und nahm im Herbst 1989 an Gründung und Aufbau des Unabhängigen Frauenverband (UFV) teil. Seit 1988 baute sie eine Frauenbibliothek sowie ein Archiv zur ostdeutschen Frauenbewegung auf. Über das Archiv Grauzone – die umfassendste Sammlung zur DDR-Frauenbewegung – veröffentlichte sie mehrere Artikel sowie eine Dokumentation und ein Bestandsverzeichnis. Quelle: boell-sachsen-anhalt.de
Vortrag

IMG_0438Plakativ eröffnete Samirah Kenawi ihren Vortrag über die Anfänge der Lesbenbewegung in der DDR, dass diese im Dunkeln lägen.

Es gab keine Vereine. Veranstaltungen, Feiern geschahen privat in Gaststätten. Einladungen wurden im Postkartenformat auf Fotopapier verteilt. Denn die Fototechnik war die einzige Möglichkeit, zu vervielfältigen. Es gab keine Kopierer, die genutzt werden konnten.

1982 war das Jahr des Aufbruchs. Die evangelische Akademie Brandenburg arbeitete über das Thema "Homosexualität ein Tabu".

Homosexualität und Kirche

Warum es in der DDR die Besonderheit gab, sich unter dem Dach der Kirche zu treffen, hatte u.a. mit dem besonderen Verhältnis der Kirche zum Staat zu tun: 1976 verbrannte sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz selbst in der Öffentlichkeit. Am 6. März 1978 kam es zum Grundsatzgespräch von Staat und Kirche, mit dem Ergebnis, mehr Freiheiten für die Kirchenmitarbeiter zu gewähren: Versammlungen ohne staatliche Genehmigung, Reisefreiheiten für Kirchenmitglieder, Bücher für den innerkirchlichen Dienstgebrauch u.a..
So wurden Treffen von Gruppen unter dem Dach der Kirche möglich ohne staatliche Anmeldung. Zuvor mussten alle Veranstaltungen staatliche angemeldet werden.

So sind viele Lesben, obwohl sie nicht gläubig waren, durch ihr Lesbischsein in die Kirche geraten.

... in Bewegung

Die Frauen trafen sich mit unterschiedlichen Weggefährten, es kein starer Separatismus. Auch war die Möglichkeit sich zu treffen nicht so groß. Es gab gemischte Arbeitskreise von Schwulen und Lesben. Es gab immer Kompromisse, die geschlossen werden musst.

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In Berlin 1983 wurde ein Raum gemeinsam für Lesben und Schwule zur Verfügung gestellt. So wurde vereinbart, ein Abend mit Schwulen- und der der nächste Abend mit Lesbenthemen im Wechsel zu verbringen. Der erste Abend gehörte den Schwulen und sie berichteten von ihren Probleme. Dann am Lesbenabend hatten die Schwulen viel über das Thema zu sagen. Die Lesben kamen kaum zu Wort. Deshalb wollten die Lesben getrennte Veranstaltungen.

1985 gab es in Dresden ein Lesbentreffen. Es wurde die Bezeichnung Frauenfest gewählt, um die Schwelle zu senken, daran teilzunehmen. Es kamen über 100 Frauen, wo sonst nur bis ca. 10 Lesben sich versammelten. Die Veranstaltungsräume waren in der evangelischen Kirche. Hierzu wurde ein Pfarrer benötigt, der die Kirche zur Verfügung stellt und den Mut hat, die Verantwortung gegenüber der Kirchenleitung zu übernehmen. Denn die Institution Kirche war nicht plötzlich homophil geworden!

Kinderbetreuung

Bei den Veranstaltungen, waren Kinder auch immer dabei. Es war selbstverständlich, dass Frau Kind hatte. Erklärungsbedürftig war eher das Gegenteil. Und so war die Kinderbetreuung auch immer mit organisiert.

Selbstorganisiert und selbstfinanziert

Geld spielte in der Lesbenbewegung der DDR keine Rolle. Alles war selbst finanziert und organisiert. Die Vorträge wurden ehrenamtlich gehalten. Die Teilnahmegebühr betrug zwischen 10-15 Mark. Damit war Wochenende einschließlich Essen finanziert.

Das Wochenende wurde mit Programm gestaltet. Es gab Gruppen zu den unterschiedlichsten Themen, abends Feste mit Veranstaltungen (Konzerte etc.), und Tanzen.

Die Frauenfeste hatten übergreifende Themen. 1985 wurde zu "Lesbische Liebe in der Literatur" gearbeitet, 1986 gab es das Thema "Frau zwischen Job und Selbstverwirklichung" und 1987: Macht in Beziehungen. (Gewalt gegen Frauen) Durch die letzte Veranstaltung wurden 1989 Frauenhäuser in DDR gegründet. Vorher gab es nur ein "Haus Lebenshilfe" von der Caritas.

