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Sonntag, 7. Januar 2024

O

 Eine gute Frage, die Sheila Jeffreys hier stellt:

Why has the Big O seduced so many feminists? May 1996

Why has the Big O seduced so many feminists? May 1996 | Sheila Jeffreys - Feminist Writer, Historian and Activist

The November/December 1995 issue of Ms., cover-lined HOT UNSCRIPTED SEX, showed a close-up of an African American woman licking her lipsticked lips...

Meine allererste Freundin Ende der 80er war für PorNo von @EMMA_Magazin. Aber sie hatte auch das Buch Sapphistrie. Ich denke, das Thema S*x war mir zu viel, deshalb entfernte ich mich von ihr. Wir kamen in einem Gespräch beide zu der Überzeugung, dass es nicht mehr passt. 

Danach gab es eine mit Tantra. Ich verließ sie.

Eine, die einfach nur merkwürdig war - in allem. Ich hatte Glück, sie kam zur Überzeugung, dass sie die Beziehung nicht mehr wollte. 

Dann eine, die mich in Stellvertretung für die Frau, die sie verlassen hatte, emotional bestrafen wollte. Hat sie gut hinbekommen. Ich habe gelitten. 

Von so einigen hörte ich, ich mache "es" falsch im Bett.

In LesbianNation ist es der Autorin unheimlich wichtig zu beweisen, dass sie genau so viel flüchtigen S*x haben kann wie Männer. 

Es ist S*xSport geworden. Auf Lesarion gehört es zum guten Ton, BDSM zu betreiben. 

Diese Orientierung am O und die Wichtigkeit ist für mich das Zeichen eines Wettbewerbs mit der Heterowelt. 

Ich schlafe gut im Bett.

Alles andere ist nicht wichtig.

Als alte Lesbe mit zwei Katzen liegen diese mir manchmal zu Füßen.

Das ist ausreichend. 

Aber ich beobachte doch mit Schrecken, wie wichtig das Thema O in den Lesbenkreisen ist.

/End of rant


Macht es euch gut. 💐 

Sonntag, 22. Oktober 2023

Mittwoch, 1. September 2021

Lesben und Comics

Lesbische Figuren in Comics. 

Lesben, die Comics machen. 

Lesben, die Comics lesen.


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  • Mein Übersichtsartikel zu Lesben im Comic auf phenomenelle.de veröffentlicht am 16. Juni 2012.

  • Rezension zu Blau ist eine warme Farbe hier auf diesem Blog.

  • Habe ich gar nicht mehr erinnert, aber Google wusste es: hier habe ich im September 2010 für Girls can blog ein paar Fragen zu meinem damaligen Hobby, dem Führen eines Comicblogs beantwortet: Irgendeine Userin of Ja! Es sind Comics!
    (Hinweis zu den Fragebogenantworten: blog.de gibt es schon lange nicht mehr als Platformanbieter. Hat mich heimatlos gemacht und so bin ich nun hier mehr schlecht als recht auf diesem Notizzettel-Blog gestrandet.)

Samstag, 28. August 2021

Lesben und Film

Interessante Leküre zu Lesben und Film:

  • Rebellin in Hollywood: 13 Porträts des Eigensinns, Taschenbuch – 1. Januar 1987 von Werner Paul und Uta van Steen 
  • Happy-end für wen?. Kino und lesbische Frauen. Broschiert – 1. Januar 1985 von Stefanie Hetze 


Viele Filme, die in Happy-End für wen? gelistet sind, habe ich gesehen und häufig auch - damals auf VHS - aufgenommen. Ihr werdet die Haare raufen. Ich habe diese Filme auch alle dem Müll übergeben. (Das Lesbenarchiv hat die Filme für sich selbst gesammelt. Ich hatte also auch keinen Anlass diese Filme an das Archiv zu geben.) 
Diese Filme, die im Müll gelandet waren, sind "gruselige" Filme, heißt die Lesbe kam im Film nicht gut weg.

Filme in der persönlichen Sammlung

Ich habe immer noch einige Lesbenfilme in der Sammlung. Jedoch finde ich persönlich deren Thematik schwierig und so schrieb ich mal: Und die Moral von der Geschicht? - Lesbenfilme.

Filmregal der Bloggerin Bild vergrößern



Filme aus meiner Sammlung, die ich mir immer wieder gerne anschaue: 

Spy Girls D.E.B.S.


Saving Face


Red Doors

San Junipero von Black Mirror
Mein Artikel zu San Junipero hier auf dem Blog.

Donnerstag, 1. Juli 2021

The coming out of Renee Montoya - " Half a Life " by Greg Rucka

Eine, der besten Geschichten von Greg Rucka überhaupt und es ist eine Geschichte aus der Reihe Gotham Central.

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Auch eine Lesbengeschichte

Sie ging weg, um Mutter und Witwe zu werden.




Dieser Satz kam mir in meiner heutigen Meditation. Es steckt eine traurige Geschichte dahinter. 

Dienstag, 28. Februar 2017

1987, 2002
Oder warum San Junipero

"San Junipero" ist die vierte Episode der dritten Staffel der britischen Science-Fiction-Anthologie-Serie Black Mirror.

Die Episode spielt 1987 in einer Partystadt namens San Junipero. Sie erzählt die Geschichte von Yorkie (Mackenzie Davis), eine schüchterne junge Frau, die die Stadt besucht und sich dort in Kelly (Gugu Mbatha-Raw) verliebt. 2002 findet Yorkie nach längerem Suchen Kelly wieder.


1987. Ich war nicht hübsch damals. Nicht attraktiv. Ein verängstigtes Mauerblümchen, das ihren Weg suchte.

2002. Ich war selbst-bewusster. Bestimmt auch attraktiv. So attraktiv, dass Frauen mich wollten. Aber ich wollte nach meinen Erfahrungen keine Romanzen mehr.
Es war ein Treffen zum Kaffee. Ein bisschen Reden. Wer hätte sagen können, dass es das Treffen meines Lebens sein würde, in dem sich mir meine Traumfrau zeigte. Alles war und wurde mit ihr möglich, weil sie mich wollte.

Diese zwei Zahlen 1987 und 2002, die in San Junipero auftauchen, decken sich also mit wichtigen Jahreszahlen meines gelebten Lebens. Das Gefühl der Unsicherheit, das Yorkie 1987 zeigt, das kenne ich nur zu gut. Es trotzdem zu machen. Schritt für Schritt meine Erfahrungen sammeln. Erkennen, was ich nicht will und dann erreiche ich 2002. Ich will keine Gefühle mehr zulassen. Mich binden oder so. Nur noch Spaß haben, ja. Wir sind in San Junipero bei Kelly angekommen.

