Seiten

Mittwoch, 20. November 2013

Julie Maroh: Blau ist eine warme Farbe

Blau ist eine warme Farbe
Autorin: Julie Maroh
Taschenbuch: 156 Seiten
Verlag: Splitter;
Auflage: 1., Aufl. (Dezember 2013)
Sprache: Deutsch

Inhalt

Clementine ist 15 als sie die blauschopfige Emma das erste Mal im Vorbeigehen sieht. Clementine ist gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit einem Jungen, weil ihre Freundinnen sie mit dem Argument zu diesem Treffen drängen, dass dieser ja schon auf der Oberstufe sei. Clementine hat tatsächlich einen wunderschönen Tag mit Thomas. Kann aber die blauhaarige junge Frau nicht vergessen und träumt in der Nacht von ihr. Sie kann nicht glauben, wie sie von ihr geträumt hat und trifft sich deshalb mit Thomas weiter. Weil,

"Ich bin ein Mädchen, und ein Mädchen muss mit einem Jungen gehen."
S. 20

Die Gedanken, die sie in ihrem Tagebuch niederlegt, kreisen immer wieder um das Thema Normalität. Sie geht auf Demos. Sie kommt zu spät Nachhause. Sie hat Krach mit ihrer Mutter. Und sie träumt immer noch von der blauhaarigen Frau. Clementine ist unterdessen 16 geworden. Sie beginnt sich zu fragen, ob es nicht auch andere Mädchen gibt, die dasselbe fühlen. Ein Vorfall mit einer Schulkameradin lässt sie das Gefühl bekommen, dass es sie gibt. Aber schon einen Tag später stellt sich alles als ein Missverständnis heraus. Aufgewühlt verlässt sie die Schule und wird durch Valentin aufgehalten. Dieser schwänzt mit ihr die Schule, um hinter die Fassade ihrer Verwirrung zu kommen. Dabei erzählt er, dass auch er schon mal mit einem Junge geflirtet habe.

Ein paar Wochen später ziehen Clementine und Valentin durch die Homokneipen. Unterwegs trennen sich die Wege und Clementine folgt einer Gruppe Frauen in eine Lesbenkneipe. Beim Blick durch die Menge schimmert es zuerst nur blau... Dann hat Clementine ein freies Blickfeld und sie sieht die blauhaarige junge Frau, von der sie schon ein ganzes Jahr träumt. Das Aufmerken ist beidseitig.

Am nächsten Morgen wird die blauhaarige Emma vor der Schule wartend von den Schulkameradinnen entdeckt und gleich als Lesbe identifiziert. Clementine zieht Emma erschrocken weg aus dem Blickfeld der anderen. Emma ist brüskiert und entschuldigt verabschiedend, dass sie wohl etwas missverstanden habe. Clementine hält sie rufend auf, Seite 55:

Weitere Ansichtsseiten auf splitter-verlag.eu

Zeichnungen

Das Comic ist fantastisch gezeichnet. Maroh gelingt es, die Emotionen der Figuren gut durch die Bilder zu transportieren. Auch der Einsatz der Farbe unterstreicht dieses Vorgehen. Für die Zeichnungen der Gegenwart hielt sie alles in bunt, für die Zeichnungen für die Vergangenheit wählte sie schwarz/weiß.
Spontan schrieb ich mir auf: Ein schönes Gefühl mit schönen Bildern schön gezeichnet.

Was die Wahl der Farbe Blau angeht, so erzählt Maroh auf After Ellen:
Regarding the choice of the color blue in particular, it was nothing more than a graphic decision. By process of elimination, I knew that all the other colors wouldn’t work. The blue was simply the most neutral and efficient one to use.

Quelle: afterellen.com Julie Maroh on creating “Blue is the Warmest Color”

Meinung

Maroh beschreibt das wachsende lesbische Begehren eines Mädchen. Sehr detailliert wird die Angst davor und die Bestätigung der Angst durch die Homophobie der Umwelt beschrieben. Das immer wieder Schwanken, Verneinen des Begehrens - es ist für viele Lesben so bekannt. Es ist nicht wichtig, ob Maroh autobiographisch gearbeitet hat - sie verneint dies und ich glaube ihr das. Das Comic enthält für so manche Lesbe autobiographische Ansätze. Und die anderen, die dies nicht kennen, können lesen, dass der Weg zum Coming Out nicht der leichteste ist.