Bewegung außerhalb der Kirche

Neben der Kirche tat sich eine Lesbenbewegung auf, in der die älteren Frauen zu finden waren. Es gab Frauengruppentreffen zu Pfingsten in Jena. Diese waren hervorgegangen aus Frauentreffen für den Frieden.

Es entstanden eigene Netzwerke ab 1984. Denn sie stellten fest, dass es besser ohne Männer geht. Eigene Ideen konnten entwickelt werden. Es wurde sich gegenseitig zugehört.

Die Treffen mit ca. 200 Frauen fanden jeweils in einer anderen Stadt statt. Es beteiligten sich "alle möglichen Frauen".

Das "Mitarbeitertreffen Arbeitskreis Homosexualität" arbeitete mit den Schwulen zusammen. Sie mieteten, um sich sichtbar zu werden, eine Straßenbahn und machten eine Rundfahrt.

Es gab eine Lesbenwerkstatt 1988 in Dresden.

Dies kann alles als Versuch gewertet werden, auch außerhalb der Kirche sichtbar zu werden.

Die Fahrt nach Ravensbrück

Die Berliner Lesbengruppe traf sich ganzjährig. Für das Thema Sichtbarwerden planten 1984 sie eine Fahrt nach Ravensbrück, dort in der Gedenkstätte des KZ an einer Führung teilzunehmen und einen Kranz niederzulegen. Sie ließen in einem Blumenladen einen Kranz anfertigen mit einer Schleife "Wir ehren die homosexuellen Opfer des Faschismus". Die Situation brachte es mit sich, dass dies noch nie gemacht worden war und deshalb auch nicht verboten war. Im KZ erhielten sie auch eine Führung.

Später stellten sie fest, dass dort, wo der Kranz niedergelegt worden war, ein Loch prankte. Deshalb beschwerten sich die Frauen beim Ministerium der Kultur. Im April kam die Einladung zu einem Gespräch. Im August sollte das Gespräch im Staatssekretariat für Kirchenfragen stattfinden. Eine Frau war eingeladen worden; sechs Frauen gingen hin und ein Pfarrer. Dies wurde als Bedrohung für den Staat angedeutet, denn sie waren kein Verein und agierten außerhalb der Kirche als Gruppe. Kenawi wies darauf hin, dass auch kleine Gruppen Eindruck schinden konnten. Und so wiesen die Frauen darauf 1984 hin, dass sie als Lesben auch Rechte haben. Beschwichtigend wurde zurückgegeben, dass sich um die Angelegenheit gekümmert werde.

Und so fuhren die Frauen 1985 wieder nach Ravensbrück. Diesmal zum offiziellen 40. Jahrestag der Befreiung, an dem auch internationales Publikum anwesend sein würde. Sie hatten wieder Kranz bestellt mit Schleife. Doch diesmal wurde die Gruppe von der observiert. Die Läden wurden darauf hingewiesen, dass wenn ein Kranz bestellt würde, sollte dies gemeldet werden. Der Bahnhof wurde wegen der 11 Frauen abgesperrt. In der Polytechnische Oberschule - POS wurden sie verhört. Sie erhielten die strikte Auflage nicht ins KZ zu fahren.

1986 fuhren die Frauen wieder hin, um einen Kranz niederzulegen. Sie wurden von unauffälligen Männer begleitet.

Die Einheit naht...

Am 30.04.1989 gab es ein Frauenfest im Haus der jungen Talente in Berlin. In Jena trafen sich die Koordinierungsgruppen für die Themen, die dezentral organisiert wurden. Seit dem 9. September 1989 bewegte das Land schon riesige Ausreisewellen.

Noch am 2. Dezember 1989 trafen sich Frauen.

... und für die Handlungsmöglichkeiten...

Seit 1989 durften Frauenvereine gegründet werden, diese waren mit Formalismus beschäftigt. Es wurde mehr abgrenzt, als auf Gemeinsamkeit gesetzt. Das Profilieren wurde wichtiger. Die DDR-Frauen waren es gewohnt, akzeptable Verhandlungsvorschläge gegenüber Behörden zu bringen. Wohingegen im Westen stets mit Extremforderungen gearbeitet wurde. Dieses Anders-agieren-müssen, respektive das endlos reagieren, rieb die Frauen auf.

Die Lesben in der DDR waren andere politische Strategien gewohnt. Wichtig war immer die Sachebene. Es gab direkte Ansprechpersonen. Im Westen wurde vieles auf die Formalebene abgeschoben und wurden so zu Zeitfressern. Die Bedeutung der Medien wurde verkannt, denn zu DDR-Zeiten, brauchte frau nicht um die Presse kümmern. Und die "Stasi kam sowieso".