Und plötzlich ist da eine, die alle Wände einreißt, niederreißt und du willst genau das. Zulassen. Das ist es. Vielleicht ist das der Hintergrund, warum ich gerade so viel von San Junipero möchte. Weil es mir mein Leben, meinen Traum widerspiegelt? Ich lebe ein Märchen. Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. In San Junipero tun sie genau das: nicht sterben. Sie leben Erinnerungen, nein, sie leben das wundersam Neue, dass sie Zeit ihres Lebens eben NICHT leben konnten. Kelly, die niemals in Bezug auf Frauen etwas unternahm, weil sie ihren Mann liebte, aber trotzdem Schwärmereien für Frauen in ihrer Umgebung hatte. Yorkie, die schon mit 21 das "Leben" verließ, weil sie einen Unfall überlebte, der sie ganzkörpergelähmt zurück ließ. Sie leben in San Junipero als junge Frauen das Unmögliche. Das ist das Positive an dieser Folge von Black Mirror.
Der berührende Wermutstropfen dieser Folge ist, dass die alten Frauen im wirklichen Leben tot sind, jedoch ihr "Geist" in die Cloud von San Junipero hochgeladen wurde. Sie konnten in ihrem Leben aus den unterschiedlichsten Gründen nicht das machen, was möglich gewesen wäre.

Aber ich habe das gemacht: Von dem schüchternen Mauerblümchen, das die Welt erfahren und sich der Welt mitteilen wollte bis zur Sonnenblume, die weiß, wer sie ist und wo ihre Grenzen sind.  Märchen können wahr werden, wenn du bereit bist, dich dafür einzusetzen.
Und das lässt mich die letzten vier Abende immer die gleiche Sendung anschauen.

Immer.
Es sich bewusst machen.
Mein Leben ist wirklich.




* * *

Weiterführende Links:






Nachtrag 18.09.2017

Montag, 13. Februar 2017

30 Jahre Going Public

Ich gehöre zu den ganz wenigen Menschen, die einen Unterschied macht zwischen Erkenntnis der eigenen Homosexualität und dem Bekanntgeben eben dieser Weisheit an andere. Ersteres bezeichne ich als Coming Out. Letzteres ist das Going Public.

Natürlich ist jedes Going Public ein Coming Out. Umgekehrt ein Coming Out nicht immer ein Going Public.

Gerade 22 geworden.
Mein Going Public drängte sich mir auf. Ich war nach 4 1/2 Jahren meines Coming Outs so voll an bestimmten Wissen, dass ich es der Welt kundtun wollte, damit es wirklich wird.

Das ist mein zeitnahes Beschreiben dieses Erlebnisses:


Samstag, 1. Oktober 2016

Familiengründung als Mittel zum Zweck

Entwurf:

'Mein Vater.' Seitdem ihr Vater tot ist, denkt und sagt sie diese Worte häufiger. Sie wollte keinen Kontakt mehr zu ihm. Sie bereute es damals nicht und bereut es auch heute nicht. Es ist eine Befreiung zusagen: „Mein Vater ist tot.“ und das auch glauben zu können.

Ihr Vater gründete – wie schon ihr Großvater vor ihm – eine Familie, damit es ihm besser ging. Die Kinder hierbei waren Mittel zum Zweck. Natürlich unterstellt sie diese Motiv beiden, wenn sie so  die Hintergründe der Geschehnisse anschaut. 
Ihr Großvater floh in den letzten Kriegswirren des 2. Weltkriegs aus dem deutschen Teil von Prag und lernte in einem norddeutschen Auffanglager eine Polin, die Großmutter, kennen. Die Tochter hat das noch nicht erforscht, aber wahrscheinlich ging es Familien mit Kindern besser im Flüchtlingslager und sie hatten Aussichten auf diverse Zuweisungen. Das ist so dieser Familie nicht geschehen. Sie wurden umgebürgert und landeten in Frankfurt. 

Frankfurt war nach dem Krieg und in den 50er Jahren DIE Schwulenmetropole in Deutschland. Ihr Vater zog es Anfang der 60er in die Nähe dieser Stadt. Und er hielt die Augen offen, um die passende naive Frau zu finden mit der er eine Sandfamilie gründen könnte und so die Umwelt zu blenden. Die Tochter glaubt nicht, dass er geplant hatte, dafür so viele Kinder zeugen zu müssen bis der Schwiegervater in spe der Eheschließung endlich zustimmte. Denn mit einer Eheschließung seiner Tochter verlor der Großvater einerseits ein Einkommen, auch wenn diese bereits mehrfache Mutter war und selbst für eine Familie sorgen musste. Und andererseits, vielleicht hatte er ein Gespür dafür, was für ein miserabler Mensch ihr Vater war... Das Schwule an ihm war dabei seine beste Eigenschaft, denkt sich die lesbische Tochter.

Samstag, 17. September 2016

... nichts dagegen! Eine Frage der Macht.

Das Gefühl hatte mich irritiert. Ein paar Tweets machten mir klar, was mich irritierte. Es ist eine Machtfrage.



Donnerstag, 16. Juni 2016

14.06.16 Mahnwache für die Opfer von Orlando in Frankfurt

Unterdessen habe ich nur Angst, wenn ich - auch in Deutschland - mit Regenbogenfähnchen allein die Straße langlaufe.

Frankfurter Engel
Ich bin dann sichtbar.
Angreifbar.
Allein.
In der Masse...? In der Szene? Bin ich dort geschützt?
Die Angst bleibt. Nach dem letzten Wochenende erst recht.
Trotzdem nahm ich am Dienstag an der Mahnwache für die Opfer von Orlando teil.

Weil es wichtig ist.

* * *


Die Namen der Opfer werden verlesen.


 
Das Lied "We shall overcome" wird angestimmt. Wir stehen um den Engel und halten eine Kerze.
Manche schweigen betroffen.
Auch ich.





Luftballons, an denen Zettel mit den Namen der Opfer befestigt sind, werden steigen gelassen.




Danach bewegt sich langsam die Menge zum Engel, um dort Kerze und Blume nieder zu legen.


























* * *
Weitere Infos:




Montag, 13. Juni 2016

Selbstgerechtes

Nach dem Aufstehen ins Tagebuch geschrieben:

Die Nachrichten sind gruselig. Das Wetter regnerisch. Die Leute kurzsichtig. Ich ängstlich. Wie wird das alles werden? Wo wird das alles enden? Warum werden wir so gehasst?
Orlando. 50 Tote in einer Gay-Bar. Schwule und Lesben waren das Ziel des Anschlags. Eines Idioten. Eines Fanatikers. Eines Mannes, der es nicht ertrug, dass alle glücklich sind und feiern. Das Glück der anderen ist ein Dorn im Auge der Selbstgerechten. 

Ich verstehe es nicht. Sie haben sich doch selbst ihre selbstgerechten Regeln gemacht? Aber anscheinend können sie diese Fesseln an Regeln nur ertragen, wenn ALLE sich daran halten. Dann spüren sie die Fesseln nicht mehr. 
Ich kann nicht ertragen, dass du frei bist, wenn ich mich an tausend Gebote und Verbote halten muss.
PÄNG!

Samstag, 11. Juni 2016

Von den 50er Jahre und 60er Jahre Mitte der 90er berichtet

Was habe ich da denn gefunden? Zwei übriggebliebene Kapitel einer längst vergessenen Zeit - in vielerlei Hinsicht. Vergessen für die Frauen in der Gegenwart und vergessen für die Autorin der Vergangenheit.
Und so las ich etwas über die 50er und 60er. Der Text ist krumm geschrieben, aber die Autorin hat mit Mühe in den 90ern studiert. So.