Der Detailreichtum verliert sich etwas zum Ende. Ob Maroh endlich abschließen wollte, weil sich schließlich auch ihr Studium dem Ende neigte? Sie zeichnete an dieser Geschichte in ihrer Freizeit seit Beginn ihres Studiums mit 19. Sie arbeitete fünf Jahre an der Geschichte.

Ja! Comic und der diesen Comic adaptierende Film haben diverse Preise erhalten. Egal.

Das Comic ist eine schöne künstlerische Meditation zum Thema Coming Out. Mir gefiel das.

Mittwoch, 13. November 2013

Sketch-Hunting

Ich schrieb am 25.10.2010 zum Sketch-Hunting folgendes:
Viele, viele Fans waren unterwegs, um Sketche zu sammeln. Ich machte mir während der Messe deshalb auch so meine Gedanken, wie ich weiter mit dem Thema Sketch-Hunting verfahren möchte. Ich hatte ja schon vorher die Regel aufgestellt: Für jede/n Kunstschaffende/n nur eine Zeichnung. So gewinne ich etwas Zeit, da ich nicht bei jedem Signiertermin aufwarten muss und möchte. Aber, so überlegte ich, wie lange will ich das denn noch machen? Mein derzeitiges Sketch-Buch wird das einzige bleiben, ist jetzt vorerst der Plan. Mal sehen.
Meine Signiertermingeschichte auf Ja! Es sind Comics!

Sonntag, 10. November 2013

Christine Brückner: Das eine sein, das andere lieben

Das eine sein, das andere lieben.
Autorin: Christine Brückner
Broschiert: 176 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1983)
Sprache: Deutsch


Inhalt.
Schön kurz und knapp wird der Inhalt auf dem Buchrücken von "Das eine sein, das andere lieben" von Christine Brückner beschrieben:
Auf einer Bahnreise lernt die Schriftstellerin P. einen jungen Mann kennen, der ebenfalls mit Literatur zu tun hat, jedoch weniger erfolgreich ist als sie. Auf der Rückreise sitzt ihr dieselbe Person gegenüber, aber diesmal als Frau. Mario oder Marion - das ist die Frage. Hier wechselt jemand die Rollen, will das alte Geschlechterspiel nicht mitspielen.
Die Schriftstellerin ist so fasziniert von dieser Person, die sie bald als "ihre" Person bezeichnet, dass sie sich von ihr die Erlaubnis einholt, Nachforschungen anstellen zu dürfen und letztendlich auch das Angebot macht, mit an den Lesereisen als Assistenz teilzunehmen.

Zwei in einem und die Grenzen.
Mario(n) stellt ziemlich früh im Roman fest:
"Sie nehmen das alles viel zu ernst. Das Männerspiel, das Frauenspiel."
Quelle: S. 74, Brückner, a.a.O.
Dennoch ist P. von ihrer "Person" fasziniert und möchte alles über sie erfahren. P. ist der Meinung, dass
"(d)ie Überbewertung der Sexualität (...) durch diese Person ebenso absurd gemacht (wird) wie das überbewertete Rollenverhalten von Mann und Frau. Sie spielt beide Rollen!"
Quelle: Brückner, a.a.O. S. 93
Das Spiel mit den Rollen kommt jedoch auch in Grenzbereiche. So hält ihr ihr Ehemann im Gespräch über das Schreibprojekt einen Spiegel vor:
"Ich rate dir von diesem Projekt ab. Für gleichgeschlechtliche Liebe hast du nach meinen bisherigen Erfahrungen kein Gespür."
Quelle: Brückner, a.a.O. S. 95
P. lässt sich davon nicht beeindrucken. Das Geschlechtliche, die Sexualität soll in der Annährung an ihre "Person" außen vor gelassen werden. Dass eine Grenze in P.s Vorstellung erreicht wird, ist dann festzustellen, als Mario(n) ihr erklärt, dass sie schwanger sei. P. zieht sich emotional von Mario (sic!) zurück. Ihre Enttäuschung wird bei einem Telefonat mit ihrem Ehemann von diesem benannt:
"Was hast du? Was ist mit dir los?"
"Mario" - wieder ließ sie das 'n' weg - "ist schwanger."
"Trifft dich das?"
"Ja."
Quelle: Brückner, a.a.O. S.174
Die Schriftstellerin P. lässt sich auf die Irritation, die Mario(n) in ihr auslöst, solange ein, bis etwas geschieht, dass ihre "Person" geschlechtlich festlegt:
"Irgendwoher. Immer willst du wissen, woher. Und ich weiß nicht einmal, wohin."
"Ich habe dir keine Antworten versprochen. Wer schreibt -"
"Stellt alte Fragen neu! Damit redet ihr euch heraus. Du schreibst. Ich lebe. Von nun an habe ich keine Wahl mehr."
Brückner, a.a.O. S. 174
Das Muttersein lässt Mario(n) nicht mehr die Wahl, mit den Geschlechtsrollen zu spielen. 1981 im Roman von Christine Brückner. Und heute?

