Die Nacht nicht schlafen können, nachdem mich Kater weckte, weil er Hunger hatte.
Und so dachte ich über den Konstruktivismus nach.
Warum dieser mir soviel bedeutet.
Meine Antwort war: weil er eher beschreibender Natur ist. Ich kann die Bilder nutzen, muss es aber nicht.
Dann dachte ich darüber nach, warum ich im Studium, als der Dekonstruktivismus aufkam, mit diesem nichts anfangen konnte.
Für mich hat diese Theorie eher eine auffordernde Natur: dekonstruiere - vor allem Geschlechter und ihr Begehren!
Dieser Anspruch setzte mich unter Druck, denn andere könnten von mir fordern, dass ich mein Begehren, mein Geschlecht, meine Sexualität ändern müsse.
Ich wollte mir meine Lebenskonstruktion nicht zerdeppern lassen.
Wollte auch nicht Lebenskonstruktionen der anderen zerdeppern.
Wusste ich doch, dass wir nicht wirklich dasselbe sehen können.
Naja, statt mich dann weiter im Bett hin und her gedankenverloren zu wälzen, stand ich auf und notierte diese These auf einen Zettel.
Danach konnte ich den Schlaf fortsetzen.
Theoretisch.
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Freitag, 13. Juni 2014
Samstag, 12. April 2014
Schwulsein in den 50er und 60er Jahren
Not macht erfinderisch - fehlende Forschung zu Zeitzeugen, respektive Forschung erst am Anfang. Also habe ich mir ein paar Kommentare aus queer.de kopiert, um ein Gesellschaftsbild der 50er und 60er Jahre Deutschland zu erhalten.
Von gatopardo
Aus Madrid-Landkreis (Spanien)
Mitglied seit 02.05.2008
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Oh ja, mit heute 72 Jahren bin auch ich ein Zeitzeuge dieser unseligen 50er und 60er Jahre im Adenauer-Mief. Durch starkes Anpassungsvermögen und Heuchelei mit Weibergeschichten haben wir es aber mehrheitlich geschafft, trotz strafbarer homosexueller Handlungen nicht in die Mühlen dieser postfaschistischen Justiz zu kommen. Ich erinnere mich noch heute an eigentlich nette Nachbarn oder Freunde, die sich über verhaftete 175er lustig machten, ohne jemals einen Funken Verständnis dafür aufzubringen.
Als ich 1966 von meiner Firma ins national-katholische und faschistische Spanien versetzt wurde, kam ich dann vom Regen in die Traufe, aber das ist ein anderes Thema.
Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014
Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011
Als 68-Jähriger bin ich ebenfalls Zeitzeuge dieser Zeit. Ich war zwar nicht dirket betroffen, da ich als Jugendlicher nicht darin verwickelt wurde, jedoch trotzdem einen Schock erlitt. Mangels Aufklärung und allgemeiner Tabuisierung von Sexualität und ohne das Wissen dieser Verbote äußerte ich meine homosexuelle Veranlagung, die ich als natürlich empfand, wo ich hätte jederzeit bestraft werden können. Ich war völlig unaufgeklärt, was mich hätte ins Gefängnis bringen können. Meine Eltern wußten über meine Homosexualität, aber sie schwiegen aus Angst darüber. Ich konnte mich nicht in diesen Fragen an sie wenden. Sexualität war ein großes Tabu!
Sie haben aus Angst vor diesem Thema noch nicht mich einmal gewarnt, daß ich durch mein Verhalten ins Gefängnis wandern könnte. Sie dachten, daß sie durch Schweigen über das Thema Sexualität als auch durch extreme Prüderie meine Sexualität in die richtigen Bahnen lenken könnten. Sie haben zwar meine Sexualität nicht durch direkte Verbote und Drohungen unterdrückt, jedoch konnte ich ahnen, daß sie diese Sexualität mißbilligten.
Ich wurde auch Zeuge einer Denunziation, wo ein homosexuelles Paar verurteilt wurde. Natürlich wurde nicht darüber gesprochen, daß sie Sex miteinander hatten. Ich bekam jediglich nur zu erfahren, daß sie wegen ihrer Freundschaft verhaftet worden sind.