2.1. 50er Jahre
"Als unverheiratete Frau war man nur ein halber Mensch."
(Meyer, S. 92)
Sieben Millionen Frauen in Deutschland hatten ihren Mann durch den II. Weltkrieg verloren oder sie fanden aufgrund des 'Männermangels' keinen Ehepartner. Ein Drittel aller West-Berliner Haushalte hatte keinen männlichen 'Haushaltsvorstand'. (Meyer, S. 92)
Mit der Rückkehr der Männer wurden die Frauen in verheiratete und alleinstehende aufgeteilt.

"Der Begriff 'alleinstehend' kennzeichnet heute wie damals Frauen, die ohne Mann leben, das heißt, entweder ihren Mann verloren hatten, keinen Partner finden oder nicht heiraten wollten." (Meyer, S. 92)
Im Rahmen der 'Normalisierung' der Verhältnisse konnte definiert und festgeschrieben werden, was 'nicht normal' war. Die in den letzten Kriegsjahren gegründeten Frauenhaushalte wurden Notlösung genannt. Viele Wohnungen waren im Krieg zerstört worden, so daß die Frauen zusammenzogen. Diese Wohnraumnot dauerte in den 50er Jahren noch an.

"Noch 1950 lebte die Hälfte aller Haushalte in Berlin (West) in Untermietverhältnissen und auch 1955 gab es noch immer Notunterkünfte."
(Meyer, S. 95)
Die Frauengemeinschaften wurden 'minderwertig' genannt und waren vor allem 'wenig erstrebenswert'.

"Was vorher kollektives Schicksal einer überwiegenden Mehrheit von Frauen war, wurde nun zum Anlaß der Ausgrenzung und später zunehmenden Diskriminierung derer, die allein, d. h. Witwe oder unverheiratet waren und blieben." (Meyer, S. 97)
Die Frauen litten unter den 'spezifischen Diskriminierungen' ihrer Lebensform als Alleinstehende. Meist waren es nur "kleine Unachtsamkeiten" (Meyer, S. 98), die die Lebensfreude einschränkten.

"(A)lleinstehenden Frauen (wurde) ohne männlichen Begleiter das Betreten von Restaurants erschwert. Diese sexistische Ausgrenzung war noch bis weit in die 60er Jahre hinein üblich." (Meyer, S. 98)
Zu Beginn der 50er Jahre verlor das 'Hamstern' und der Tausch von und mit Waren, womit die Frauen ihren Lebensunterhalt sicherten, an Bedeutung. Der Geldwert stabilisierte sich. Die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt nahm für viele Frauen bedrohliche Formen an. Bei der Stellenbesetzung wurden in den späten 40er und frühen 50er Jahren Kriegsheimkehrer bevorzugt. Die Frauen erhielten 1/3 des Lohnes der Männer. Das Risiko, arbeitslos zu werden, war für Frauen groß und bedeutete finanzielle Not nicht nur für die 'Alleinstehenden'. Eine Entlassung traf auch ihre Angehörigen, da die alleinstehenden Frauen meist nicht 'allein' waren, sondern Kinder, Eltern oder Verwandte mitzuversorgen hatten.
Diese Lebenssituation bewirkte bei den Frauen und Mädchen, daß für sie Ausbildung und Berufstätigkeit zur Selbstverständlichkeit wurde, auch wenn sie diese nur als eine 'Übergangsphase' sahen. Das wachsende Angebot an Frauenarbeitsplätzen wirkte ebenso mit wie die "Erfahrung der Mütter im Krieg, daß eine Ehe letztlich doch keine sichere Lebensperspektive bot." (Pallowski, S. 29) Aufgrund dieser - durch die Not verursachte Selbständigkeit der Frau - ließen sich viele Frauen nicht mehr so einfach in die klassischen Frauenrollen bzw. an den heimischen Herd zurückdrängen. Auch die Mädchen, die in diesen Familien ohne männlichen Haushaltsvorstand aufwuchsen, wurden nicht auf die Unterordnung unter den Mann hin erzogen, "und es konnte kaum ausbleiben, daß sich bei ihnen der Blick für patriarchalische Verhaltensweisen schärfte." (Pallowski, S. 28)
Die 'Männerlosigkeit' der Lesben fiel in den 50er Jahren zwar nicht auf, die spezifische Diskriminierung der alleinstehenden Frau traf sie ebenso; aber zusätzlich wurden sie zu sexuellen Monstern degradiert. In einer Broschüre, die 1951 in tausendfacher Auflage kostenlos verteilt wurde, forderte der Autor die Kriminalisierung der lesbischen Liebe: "'Und lesbische Liebe ist strafwürdig; deren Straflosigkeit ist inkonsequent!'" (Böhmer, S. 239) Der in der Nazi-Zeit noch verschärfte §175 galt nur für homosexuelle Männer. Die Stigmatisierung wirkte sich aber auch für die Frauen aus (Böhmer, S. 239).
Eine "(b)ekanntgewordene Homosexualität war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ein Entlassungsgrund, selbst ein Gang zum Arbeitsgericht half nicht." (Böhmer, S. 239)
Die Wissenschaft in Deutschland tat sich schwer mit der objektiven Untersuchung der lesbischen Liebe. Die Untersuchungen waren von den Vorurteilen der meist männlichen Wissenschaftler geprägt. Titel wie 'Die Kriminalität der lesbischen Frau' von Prof. Dr. Hans von Hentig (1959) ließen nichts Gutes ahnen. Die Kinsey-Reporte 'Das sexuelle Verhalten des Mannes' (amerik. 1948) und 'Das sexuelle Verhalten der Frau' (amerik. 1953) wurden in der deutschen Fachöffentlichkeit abgelehnt (Kokula, S. 119). Diese Kinsey-Reporte bestätigten in gewisser Hinsicht die 'Normalität' der lesbischen Frau. Es wurde nicht über Monstrositäten berichtet und von den Frauen verlangt, in Therapie zu gehen oder anderweitig sich kurieren zu lassen (Kokula, S. 119).
Das Leben der Lesben war durch 'Privatheit' geprägt. Die meisten Frauen 'organisierten' sich in Cliquen, die häufig schon in der Weimarer Zeit gebildet wurden. Die Aufnahme fand nur über persönliche Kontakte statt. Meist waren es ältere Frauen, die sich so zusammen fanden. Lesben, die keinen Zugang in diese Cliquen fanden, mußten 'Herumexperimentieren', um eine Freundin zu finden. Die Frauenlokale waren in den sog. Rotlichtdistrikten einer Stadt angesiedelt, dies war für ein starkes Selbstbewußtsein nicht gerade förderlich. (Kokula, S. 110)