... keine Zeit mehr

Die Frage, ob sie durch die Wiedervereinigung Trauer verspürt habe, beantwortete Kenawi damit, dass sie zuerst das Scheitern der Utopie verkraften musste. Und dass sie den Verlust von Bewegung betrauerte. Damals gab es das Gefühl, Zeit zu haben für gesellschaftliche Veränderung. Dann kam kam die schnelllebige Zeit... Dennoch mochte sie die Erfahrung nicht missen. Frauen waren meist die Vorkämpferinnen; als dann die erste Veröffentlichung zu Homosexualität herauskam, wurde meist über Schwule und nur ein bisschen zu Lesben geschrieben.


Weiterführende Infos
  • Samirah Kenawi: Frauengruppen in der DDR der 80er Jahre. Eine Dokumentation, Berlin 1995
  • Ursula Sillge: Un-Sichtbare Frauen. Lesben und ihre Emanzipation in der DDR, Berlin 1991
  • Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben, Berlin 207
  • Filmdokumentation Warum wir so gefährlich waren, Webseite
  • gigi-online.de Spuren zu Denkmälern
  • lescafe-ffm.blogspot.com Eine ganz persönliche Meinung zu dem Vortrag von Samirah Kenawi
  •   Vorreiterrolle der Ausdifferenzierung lesbischer Gruppen bildete die (kirchliche) "Homosexuelle Selbsthilfe" in Berlin, von der sich die Gruppe "Lesben in der Kirche" abspaltete. Für die weitere Entwicklung war ebenfalls die Gründung einer Lesbengruppe innerhalb des Dresdner kirchlichen Arbeitskreises Homosexualität bedeutsam. Diese organisierte von 1985 bis 1987 jährlich ein Dresdner Frauenfest, zu dem bald auch Frauengruppen im allgemeinen eingeladen wurden. Die Herausbildung eigener lesbischer Gruppen war gleichzeitig Ausdruck der Entwicklung eines eigenen lesbischen Bewusstseins, wie es hierzu wiederum beitrug. Die Tatsache, dass auch allgemeine Frauengruppen an den Treffen teilnahmen und am letzten Treffen sogar organisatorisch beteiligt waren, verweist auf den darüber hinaus reichenden Sachverhalt, dass beide Strömungen, Lesben und nicht-lesbische Bewegungsfrauen, miteinander verwoben waren, durch Netzwerke ebenso wie durch gemeinsame Aktivitäten (Kenawi 1995: 31).

    All diese Erfahrungen beförderten die Emanzipation der Lesben in der Weise, dass sich ab Ende der 80er Jahre eigenständige Lesbengruppen herausbildeten. Vermutlich noch stärker wirkten gruppendynamische Erfahrungen in den schwul-lesbisch gemischten Gruppen:
    „Zu Beginn war unser Kreis noch gemischt, also Lesben und Schwule gemeinsam. Doch nach dem dritten Abend zu einem Lesben-Thema, bei dem die Schwulen in der Diskussion über uns Lesben voll das Wort an sich rissen, bestanden wir auf der Trennung“ (Marika
    Körzendörfer zitiert in Hampele 2000: 51).
    Im Rahmen dieses Abnabelungsprozesse wurde z.B. in Jena eine Gruppe gegründet, die darüber hinaus auch der Rundbrief „Frau anders“ herausgegeben wurde. Andere Gruppen organisierten Lesbenwerkstätten, Feste und Workshops. Qua Arbeitsweise kann man die Lesbengruppen mit den Homosexuellengruppen vergleichen. So wurden thematische Abende zu unterschiedlichen Schwerpunkten veranstaltet. Künstlerinnen wurden eingeladen, Lesungen gehalten. Dabei hat sich abgezeichnet, dass manche Gruppen sich an einer gesellschaftlichen Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Beziehungen orientierten, während sich andere als unabhängig verstanden (Hampele 1990: 9):
    „Wir [...] beschränkten unsere Kritik nicht allein auf den Wunsch nach punktuellen gesetzlichen Veränderungen, die uns lediglich den Heterosexuellen in ihren Zwängen gleichstellt. Infragegestellt wurden von uns die patriarchalen Strukturen, die in der DDR trotz 40 Jahre gesetzlich festgeschriebener Gleichberechtigung der Frau noch weiterhin die Beziehung sowohl zwischen den Geschlechtern, als auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft bestimmen.“ (zitiert in Kenawi 1995: 32).
    Erstere Gruppen tendierten dazu, sich in schwul-lesbisch gemischter Form zu treffen, während die Gruppen des zweiten Typs rein weiblich waren.

    Quelle: Diplomarbeit DEMOBILISIERUNG SOZIALER BEWEGUNGEN von Jochen Kleres, 05. März 2002 Seite S. 67f.

Update 03.12.2011

DDR unterm Regenbogen RBB 01.10.2011 Die Dokumentation bietet einen Rückblick auf lesbisch-schwule Geschichte in der DDR und erzählt von Nischen und Ressentiments in der sozialistischen Gesellschaft. Zur Dokumentation Playlist.

Update 6. Mai 2015

Video Lesbische Frauen im Visier der Stasi