Da brach für mich eine Welt zusammen. Ich dachte nun, daß es eine strafbare Handlung ist, Freunde und Freundinnen zu haben - andrerseits begrüßte man Freundschaften und heiratete sogar (Mann mit Frau). Das war extrem widersprüchlich für mich. Die beiden waren nach der Abbuße der Gefängnisstrafe stigmatisiert. Es war dann allgemein bekannt, daß sie homosexuell und vorbestraft waren und somit keine Möglichkeit mehr hatten, einen Beruf zu ergreifen. Man zerstörte ihre Existenz und trieb sie in den Selbstmord. Da das am Ende der 50 Jahre war und ich mich an die Namen nicht mehr erinnern kann, außer der der Denunziantin, nämlich meiner Nachbarin, kann ich faktisch diese Geschichte nicht mehr belegen. Genau das ist der Punkt, weswegen man auf eine Entschädigung wartet, nämlich bis alles vergessen und verstorben ist.
Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014
Von gatopardo
Aus Madrid-Landkreis (Spanien)
Mitglied seit 02.05.2008
Antwort zu Kommentar #8 von JadugharDazu kann ich beisteuern, dass ich Anfang der 60er von einem schwulen Freund folgende Geschichte erfuhr: Im angetrunkenen Zustand nahm er sich mal ein Taxi und fand den Fahrer so anziehend, dass er ihm den Hof machte, worauf dieser direkt mit ihm zur nächsten Polizeiwache fuhr und ihn denunzierte. Ich glaube, der Freund bekam eine Geldstrafe, war aber dann natürlich vorbestraft.
Dann erinnere ich mich auch an Schulkameraden, die sich sehr abfällig über einen bekannten "175er" unterhielten, der den rosa Winkel aus dem KZ am Arm trug und auch damals nach Ende der NS-Zeit noch stigmatisiert blieb.
Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014
Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #5 von gatopardo
Das kann ich nur bestaetigen. Diese Gesellschaft hat auch nach dem Krieg weiter unterdrueckt. Die Befreiung vom Faschismus hat nicht zu einer freien Gesellschaft gefuehrt. Bis heute nicht mit einer CDU/CSU, die das alte Erbe weiter aufrecht erhaelt.
Wie haette es denn auch geschehen koennen in einer Gesellschaft, die ja nicht etwa vom Regime, sondern allein vom Kriegsverlust traumatisierrt war. Die ihre Moerderbande und Kriegstreiber freiwillig gewaehlt und bis zum bitteren Ende ebenso freiwillig unterstuetzt hatte.
Ein junger Nachbar hatte sich Mitte der 50er Jahre aufgehaengt. Auf das Beileid meiner Tante gegenueber der Mutter, kam von ihr als Reaktion: "Nicht so schlimm. Der war ja vom anderen Ufer!"
Einer meiner aelterer Brueder wurde ueber Jahre von einem Nenn-Onkel sexuell missbraucht. Dieser war - fast moechte man sagen, klar - ein sehr aktiver Katholik und hoher Bauern-Vertreter. An wen haette sich mein Bruder wenden koennen? An unsere Mutter? Undenkbar. An den Pfarrer? Voellig ausgeschlossen.
Der Druck aus meiner Familie auf ihn, der dann selber schwul war und kleine Jungs belaestigt hat, war so gross, dass er freiwillig und lange zum Militaer ging. Die erste Frau, die er traf, heiratete. Und heute eine voellig disfunktionale Familie, ihn, seine Frau und alle VIER Kinder, eingeschlossen, "unterhaelt". Ein Leben aus Luegen und Selbsttaeuschung. Aber ebenso aus Leid, Verlassenheit und Furcht.
Die aktuelle Politik der deutschen Regierung zum Wohl der Kinder? Die dickste Luege ueberhaupt! Keine Entschuldigung UND Entschaedigung fuer die Opfer dieses unseligen Paragraphen? Eines der ganz schlimmen Versaeumnisse schon der damaligen SPD/FDP Regierung unter Brand.
Und diese Unrecht geht weiter, denn auch die naechste deutsche Generation fuehrt das Unrecht und die Ungleichbehandlung von Menschen fort. Die CDU unveraendert ihr furchtbares Erbe! Gerade so, als haette es die 30er Jahre nicht als Erfahrung zu Recht und Unrecht gegeben. Gerade so, als habe Filbinger mit seinem Satz: "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein!" noch im Nachherein obsiegt!
Und einmal mehr versagt die Mehrheit auch der Kirchen und ihrer Fuehrer.