2.2. Die 60er Jahre


Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde in den 60er Jahren vielseitig diskutiert. Das bedrohte Ansehen der Nur-Hausfrau sollte angehoben werden. Im Bericht über die Situation der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft vom September 1966 wird die Vielfältigkeit im Haushalt angesprochen und die damit verbundene Berufung der Frauen:
"Angesichts der Vielfalt geistiger und körperlicher Leistungen, die von der Hausfrau verlangt werden, erscheint es nicht verwunderlich, wenn demoskopische Untersuchungen ergeben haben, daß auch heute noch die Mehrzahl aller Frauen ihre Tätigkeit in Haushalt und Familie als Lebensaufgabe und Berufung verstehen..." (Langer, S. 113)
Elisabeth Pfeil stellt in ihrer Untersuchung fest, daß die
"Identifikation mit der Rolle der Familienmutter (...) vollkommen (ist); diese Frauen haben das Gefühl, ihr eigenstes Wesen darzulegen, wenn sie sich entsprechend der gesellschaftlichen Rollenerwartung verhalten, (...)." (Langer, S. 116)
Schöngeredet wird die Last der Haushaltführung mit einem innerfamiliären Matriarchat, das aber empirisch nicht zu finden war. (Langer, S. 128) Die Ehefrauen konnten höchsten 'bei größeren Einkäufen' mitbestimmen.
"Das wirtschaftliche und geltungsmäßige Übergewicht des Mannes zieht de facto eine ihn begünstigende Autoritätsstruktur nach sich." (Langer, S. 127)
Die Berufstätigkeit der Frau hieß für Ehefrauen sich für die Familie und gegen den Beruf oder den Beruf und gegen die Familie zu entscheiden. (Langer, S. 120) Die gesetzlichen Grundlagen für die Frau ließen ihr, wenn sie geheiratet hatte, kaum eine Wahl. Im BGB lautet der dazu entsprechende §1356, der noch bis 1977 galt folgend:
"Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist." (Langer, S. 114)
Es war ein Scheidungsgrund, wenn die Frau ein vor der Ehe gegebenes Versprechen, die Berufstätigkeit aufzugeben und sich nur noch dem Mann zu widmen, brach. (Langer, S. 124)
Die sexuelle Emanzipation der Frau ließ die Institution der Ehe unangefochten. Zwar erhöhte die persönliche Glückserwartung die Scheidungsquote, die zur Korrektur der falschen Partnerwahl genutzt wurde, aber die Wiederverheiratungsquoten waren sehr hoch. Das Anrecht der Frau auf sie 'befriedigende Beziehungen' wurde ihr zugestanden. (Langer, S. 125) Diese Emanzipation wurde sicherlich durch die Möglichkeit der Empfängnisverhütung gefördert. (Langer, S. 125f.) Die Schreckensmeldungen über die Gefährlichkeit der Antibaby-Pille zeugte von der Angst der Männer, daß die Frauen ihr sexuelles Schicksal selbst bestimmen könnten.
"So war Dr. Martin Loeb, Soziologe an der Universität von Wisconsin der Ansicht, die 'Antibabypille' gefährde die führende Rolle des Mannes in der Familie'. Die Frau gewinne dadurch eine 'bisher dem Mann vorbehaltene Planung der eigenen Zukunft'. Es gehe nicht an, daß die Frau die Möglichkeit erhalte, die Familienplanung allein zu bestimmen." (Langer, S. 126f.)
Noch Anfang der 60er Jahre wird die Straflosigkeit der lesbischen Frau mit dem 'Männermangel' begründet:
"Bei dem zwar geringen, aber immerhin bestehenden Männermangel ist die Frau der Möglichkeit ausgesetzt, keinen m„nnlichen Geschlechtspartner zu finden; außerdem entspricht es eher der weiblichen Psyche, an dem zarten Körper und an dem Gemüt eine anderen Frau Gefallen zu finden als vielleicht an den Muskeln und dem härteren Wesen eines Mannes. Deshalb hat es der Gesetzgeber vorgezogen, den vielleicht sonst unbefriedigten Gefühlen einer Frau ein Ventil zu belassen." (Meixner/Helldörfer: Kriminalität und Sexualität. Hamburg 1961, S. 38)
Auf die Beständigkeit der Beziehungen lesbischer Frauen wird verstärkt hingewiesen, um den Unterschied zu den homosexuellen Männer aufzuzeigen, die 'triebhafter' seien.
Das Tabu der Sexualität wird entblößt und der amerikanische Autor, der auch beim Kinsey-Report mitgearbeitet hatte, kann berichten:
"Der Gebrauch eines Penisersatzes ist aber auch hier - und dies wird die Eitelkeit mancher Männer verletzen - sehr selten."
(Gebhard, S. 40)
Er kann von der höheren Orgasmusraten in lesbischen Beziehungen berichten.
Für den deutschen Autor ist es dagegen wichtig darauf hinzuweisen,
"daß dem weiblichen Körper ein Instrument für aktiv-forcierter Zugriff genitaler Art fehlt. Die meisten homosexuellen Praktiken unter Frauen erschöpfen sich in mehr oder weniger äußerlichen Liebkosungen." (Giese, S. 131f.)
Argumentationshilfe ist ihm hierbei der Sexualwissenschaftler Krafft-Ebing, der im 19. Jahrhundert Fälle von Lesben bearbeitete.
Ein besonderes Problem in der Sexualwissenschaft ist das Rollenspiel. Das m„nnliche Aussehen der Lesben wird hergehoben. Begründet wird dies mit der gesellschaftlichen Rolle, die die Frau einnehmen muß, da sie für sich selbst sorgen muß. Die Öffentlichkeit sei durch den Mann geprägt worden.
"Auch die Bereiche, die für die Frau reserviert wurden, hat der Mann ihr reserviert."
(Giese, S. 132)
Es findet eine Verbindung statt von der Aktivität in der öffentliche Teilnahme an der Gesellschaft durch das Erwerbsleben und der ausgeübten Sexualität, die nicht unmännlich gedacht werden kann (Giese erwähnt die Prothese, die von einem kleinen Teil der Lesben zu Hilfe genommen werden soll, S. 132), wenn sie nicht 'wirkungslos' bleiben soll. Dies im Widerspruch zur Feststellung des amerikanischen Autors, Gebhard, der einerseits festhielt, daß Penisersatze nicht genutzt werden und der auch festhielt, daß es zwei Typen, nämlich männlich und weiblich gäbe, aber daß
"(d)iese Rollen (...) nicht dauernd fixiert (bleiben), man kann häufig einen Rollenwechsel beobachten, vor allem dann, wenn ein Partnerwechsel erfolgt. Es ist aber nicht zu übersehen, daß sehr viele homosexuelle Frauen ein solches Rollenspiel nicht entwickeln und es als völlig sinnlose Imitation des heterosexuellen Lebens betrachten." (Gebhard, S. 41)
2.3. Zusammenfassung

Für die Zeit der 50er Jahre läßt sich festhalten, daß die Frau sich in einer neuen Art und Weise erfahren hat. Sie erlebte sich in einem neuen Selbstbewußtsein und erfuhr eine Frauensolidarität, die plötzlich mit der Rückkehr der Männer aufgehoben wurde. Doch die vormals anerkannte Geschlechterhierarchie wurde in Frage gestellt. Dennoch wurde das Merkmal Zugehörigkeit zum Mann wieder zum trennenden Punkt, einschneidend wurde dies für die Lesben.
Die Frau wurde mit dem Ausschluß aus dem öffentlichen Leben zum privaten Wesen. Mit Macht wurde die Frau von den 'Konservativen' wieder an den heimischen Herd verwiesen.
An diesem Platz finden wir sie in den 60er Jahren. Die meisten Frauen haben diese Ideologie verinnerlicht. Für sie war es ihre Bestimmung für Mann, Kinder und Haushalt zu sorgen. Doch die erlebte Diskrepanz von Eintönigkeit im Haushalt und dem Berufsleben wurde entweder herabgesetzt, es würde nicht existieren oder die Vielfältigkeit des Haushalts und privaten Lebens hervorgehoben.
Eine Gefahr sahen die Männer für die traditionelle Familie in der Bestimmungsmöglichkeit über den Kinderzuwachs in der Familie. Die Frau hatte die Möglichkeit sich sexuell zu emanzipieren.
Das Tabu der Sexualität wurde gebrochen. Auch wenn in Deutschland speziell die überkommenen Anschauungen über Lesben vorherschte und die Empirie nicht zum Zug kam. Gegen Ende der 60er Jahre änderte sich die Situation für die Lesben. Es wurde erkannt, daß nicht ihre Homosexualität sie anders machte, sondern die Gesellschaft sie in die Situation preßte.