Leseerlebnis.
Das generische Maskulinum, welches ich hier anmerkte, war zwar vorhanden, aber Brückner hat es hingekriegt, dass dies beim Lesen in den Hintergrund gerät. Spannender war es da, mitzubekommen, wie sie sich ihrer "Person" nähert: Sie befragt die Mutter. Sie geht zum Standesamt. Sie korrespondiert mit alten Lehrern (sic!). Sie lässt sogar Horoskope erstellen.

Manches empfand ich als heftig: War es damals echt so leicht, auf's Amt zu gehen und Auskünfte zu erhalten? Anderes fand ich witzig: Horoskope! P. lässt einen Astrologen Horoskope erstellen und macht dies nicht als Unsinn nieder, sondern beschreibt Astrologie so wie ich es beschreiben würde, müsste ich es denn erklären.

Gestolpert bin ich beim Thema Laufen. Mario(n) trainiert einen homosexuellen Regisseur, um diesen von seiner Lust auf Mario abzulenken. Okay, vielleicht hat Brückner bzgl. Laufen jemanden gefragt, der/die sehr gut im Laufen ist - aber fünf Minuten für den Kilometer ist für einen kurz zuvor untrainierten Mann ein ganz schön heftiges Ziel.

Als ich so über die faszinierende Irritation der Schriftstellerin nachdachte, ist mir mein Erlebnis mit Legolas aus dem ersten Teil Der Herr der Ringe eingefallen. "Enttäuscht" wurde meine Irritation dann, als der Schauspieler Orlando Bloom im nächsten Film eine eindeutige Rolle und Maske hatte.

Resümee.
Ich habe das Buch Anfang der 80iger Jahre gelesen. Und auch jetzt noch hat es mich gefangen genommen. Für ein Buch, welches 1981 geschrieben wurde, hat es schön die Ambivalenz der interessierten Umwelt näher gebracht und bringt damit weitere Denkanstöße.
Es wird in meinem Bücherschrank verbleiben. Und vielleicht lese ich es ja in 30 Jahren wieder.

Weiterer Link zum Buch auf diesem Blog:
Vorbereitung zum Zweitbesuch eines Buches: Brückner - Das eine sein, das andere lieben

Samstag, 9. November 2013

Verena - ein Schultag (1983)

Die Autorin kreierte 17jährig ein ungewöhnliches Theaterstück, welches mit Prosateilen auskommen musste. Auffällig ist der Versuch, eine Liebe durch die Blume zu erklären. Eine lesbische Liebe, um es genauer auszudrücken.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

"Die Fraueninsel" von 1981

Die junge Autorin stellte 15jährig diese kleine Erzählung fertig. Inspiriert durch den Latein- und Geschichtsunterricht, sowie Religion und Wonder Woman als Comic malte sie sich eine Geschichte aus, die so niemals funktionieren könnte:

Sonntag, 27. Oktober 2013

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque

Mir ist das Verlagsprogramm des Zaglossus-Verlages eher mit wissenschaftlichen Themen aufgefallen. Auf der Buchmesse lernte ich, dass ihr Verlagsprogramm weiter gefächert ist.
Es gibt für Lesben sehr viele Geschichten mit Coming Outs und sowieso Liebesgeschichten. Meine Lesemotivation solcher Bücher geht gegen Null.
Die Beschreibung des Buches Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque aus dem Zaglossus-Verlagsprogramm machte mich neugierig und ich nahm mir Zeit für einen Science Fiction, der "queer durch die Galaxie" führt.