Da muss ich, der ebenso noch die 50er Jahre erlebt hat, wie auch die Furcht vor dem 175er, aufpassen, dass ich mich nicht aufrege! Doch, ich rege mich auf! Und man frage mich nicht, wie! Ich kann gar nicht so viel essen.....
Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014
Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #5 von gatopardo
Zur Ergaenzung. Damals unterhielten auch Banken interne Notizen, in denen sehr persoenliches Verhalten von Kunden dokumentiert war und im "Ernstfall", also z.B. bei einem Kreditwunsch, zur Ablehnung fuehrte.
Ich erinnere mich sehr gut an die Notiz zu einem Kunden: "Treibt sich an der Schwimmhale herum und schaut den Schwimmern zu. Insbesonder, wenn Schulklassen (Jungs) dort ihren Sportunterricht habe!"
Dazu muss man wissen, die Schwimmhalle hatte auf der Rueckseite eine riesige Wand komplett aus Glas. Und daran fuehrte eine Art Balkon entlang.
Dieser arme Mensch war in dieser Bank stigmatisiert, denn wirklich jeder Mitarbeiter, auch diejenigen, die mit Krediten nichts zu tun hatten, kannten diese Notiz: sie wurde als "Spass" heimlich herumgereicht.
Woher die Banken solche Infos hatten, kann man nur vermuten: Die wurden zwischen Bank und Polizei ausgetauscht, dachte ich schon damals.
Uebrigens gab es diese Kunden-Infos noch bis in die 70er.
Quelle: Kommentar zu "Archiv der anderen Erinnerungen". Paragraf 175: Eine Entschuldigung reicht nicht auf queer.de am 29.03.2014
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Samstag, 22. Januar 2011
Die Ersten werden die Letzten sein - Lesben in der DDR Vortrag von Samirah Kenawi im Lescafé am 16.01.2011
Grübelnder Gedankengang:
Auch sonst scheint das Café eine breitere "Themenvielfalt" bieten zu wollen, so dass es unter Umständen ein netter kultureller Treffpunkt am Sonntagnachmittag für Lesben werden könnte. Was mir persönlich, wenn ich so darüber nachgrübele sehr gefallen würde...
In der Einführung zur Veranstaltung berichtet Karin vom Lesbenarchiv über ihre Internetrecherche zu Lesben und DDR. Sie konnte zu diesem Thema kaum etwas finden, wohingegen Männer, respektive Schwule immer auftauchten. Dabei war sie auf der Suche nach einer Visualisierung des Themas. Letztendlich kreierte sie eigentständig ein Bild, das das Veranstaltungsthema verbildlichte.
Über die Vortragende
Samirah Kenawi berichtete über sich, dass sie aus Ostberlin käme, 1983-1988 in Dresden studiert habe und in Berlin in der Lesben"Bewegung" beteiligt gewesen war. 1988 arbeitete sie in der Frauenbibliothek und baute das Archiv "Grauzone" in Ostberlin auf.
Samirah Kenawi Geb. 1962 in Ostberlin. Ab 1984 in verschiedenen DDR-Frauengruppen und Netzwerken aktiv und nahm im Herbst 1989 an Gründung und Aufbau des Unabhängigen Frauenverband (UFV) teil. Seit 1988 baute sie eine Frauenbibliothek sowie ein Archiv zur ostdeutschen Frauenbewegung auf. Über das Archiv Grauzone – die umfassendste Sammlung zur DDR-Frauenbewegung – veröffentlichte sie mehrere Artikel sowie eine Dokumentation und ein Bestandsverzeichnis. Quelle: boell-sachsen-anhalt.deVortrag
Es gab keine Vereine. Veranstaltungen, Feiern geschahen privat in Gaststätten. Einladungen wurden im Postkartenformat auf Fotopapier verteilt. Denn die Fototechnik war die einzige Möglichkeit, zu vervielfältigen. Es gab keine Kopierer, die genutzt werden konnten.
1982 war das Jahr des Aufbruchs. Die evangelische Akademie Brandenburg arbeitete über das Thema "Homosexualität ein Tabu".
Homosexualität und Kirche
Warum es in der DDR die Besonderheit gab, sich unter dem Dach der Kirche zu treffen, hatte u.a. mit dem besonderen Verhältnis der Kirche zum Staat zu tun: 1976 verbrannte sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz selbst in der Öffentlichkeit. Am 6. März 1978 kam es zum Grundsatzgespräch von Staat und Kirche, mit dem Ergebnis, mehr Freiheiten für die Kirchenmitarbeiter zu gewähren: Versammlungen ohne staatliche Genehmigung, Reisefreiheiten für Kirchenmitglieder, Bücher für den innerkirchlichen Dienstgebrauch u.a..