Quellen

MEYER, Sibylle/ Schulze, Eva: Von Wirtschaftswunder keine Spur. Die ökonomische und soziale Situation alleinstehender Frauen. In: Delille, Angela (Hg.): Perlonzeit: Wie die Frauen ihr Wirtschaftswunder erlebten. West-Berlin 1985, S. 92 - 98
GEBHARD, Paul Henry/ Giese, Hans/ Raboch, Jan: Die Sexualität der Frau. Reinbek bei Hamburg 1968
GEBHARD, Paul Henry: Die weibliche Sexualität. In Gebhard, P./ Giese, H./ Raboch, J.: Die Sexualität der Frau. Reinbek bei Hamburg 1968, S. 34 - 42
PALLOWSKI, Katrin: Leben im halben Zimmer. Jugendzimmer. In: Delille, Angela (Hg.): Perlonzeit: Wie die Frauen ihr Wirtschaftswunder erlebten. Westberlin 1985, S. 23 - 29
BÖHMER, Ulrike/ Kokula, Ilse: Die Welt gehört uns doch! Zusammenschluss lesbischer Frauen in der Schweiz der 30er Jahre. Zürich 1991
KOKULA, Ilse: Wir waren irgendwie unaufrichtig. Lesbisch leben in den 50er Jahren. In: Frauen untereinander. Dokumentation der Offenen Frauenhoch-schule 10.05. - 21.05.1989. Wuppertal, S. 105 - 119
LANGER, Ingrid: Vor dem Aufbruch. Die soziale Stellung der Frauen in den 60er Jahren. In: Becker, Bärbel (Hg.): Frauen in den 60er Jahren. "Unbekannte Wesen". West-Berlin 1987, S. 113 - 129
MEIXNER/ Helldörfer: Kriminalität und Sexualität. Hamburg 1961
GIESE, Hans: Die Sexualität der Frau. In: Die Sexualität der Frau. Reinbek bei Hamburg 1968, S. 120 - 132

Freitag, 1. Mai 2015

Erinnerungen an eine Lesbenaktivistin

Hanneliese ist jetzt fast schon 10 Jahre tot. Ich weiß nicht, wann sie genau verstorben ist. Ich weiß nicht, wann sie geboren wurde.
Geschichte kann nur von unseren tradierten Erinnerungen leben. Deshalb hier meine Erinnerung an diese engagierte Frau aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Ich lernte Hanneliese 1987 aus den Augenwinkeln kennen. Ich hörte davon, dass sie die Frau war, die die Lesben-Ralley in der Dreieich-Region organisierte. Sie war auch Vermieterin eines Hauses:
Sie bemalten Geldscheine mit der doppelseitigen Axt. Einige sprachen von Kursen, die sie besucht hatten. Eine redete von Wohnungsvermietungen. Erst kam ein Mann. Schaute sich die Wohnung an, war mit allem einverstanden und stellte schüchtern die Frage: "Darf ich mit meinem Freund hier einziehen?" Kurz darauf kam eine Frau für eine andere Wohnung mit einer ähnlichen Frage. Und die alles erzählte, meinte: "Na, dann immer rein in die gute Stube."-"Wenn die wüßten, was die für eine Vermieterin kriegen!" sagte eine andere.
Quelle: Tagebucheintrag vom 25. Juli 1987 zum Besuch der Schönen Müllerin in Frankfurt am Main am 24.07.1987
Später traf ich sie wieder in der Mittwochsrunde, einem Lesbengesprächskreis in der Frankfurter Frauenschule. Ich war mit dabei, als wir, ca. 10 Frauen, uns am 30.04. und 29.05.1989 bei ihr Zuhause trafen, um über die Möglichkeit eines festen Lesbenortes und einen Frankfurter Lesben-Verein zu diskutieren. Im Mai 1989 rief sie mich an, ob ich mit ihr mit nach Bonn fahren wolle, um bei der BAG Lesbenpolitik der Grünen mitzumachen. Bei der BAG trafen sich viele Lesben, die in der Szene Rang und Namen hatten: Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, politisch Aktive.
Im November 1989 wurde der Verein LLL e.V. gegründet.
Das Lesbisch-Schwule Kulturhaus in Frankfurt lag Hanneliese sehr am Herzen. Um politischen Druck zu machen, wurden immer wieder Aktionen gemacht. So auch am 07.10.1990 als die Vereine LLL e.V. und Emanzipation e.V. eine Soiree unter dem Titel "Den Warmen, Schönen, vom anderen Ufer" vor dem geplanten, zukünftigen LSKH veranstalteten.
Den Warmen, Schönen, vom anderen Ufer (Diashow, Dauer 3:06)
Album auf Flickr

Als der Ort für uns geschaffen war - das Kulturhaus konnte bezogen werden-, nutzte sie ihre Vernetzung, um z.B. mit Rednerinnen von der BAG Lesbenpolitik zu Veranstaltungen wie am 27.09.1991 "Ehe auch für Lesben? Rechte für lesbische Lebensgemeinschaften heute und morgen" einzuladen.
Da ich damals im Verein LLL e.V. ehrenamtlich mitarbeitete, kreuzten sich unsere Wege immer mal wieder.
Mein Lebensweg führte weg von LLL e.V.. Irgendwann verlor ich sie aus den Augen.
Aber sie gehört für mich immer zu den Frauen, die ich als Aktivistin für erinnerungswert erachte.

Mittwoch, 6. August 2014

Lesbisch für Anfängerinnen


Der Buchtitel hat es in sich. Als ich erzählte, was ich gerade lese, wurde ich gerne gefragt, ob es sich bei den Büchern um Selbsthilfebücher handeln würde. 

Nein, keine Selbsthilfebücher. 
Es sind Romane. 
Aber sie zeigen einen schönen Einblick in die Lesbenszene. Für Frau, die diese noch nicht kennt und noch etwas Berührungsängste hat, eine gute Art und Weise sich der Szene zu nähern.

"Lesbisch für Anfängerinnen" ist eine schöne Soap Opera aus der Lesbenszene in Buchform. Zur Buchreihe "Lesbisch für Anfängerinnen" ist unterdessen der dritte Teil "Damenwahl" herausgekommen.

* * *

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!

Ich habe den ersten Teil von Lesbisch für Anfängerinnen gelesen. Kann jetzt Hörbuch und Buch vergleichen. Beide sind okay.

Tina, eine Hetera, will sich Hals über Kopf von ihrem Freund trennen. Was heißt, sie will so schnell wie möglich aus der gemeinsamen Wohnung raus. Durch Zufall und ein Missverständnis - sie hielt das verschlungen dargestellte Frauenzeichen für ein Viele-Frauen-Zeichen - landet sie in einer Lesben-WG. Nach anfänglichen Vorbehalten auf beiden Seiten wächst sie in die WG und auch in die Lesben-Szene hinein. Dabei macht sie sich Gedanken, ob sie eventuell auch lesbisch sein könnte, weil sie immer mal wieder an diese Astrid denken muss.

Die Geschichte ist für mich keine Haute Cuisine, aber sie ist ein leckerer Eintopf: Einfach und alles ist drin.
Beim Lesen hatte ich immer Bilder von meinen Erlebnissen aus Frankfurt vor Augen. Okay, ein Lesbenkulturhaus haben wir nicht. Dafür ein Lesbischschwules Kulturhaus. Aber sonst kam mir alles so vertraut vor. Die Arbeit in Lesbenprojekten, in Lesbengruppen. Das Zusammentreffen der Lesben.

Was ich jedoch beim Lesen verrückt fand war, dass die Darstellung des Prickelns zwischen Tina und Astrid sehr bemüht herüber kam. Ich las mehr Erotik bei den Situationen mit Vera, eine Frau, die Tina auf ungewöhnliche Weise kennenlernte oder mit Susanne, eine Mitbewohnerin der WG. Gewollt ist halt nicht alles. Und vielleicht waren Tinas Gedanken zum Lesbischsein und ob sie nun Gefühle für Astrid haben könnte, nicht sehr hilfreich für die Leserin sich ins Geschehen einzulassen. Bei den anderen Frauen beschrieb die Autorin nur das Geschehen und kein weiter gehendes Nachgrübeln und das Vertrauen der Frauen untereinander war rauszulesen.

Mal sehen wie es sich weiter entwickelt. Hab ja noch Teil 2 als Hörbuch und Teil 3 als Buch vor mir.

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!
Celia Martin
Broschiert: 216 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 3 (August 2010)
Sprache: Deutsch
* * *

Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küsse

Der zweite Teil lag mir nur als Hörbuch vor.
Tina macht gemeinsam mit Henriette von Lojewski, Inhaberin eines Cateringservice und Herausgeberin eines Luxusgourmentjournals eine Geschäftsreise nach Italien, um die Geheimnisse der italienischen Küche für einen Artikel zu recherchieren. Tina schnuppert noch neben ihrem eigentlichen Job in der Versicherung in diese neue kulinarische Branche. Es läuft alles gut beruflich. Privat hingegen gibt es Durcheinander: die Eltern trennen sich, die Mutter zieht bei ihr ein und lernt dadurch einen netten Nachbarn von Tina kennen, dessen Tochter nun auch noch lesbisch ist. Aber Tina hat ihr Coming Out vor ihrer Mutter noch vor sich und eine Freundin, die sie nun nicht nach Hause einladen kann. Dadurch fährt die Beziehung mit Astrid Achterbahn, da Astrids Ex sich nicht als Ex begreift. Auch gibt es Geheimnisse, die Astrid vor Tina verbirgt.

Es gibt also sehr viele Geheimnisse.
Noch mehr Annahmen.
Und die Frauen reden nicht miteinander.
Beim Anhören hoffte ich unentwegt, dass sich Tina und Astrid trennen. Wieder war mehr Erotik und Nähe zwischen Tina und diversen anderen weiblichen Charakteren zu spüren als bei diesen beiden.
Naja.

Hörbeispiel:


Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küssevon Celia Martin (Autorin), Christiane Marx (Erzählerin)
Spieldauer: 6 Stunden und 5 Minuten
Format: Hörbuch
Verlag: Butze Verlag

* * *

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl

Diesmal geht es kommunalpolitisch zu: Im Rahmen der Gentrifizierung soll ein Stadtteil neu gestaltet werden. Gerüchten nach soll das Frauenkulturhaus geschlossen, bestehende Wohnungen sollen wertvoller gemacht werden. Dazu müssen natürlich die alten Mieterinnen raus. Diese hätten eigentlich ein Recht, eine gewisse Zeit in Anspruch zu nehmen, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Aber es soll schneller gehen. Also werden Krachmacher in leere Wohnungen gesetzt, die das Wohnen im Haus reichlich ungemütlich machen. Dies trifft aus der Lesbenclique Käthe.

Aber nicht nur im Wohnbereich wird Käthe gebeutelt: die Ex von Käthe, die zusammen mit ihr das Frauenkulturhaus aufbaute, hat unterdessen Karriere gemacht und ist Kandidatin für eine Konservative Partei. Zu Zeiten mit Käthe setzte sie ihr Talent für das FKH ein – ein Projekt, das ihr sehr am Herzen lag. Nun "mauschelt" sie mit der Presse, um so in einem guten Licht für die kommende Wahl zu stehen. Gleichzeitig ist auch ihre Partei an diesem Wohnungsdingens beteiligt, so dass die Freundinnen alles daran setzen, in ihre Nähe zu kommen, um so etwas über die Zukunft des FKH zu erfahren. Hierzu ist es gut, dass Tina unterdessen Karriere im Bereich der Presse und Cateringservices machte.

Was haben wir noch für dieses Lesbisch für Anfängerinnen? Weniger Verwicklungen. Diesmal ist es klar, dass sie ohne Informationen nicht wissen können, was Sache ist. Und sie kämpfen für ihre Sache. Auch wenn hierfür ein Ausrutscher der Politikerin genutzt wird.

Gelernt habe ich von dem ungeschriebenem Gesetz der Lesben: Du outest keine Lesbe –- auch wenn sie deine politische Gegnerin ist.

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl
Celia Martin (Autorin)
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 1 (27. Juni 2014)
Sprache: Deutsch

Sonntag, 15. Juni 2014

Sappho II

Knapp drei Wochen nach dem mystriösen Tagebucheintrag stellt sich heraus, dass die jugendliche Autorin noch keine Kenntnis über die Texte von Sappho haben konnte.
Freitag, den 1. VII. '83

Salve!

Anscheinend können es die Normalen ehrlich nicht ertragen, Sappho. Am Tisch gab es wieder ein Gespräch von Freund und Männer. Ich meinte, ich wollte von solchen Kreaturen nicht abhängig sein. (...) 

Soll ich die blöde Situation endlich aussprechen oder immer noch um den heißen Brei herumreden. '- Ja, ich wage mich, ich liebe ein Mädchen, auch wenn es euch nicht passt und jetzt werde ich die Umschläge von den zwei Büchern abmachen und meinen Namen hineinschreiben. Sappho, dich hab ich endlich. Verdammt, warum waren die Menschen nur so dumm und haben deine Stücke zum Teil vernichtet. Aber du hast überlebt, nein, du wirst nicht vergessen, auch wenn so wenige Leute dich nur kennen. Dein Name währt ewig, auch wenn manchmal ein negativer Inhalt ihm zugute kommt. Aber warum soll man nicht in Leidenschaft zu einem Mädchen entbrennen? Was ist schlimm daran? Man kann doch jeden Menschen lieben, warum sind die Normalen nur so verkorkst? Nicht wir sind es, die das ganze schlecht machen, denn auch unsere Liebe ist rein und echt. Auch wenn es euch nicht passt, wir können und wollen auch lieben dürfen. (...)