So wurden Treffen von Gruppen unter dem Dach der Kirche möglich ohne staatliche Anmeldung. Zuvor mussten alle Veranstaltungen staatliche angemeldet werden.
So sind viele Lesben, obwohl sie nicht gläubig waren, durch ihr Lesbischsein in die Kirche geraten.
... in Bewegung
Die Frauen trafen sich mit unterschiedlichen Weggefährten, es kein starer Separatismus. Auch war die Möglichkeit sich zu treffen nicht so groß. Es gab gemischte Arbeitskreise von Schwulen und Lesben. Es gab immer Kompromisse, die geschlossen werden musst.
In Berlin 1983 wurde ein Raum gemeinsam für Lesben und Schwule zur Verfügung gestellt. So wurde vereinbart, ein Abend mit Schwulen- und der der nächste Abend mit Lesbenthemen im Wechsel zu verbringen. Der erste Abend gehörte den Schwulen und sie berichteten von ihren Probleme. Dann am Lesbenabend hatten die Schwulen viel über das Thema zu sagen. Die Lesben kamen kaum zu Wort. Deshalb wollten die Lesben getrennte Veranstaltungen.
1985 gab es in Dresden ein Lesbentreffen. Es wurde die Bezeichnung Frauenfest gewählt, um die Schwelle zu senken, daran teilzunehmen. Es kamen über 100 Frauen, wo sonst nur bis ca. 10 Lesben sich versammelten. Die Veranstaltungsräume waren in der evangelischen Kirche. Hierzu wurde ein Pfarrer benötigt, der die Kirche zur Verfügung stellt und den Mut hat, die Verantwortung gegenüber der Kirchenleitung zu übernehmen. Denn die Institution Kirche war nicht plötzlich homophil geworden!
Kinderbetreuung
Bei den Veranstaltungen, waren Kinder auch immer dabei. Es war selbstverständlich, dass Frau Kind hatte. Erklärungsbedürftig war eher das Gegenteil. Und so war die Kinderbetreuung auch immer mit organisiert.
Selbstorganisiert und selbstfinanziert
Geld spielte in der Lesbenbewegung der DDR keine Rolle. Alles war selbst finanziert und organisiert. Die Vorträge wurden ehrenamtlich gehalten. Die Teilnahmegebühr betrug zwischen 10-15 Mark. Damit war Wochenende einschließlich Essen finanziert.
Das Wochenende wurde mit Programm gestaltet. Es gab Gruppen zu den unterschiedlichsten Themen, abends Feste mit Veranstaltungen (Konzerte etc.), und Tanzen.
Die Frauenfeste hatten übergreifende Themen. 1985 wurde zu "Lesbische Liebe in der Literatur" gearbeitet, 1986 gab es das Thema "Frau zwischen Job und Selbstverwirklichung" und 1987: Macht in Beziehungen. (Gewalt gegen Frauen) Durch die letzte Veranstaltung wurden 1989 Frauenhäuser in DDR gegründet. Vorher gab es nur ein "Haus Lebenshilfe" von der Caritas.
Bewegung außerhalb der Kirche
Neben der Kirche tat sich eine Lesbenbewegung auf, in der die älteren Frauen zu finden waren. Es gab Frauengruppentreffen zu Pfingsten in Jena. Diese waren hervorgegangen aus Frauentreffen für den Frieden.
Es entstanden eigene Netzwerke ab 1984. Denn sie stellten fest, dass es besser ohne Männer geht. Eigene Ideen konnten entwickelt werden. Es wurde sich gegenseitig zugehört.
Die Treffen mit ca. 200 Frauen fanden jeweils in einer anderen Stadt statt. Es beteiligten sich "alle möglichen Frauen".
Das "Mitarbeitertreffen Arbeitskreis Homosexualität" arbeitete mit den Schwulen zusammen. Sie mieteten, um sich sichtbar zu werden, eine Straßenbahn und machten eine Rundfahrt.
Es gab eine Lesbenwerkstatt 1988 in Dresden.
Dies kann alles als Versuch gewertet werden, auch außerhalb der Kirche sichtbar zu werden.