Ave für heute.
Die zwei in diesem Tagebucheintrag mit blindem Schutzeinschlag versehenen Bücher kaufte die junge Autorin auf dem 20. deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover 1983 (8.-12. Juni 1983). Eines davon ist das von Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Tabu Homosexualität – Die Geschichte eines Vorurteils, Frankfurt am Main 1978. Ein Buch, das sich auch heute noch im Bücherschrank der alten Autorin befindet.
Das zweite war des Aufhebens nicht wert.

Das im Tagebucheintrag mit "Sappho, dich hab ich endlich." gemeinte Buch war Sappho: Strophen und Verse übersetzt von Joachim Schickel, herausgekommen 1978, deren Texte nun endlich von der Autorin genossen werden konnten.


Weiterführende Links
  • Über das Buch Tabu Homosexualität Artikel auf en.wikipedia.org (engl.)
  • de.wikipedia.org Gisela Bleibtreu-Ehrenberg
  • Lyrikzeitung & Poetry News: Selanna: vergleicht eine Sappho-Originaltextstelle mit unterschiedlichen Texten diverser Übersetzerinnen (darunter auch Schickel)

Dienstag, 10. Juni 2014

Lesbenliteratursalon im Juni. Thema: Rita Mae Brown

21.05.1992: Lesung Rita Mae Brown: "Schade, dass du nicht tot bist" in der Buchhandlung Heinz Schutt, Frankfurt; Foto: irgendeine Userin
Vor 22 Jahren war ich auf einer Lesung von Rita Mae Brown. Was ich nicht erinnerte, war die Tatsache, dass sie damals ihren ersten Katzenkrimi vorstellte. Was ich erinnerte war, dass sie an diesem Abend aus Rubinroter Dschungel vorlas. Katzenkrimis waren damals nicht so mein Thema.
Manches kommt halt wieder.

Lesbenliteratursalon

Am ersten Sonntag im Juni war Lesbenliteratursalon. Diesmal hatten wir uns als Thema Rita Mae Brown auserkoren. Drei Bücher von ihr wurden vorgestellt:
  • Rubinrote Rita: Eine Autobiographie
  • Einen ihrer Katzenkrimis
  • Dolley. Das Leben einer First Lady, (Dolley Madison, First Lady der USA von 1809 - 1817)
(Auf die Autobiographie wurde ich durch die Vorstellung im Salon so neugierig, dass ich mir diese nun auch bestellt habe.)

Katzenkrimis

Ich habe mich für den Lesbenliteratursalon mit einem ihrer Katzenkrimis beschäftigt. Mittlerweile gibt es schon 20 Bände der Mrs. Murphy-Reihe auf deutsch.

Ich recherchierte im Netz zu Katzenkrimis und wurde durch weitere neue Erkenntnisse überrascht: Mir war nicht bekannt, dass sich die Tradition der Katzenkrimis auf den Altmeister Edgar Allan Poe gründet, der 1843 die Kurzgeschichte Der schwarze Kater schrieb. Auch wusste ich nicht, dass es eine Berliner Katzen-Krimi-Nacht und einen Deutschen-Katzen-Krimi-Preis gibt. Jetzt weiß ich es durch Kater Paul.

In Erwartung lustiger Lektüre, ich hatte andere Bücher von Rita Mae Brown gelesen, bestellte ich mir drei Katzenkrimis wegen der Titel: Ruhe in Fetzen, Virus im Netz und Mausetot. Gelesen für den Lesbenliteratursalon habe ich nur einen. Es ist der zweite Band in der Reihe. Nach allem, was ich so an Rezensionen fand, soll es der gruseligste in der Reihe sein. Okay, das weiß ich nicht, weil ich habe ja die anderen Bände nicht gelesen.

Ruhe in Fetzen. Ein Fall für Mrs. Murphy

Crozet, ist eine kleine Stadt in Virginia. Hier lebt die vor kurzem geschiedene Mary Minor Harristeen, genannt Harry, ganz zufrieden. Sie verbringt ihre Freizeit auf ihrer Farm und arbeitet bei der Post, wo zentral die Nachrichten über die Vorgänge ihrer Nachbarn zusammenführen. Ihre Katze, Mrs. Murphy und der Welsh Corgi Tee Tucker, begleiten Harry fast überall hin.

Nachdem Blair Bainbridge, ein männliches Modell aus New York und ein Yankee, in der Stadt ankommt, findet sich - durch die gute Nase von Tee Tucker und der Besonnenheit von Mrs. Murphy, die den Hund davon abhält das Fundstück gleich zu verschlingen - kurze Zeit später auf seinem Grundstück diverse Leichenteile.

Mein Leseerlebnis

Leider muss ich sagen, dass mich das Lesen des Krimis eben nicht dazu ermunterte die anderen Bücher, die ich mir auch bestellt hatte, lesen zu wollen.
Dies mag an der langatmigen Beschreibung einer Fuchsjagd oder dem Alltagsleben einer Kleinstadt im Süden der Vereinigten Staaten oder der holprigen deutschen Übersetzung liegen. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall gingen Katze, Hund, Pferde, das Oppossum und die Schlange - die Eule schon - nicht an mich. Auch bei den menschlichen Charakteren fand sich keine für mich zum Liebhaben. Ich las zuviel von Heteroverkuppelungsversuchen, von wie sich eine geschiedene Frau zu verhalten habe, wie Rock und Hose doch Harry kleiden können, so dass das Thema des Krimis mich leider kalt ließ.

Ich weiß aber, dass andere Leserinnen nicht genug von der Mrs. Murphy-Reihe kriegen können.



Ruhe in Fetzen
Rita Mae Brown, Sneaky Pie Brown
Verlag: Rowohlt Tb.;
Auflage: 76 bis 90 Tausend (1996)
Sprache: Deutsch

Freitag, 6. Juni 2014

Sappho I

Montag, den 6. VI. '83
Salve!
Wenn das stimmt, was ich denke, was ich bin, weißt du, dann steht es ziemlich schlecht um mich. Beim Spaziergang ist mir aufgegangen, daß ich nicht ganz normal bin. Du, ich begehre ein Mädchen und weißt du, was das heißt, ich bin lesbisch! Sappho, Sappho, was mach ich nur? Ich hoff nur, daß das nicht stimmt. Aber ich hab sie so lieb. Ich muß mich mit dem Gedanken abfinden. Das ist wohl der einzige Weg. Die Kunst muß einfach zu meiner Geliebten werden. Ansonsten seh ich da keinen Ausweg.
Ave, für heuteEin mysteriöser Tagebucheintrag einer Teenagerin von vor 31 Jahren. Die Schreiberin spricht eine uralte, imaginäre, jedoch auf einer realen Person basierende, Lyrikerin an.
Die Autorin kann damit leben, dass Sappho als Namensgeberin für die sapphische Liebe steht. Sie hat kein Problem damit, dass der Wirkort der Lyrikerin - Lesbos - das Wortgrundgerüst für die Bezeichnung homosexueller Frauen ist. Aber mit der negativen Konnotierung in Abgrenzung zur "Normalität" hat die junge Schreiberin ein unerwünschtes Thema mit in der Persönlichkeitsfindung.
Ruheort Text, in dem Verzweiflung und Sehnsucht nebeneinander stehen können.

Mittwoch, 16. April 2014

Und die Moral in der Geschicht?
Lesbenfilme

Faszinierend, wieviele Liebesgeschichten in Lesbenfilmen auf Fremdgehen beruhen. 13:27 - 16. Apr. 2014

Kyss mig: Eine hintergeht ihren Verlobten, die andere ihre Lebensgefährtin. Lesbische Liebesgeschichte im Film.
15:33 - 16. Apr. 2014

Image me and you: Sie verliebt sich auf ihrer Heterohochzeit in die Gärtnerin.
15:34 - 16. Apr. 2014

It's in the water: Sie standesmäßig verheiratet fängt etwas mit der Krankenschwester an.
15:36 - 16. Apr. 2014

Alles wird gut: Sie halbwegs verlobt, lässt sich von ihrer Putzhilfe beeindrucken.
15:37 - 16. Apr. 2014

Puccini for Beginners: Eigentlich Lesbe fängt mit Mann was an, um diesen dann mit Frau zu betrügen.
15:38 - 16. Apr. 2014

Noch mehr?
15:39 - 16. Apr. 2014

The Four-Faced Liar: Sich bürgerlich mit Freund einrichtende Neu-New-Yorkerin richtet ihre Gefühle auf eine New Yorkerin.
15:46 - 16. Apr. 2014

Out at the Wedding: Heteroheiratende Schwester tändelt mit "Freundin" der Fake-Lesbe.
15:47 - 16. Apr. 2014

Ach ja: Big Spoilers in den vergangenen Lesbenfilme-Inhaltstweets.
15:48 - 16. Apr. 2014

Und wenn ich jetzt mit den DramaDrama-sehrernsten-Lesbenfilmen anfange, wird's gruselig. Ich lass das bleiben.
15:49 - 16. Apr. 2014

Liebe Regisseurinnen und Regisseure dreht MEHR schöne, spannende, lustige Filme mit eindeutigen Lesben. Würd mich sehr freuen. Danke. :-)
15:51 - 16. Apr. 2014

Bekanntgehen wäre ein anderes Thema - wenn auch weniger mein Thema. #Lesbenfilme Okay. #Monogamie #Moral
16:06 - 16. Apr. 2014

So. Macht euch Gedanken. Ich muss einen Videoplayer suchen.
16:07 - 16. Apr. 2014

Mittwoch, 20. November 2013

Julie Maroh: Blau ist eine warme Farbe

Blau ist eine warme Farbe
Autorin: Julie Maroh
Taschenbuch: 156 Seiten
Verlag: Splitter;
Auflage: 1., Aufl. (Dezember 2013)
Sprache: Deutsch

Inhalt

Clementine ist 15 als sie die blauschopfige Emma das erste Mal im Vorbeigehen sieht. Clementine ist gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Jungen, weil ihre Freundinnen sie mit dem Argument zu diesem Treffen drängen, dass dieser ja schon auf der Oberstufe sei. Clementine hat tatsächlich einen wunderschönen Tag mit Thomas. Kann aber die blauhaarige junge Frau nicht vergessen und träumt in der Nacht von ihr. Sie kann nicht glauben, wie sie von ihr geträumt hat und trifft sich deshalb mit Thomas weiter. Weil,

"Ich bin ein Mädchen, und ein Mädchen muss mit einem Jungen gehen."
S. 20

Die Gedanken, die sie in ihrem Tagebuch niederlegt, kreisen immer wieder um das Thema Normalität. Sie geht auf Demos. Sie kommt zu spät Nachhause. Sie hat Krach mit ihrer Mutter. Und sie träumt immer noch von der blauhaarigen Frau. Clementine ist unterdessen 16 geworden. Sie beginnt sich zu fragen, ob es nicht auch andere Mädchen gibt, die dasselbe fühlen. Ein Vorfall mit einer Schulkameradin lässt sie das Gefühl bekommen, dass es sie gibt. Aber schon einen Tag später stellt sich alles als ein Missverständnis heraus. Aufgewühlt verlässt sie die Schule und wird durch Valentin aufgehalten. Dieser schwänzt mit ihr die Schule, um hinter die Fassade ihrer Verwirrung zu kommen. Dabei erzählt er, dass auch er schon mal mit einem Junge geflirtet habe.

Ein paar Wochen später ziehen Clementine und Valentin durch die Homokneipen. Unterwegs trennen sich die Wege und Clementine folgt einer Gruppe Frauen in eine Lesbenkneipe. Beim Blick durch die Menge schimmert es zuerst nur blau... Dann hat Clementine ein freies Blickfeld und sie sieht die blauhaarige junge Frau, von der sie schon ein ganzes Jahr träumt. Das Aufmerken ist beidseitig.

Am nächsten Morgen wird die blauhaarige Emma vor der Schule wartend von den Schulkameradinnen entdeckt und gleich als Lesbe identifiziert. Clementine zieht Emma erschrocken weg aus dem Blickfeld der anderen. Emma ist brüskiert und entschuldigt verabschiedend, dass sie wohl etwas missverstanden habe. Clementine hält sie rufend auf, Seite 55:

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Zeichnungen

Das Comic ist fantastisch gezeichnet. Maroh gelingt es, die Emotionen der Figuren gut durch die Bilder zu transportieren. Auch der Einsatz der Farbe unterstreicht dieses Vorgehen. Für die Zeichnungen der Gegenwart hielt sie alles in bunt, für die Zeichnungen für die Vergangenheit wählte sie schwarz/weiß.
Spontan schrieb ich mir auf: Ein schönes Gefühl mit schönen Bildern schön gezeichnet.

Was die Wahl der Farbe Blau angeht, so erzählt Maroh auf After Ellen:
Regarding the choice of the color blue in particular, it was nothing more than a graphic decision. By process of elimination, I knew that all the other colors wouldn’t work. The blue was simply the most neutral and efficient one to use.

Quelle: afterellen.com Julie Maroh on creating “Blue is the Warmest Color”

Meinung

Maroh beschreibt das wachsende lesbische Begehren eines Mädchen. Sehr detailliert wird die Angst davor und die Bestätigung der Angst durch die Homophobie der Umwelt beschrieben. Das immer wieder Schwanken, Verneinen des Begehrens - es ist für viele Lesben so bekannt. Es ist nicht wichtig, ob Maroh autobiographisch gearbeitet hat - sie verneint dies und ich glaube ihr das. Das Comic enthält für so manche Lesbe autobiographische Ansätze. Und die anderen, die dies nicht kennen, können lesen, dass der Weg zum Coming Out nicht der leichteste ist.

Der Detailreichtum verliert sich etwas zum Ende. Ob Maroh endlich abschließen wollte, weil sich schließlich auch ihr Studium dem Ende neigte? Sie zeichnete an dieser Geschichte in ihrer Freizeit seit Beginn ihres Studiums mit 19. Sie arbeitete fünf Jahre an der Geschichte.

Ja! Comic und der diesen Comic adaptierende Film haben diverse Preise erhalten. Egal.

Das Comic ist eine schöne künstlerische Meditation zum Thema Coming Out. Mir gefiel das.