Die Fahrt nach Ravensbrück
Die Berliner Lesbengruppe traf sich ganzjährig. Für das Thema Sichtbarwerden planten 1984 sie eine Fahrt nach Ravensbrück, dort in der Gedenkstätte des KZ an einer Führung teilzunehmen und einen Kranz niederzulegen. Sie ließen in einem Blumenladen einen Kranz anfertigen mit einer Schleife "Wir ehren die homosexuellen Opfer des Faschismus". Die Situation brachte es mit sich, dass dies noch nie gemacht worden war und deshalb auch nicht verboten war. Im KZ erhielten sie auch eine Führung.
Später stellten sie fest, dass dort, wo der Kranz niedergelegt worden war, ein Loch prankte. Deshalb beschwerten sich die Frauen beim Ministerium der Kultur. Im April kam die Einladung zu einem Gespräch. Im August sollte das Gespräch im Staatssekretariat für Kirchenfragen stattfinden. Eine Frau war eingeladen worden; sechs Frauen gingen hin und ein Pfarrer. Dies wurde als Bedrohung für den Staat angedeutet, denn sie waren kein Verein und agierten außerhalb der Kirche als Gruppe. Kenawi wies darauf hin, dass auch kleine Gruppen Eindruck schinden konnten. Und so wiesen die Frauen darauf 1984 hin, dass sie als Lesben auch Rechte haben. Beschwichtigend wurde zurückgegeben, dass sich um die Angelegenheit gekümmert werde.
Und so fuhren die Frauen 1985 wieder nach Ravensbrück. Diesmal zum offiziellen 40. Jahrestag der Befreiung, an dem auch internationales Publikum anwesend sein würde. Sie hatten wieder Kranz bestellt mit Schleife. Doch diesmal wurde die Gruppe von der observiert. Die Läden wurden darauf hingewiesen, dass wenn ein Kranz bestellt würde, sollte dies gemeldet werden. Der Bahnhof wurde wegen der 11 Frauen abgesperrt. In der Polytechnische Oberschule - POS wurden sie verhört. Sie erhielten die strikte Auflage nicht ins KZ zu fahren.
1986 fuhren die Frauen wieder hin, um einen Kranz niederzulegen. Sie wurden von unauffälligen Männer begleitet.
Die Einheit naht...
Am 30.04.1989 gab es ein Frauenfest im Haus der jungen Talente in Berlin. In Jena trafen sich die Koordinierungsgruppen für die Themen, die dezentral organisiert wurden. Seit dem 9. September 1989 bewegte das Land schon riesige Ausreisewellen.
Noch am 2. Dezember 1989 trafen sich Frauen.
... und für die Handlungsmöglichkeiten...
Seit 1989 durften Frauenvereine gegründet werden, diese waren mit Formalismus beschäftigt. Es wurde mehr abgrenzt, als auf Gemeinsamkeit gesetzt. Das Profilieren wurde wichtiger. Die DDR-Frauen waren es gewohnt, akzeptable Verhandlungsvorschläge gegenüber Behörden zu bringen. Wohingegen im Westen stets mit Extremforderungen gearbeitet wurde. Dieses Anders-agieren-müssen, respektive das endlos reagieren, rieb die Frauen auf.
Die Lesben in der DDR waren andere politische Strategien gewohnt. Wichtig war immer die Sachebene. Es gab direkte Ansprechpersonen. Im Westen wurde vieles auf die Formalebene abgeschoben und wurden so zu Zeitfressern. Die Bedeutung der Medien wurde verkannt, denn zu DDR-Zeiten, brauchte frau nicht um die Presse kümmern. Und die "Stasi kam sowieso".
... keine Zeit mehr
Die Frage, ob sie durch die Wiedervereinigung Trauer verspürt habe, beantwortete Kenawi damit, dass sie zuerst das Scheitern der Utopie verkraften musste. Und dass sie den Verlust von Bewegung betrauerte. Damals gab es das Gefühl, Zeit zu haben für gesellschaftliche Veränderung. Dann kam kam die schnelllebige Zeit... Dennoch mochte sie die Erfahrung nicht missen. Frauen waren meist die Vorkämpferinnen; als dann die erste Veröffentlichung zu Homosexualität herauskam, wurde meist über Schwule und nur ein bisschen zu Lesben geschrieben.
Weiterführende Infos
- Samirah Kenawi: Frauengruppen in der DDR der 80er Jahre. Eine Dokumentation, Berlin 1995
- Ursula Sillge: Un-Sichtbare Frauen. Lesben und ihre Emanzipation in der DDR, Berlin 1991
- Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben, Berlin 207
- Filmdokumentation Warum wir so gefährlich waren, Webseite
- gigi-online.de Spuren zu Denkmälern
- lescafe-ffm.blogspot.com Eine ganz persönliche Meinung zu dem Vortrag von Samirah Kenawi
Vorreiterrolle der Ausdifferenzierung lesbischer Gruppen bildete die (kirchliche) "Homosexuelle Selbsthilfe" in Berlin, von der sich die Gruppe "Lesben in der Kirche" abspaltete. Für die weitere Entwicklung war ebenfalls die Gründung einer Lesbengruppe innerhalb des Dresdner kirchlichen Arbeitskreises Homosexualität bedeutsam. Diese organisierte von 1985 bis 1987 jährlich ein Dresdner Frauenfest, zu dem bald auch Frauengruppen im allgemeinen eingeladen wurden. Die Herausbildung eigener lesbischer Gruppen war gleichzeitig Ausdruck der Entwicklung eines eigenen lesbischen Bewusstseins, wie es hierzu wiederum beitrug. Die Tatsache, dass auch allgemeine Frauengruppen an den Treffen teilnahmen und am letzten Treffen sogar organisatorisch beteiligt waren, verweist auf den darüber hinaus reichenden Sachverhalt, dass beide Strömungen, Lesben und nicht-lesbische Bewegungsfrauen, miteinander verwoben waren, durch Netzwerke ebenso wie durch gemeinsame Aktivitäten (Kenawi 1995: 31).
All diese Erfahrungen beförderten die Emanzipation der Lesben in der Weise, dass sich ab Ende der 80er Jahre eigenständige Lesbengruppen herausbildeten. Vermutlich noch stärker wirkten gruppendynamische Erfahrungen in den schwul-lesbisch gemischten Gruppen:
„Zu Beginn war unser Kreis noch gemischt, also Lesben und Schwule gemeinsam. Doch nach dem dritten Abend zu einem Lesben-Thema, bei dem die Schwulen in der Diskussion über uns Lesben voll das Wort an sich rissen, bestanden wir auf der Trennung“ (Marika
Körzendörfer zitiert in Hampele 2000: 51).
Im Rahmen dieses Abnabelungsprozesse wurde z.B. in Jena eine Gruppe gegründet, die darüber hinaus auch der Rundbrief „Frau anders“ herausgegeben wurde. Andere Gruppen organisierten Lesbenwerkstätten, Feste und Workshops. Qua Arbeitsweise kann man die Lesbengruppen mit den Homosexuellengruppen vergleichen. So wurden thematische Abende zu unterschiedlichen Schwerpunkten veranstaltet. Künstlerinnen wurden eingeladen, Lesungen gehalten. Dabei hat sich abgezeichnet, dass manche Gruppen sich an einer gesellschaftlichen Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Beziehungen orientierten, während sich andere als unabhängig verstanden (Hampele 1990: 9):
„Wir [...] beschränkten unsere Kritik nicht allein auf den Wunsch nach punktuellen gesetzlichen Veränderungen, die uns lediglich den Heterosexuellen in ihren Zwängen gleichstellt. Infragegestellt wurden von uns die patriarchalen Strukturen, die in der DDR trotz 40 Jahre gesetzlich festgeschriebener Gleichberechtigung der Frau noch weiterhin die Beziehung sowohl zwischen den Geschlechtern, als auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft bestimmen.“ (zitiert in Kenawi 1995: 32).
Erstere Gruppen tendierten dazu, sich in schwul-lesbisch gemischter Form zu treffen, während die Gruppen des zweiten Typs rein weiblich waren.
Quelle: Diplomarbeit DEMOBILISIERUNG SOZIALER BEWEGUNGEN von Jochen Kleres, 05. März 2002 Seite S. 67f.
Update 03.12.2011
DDR unterm Regenbogen RBB 01.10.2011 Die Dokumentation bietet einen Rückblick auf lesbisch-schwule Geschichte in der DDR und erzählt von Nischen und Ressentiments in der sozialistischen Gesellschaft. Zur Dokumentation Playlist.
Update 6. Mai 2015
Video Lesbische Frauen im Visier der Stasi
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