Inhalt
Helen Hayer ist Miss Universe. Der nächste Wettbewerb steht an. Die Vorraussetzungen, um an Misswahlen im Jahr 2848 teilzunehmen, haben sich derart verändert, dass Aussehen nicht mehr wichtig, jedoch Intelligenz gefragt ist. Den Titel hat Hayer bereits fünfmal errungen. Diesmal möchte sie alles daran setzen, damit der Titel an ihr vorüber geht. Denn sie will ihre Zukunft anders gestalten. Marissa Applegate, die Leiterin und Besitzerin des Großkonzerns Applegate Inc. hat andere Pläne. Für sie ist Hayer das Marketingmoment, so dass Applegate die vielbeachtete Weltraumkapitänin Christine de Castelbaraque beauftragt. Sie soll Hayer begleiten, damit diese und ein wertvolles Amulett unbeschadet den Wettbewerb auf Eden erreichen. De Castelbaraque hegt eine starke Abneigung gegen die Funktion Hayers als Miss Universe und sie lässt Hayer dies spüren. Der Versuch den Auftrag nicht annehmen zu müssen, schlägt fehl. Schon bald sind Hayer und de Castelbaraque auf dem Raumschiff Agina V unterwegs nach Eden. Das Abenteuer beginnt als beide entführt und mit neuem Auftrag bestückt, quer durch die Galaxies die Horax-Tafeln finden müssen, um Schaden von der Erde fernzuhalten.

Resümee
Meine Einstellung zum Roman veränderte sich nach Lesebeendigung von mal zu mal.
Manchmal habe ich mir gewünscht, dass die Figuren ernsthafter sind. Dann waren die Charaktere wieder okay.
Ein bisschen anstrengend fand ich das Lesen der Schlusskapitel, deren Reihenfolge ich ein klein wenig geändert hätte. Es waren sehr viele Informationen, die die Autorin für die Leserin da vorhielt. Als Leserin ist frau nicht so in der Geschichte, wie als Schreiberin.
Jedoch, ich mag Zeitsprünge - zeitliche Doppelung, unterschiedliche Universen - gleichzeitige Doppelungen und Kuriositäten - ich habe mich köstlich über das Auftauchen der Waschmaschine amüsiert, deshalb fühlte ich mich der Kniffligkeit der vielen Ebenen im Buch gewachsen.
Dass am Ende doch noch eine kleine Liebesgeschichte vorkam, fand ich passend.
Auf jeden Fall war das mal eine etwas andere Geschichte.
Und falls eine mal Lust hat, über die Sinnigkeit der Reihenfolge der Schlusskapitel zu diskutieren... Fühlt euch eingeladen, hier zu kommentieren.

* * *

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque
von Judith_Jennewein
Broschiert: 292 Seiten
Verlag: Zaglossus;
Auflage: 1 (7. Juni 2013)
Sprache: Deutsch




* * *

Weitere Infos:


* * *
Nachtrag im Tagebuch 17. November 2013
Was nervt mich eigentlich bei diesem Weltraumabenteuer? Die Figuren werden nicht ernst genommen. Die Charaktere könnten in jedes Thema gepresst werden, weil sie nicht in die Zeit passen. Die einzigen, die in die Zeit zu passen scheinen, sind die beiden Wissenschaftler, die die Protagonistinnen in den 50igern Jahren antreffen.
Raumdarstellung ist auch ein schwieriges Thema. Wirklich gelungen, dünkt mir, ist es nicht im Buch. Nur einmal, als die Orientierungslosigkeit des Schwebens beschrieben wurde, da wirkte es authentisch. Vielleicht weil es da so passte?
Über das Thema Mann_Frau, Mutter_Vater-Figur fange ich gar nicht erst an. Mir stellte sich die Frage, ob dieses Faktum für den Roman nötig war. Die Antwort war eindeutig. Und so war das Thema verschenkt.
Letztendlich bleibt: Gute Ansätze, die aber nicht konsequent verfolgt werden. Hin und wieder blitzt Genialität auf (Waschmaschine). Das ist doch auch schon was!

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Vorbereitung zum Zweitbesuch eines Buches: Brückner - Das eine sein, das andere lieben

Ich statte nunmehr als alte Dame einem Buch einen zweiten Besuch ab. 1984 - ich war 18 Jahre alt - hatte ich es als Taschenbuchausgabe gekauft und auch gelesen.

"Das eine sein, das andere lieben" sagt am Ende des Romans eine heterosexuelle Frau von sich, weil sie Männer liebt, aber kein Mann sein will.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Freitag. Buchmessetag 3: schweizerisch, boxend, brasilianisch, zu spät, zukünftig

Gute Sachen passieren zufällig. Und so schrieb ich auf meinem Notiz-Block:
Erlebe gerade eine Schweizer Autorin in ihrer Sprache. Macht sie gut.

Samstag, 12. Oktober 2013

Donnerstag. Buchmesse Tag 2: brasilianisch, novellig, startend. Und... ein bisschen lesbisch

Comics aus Brasilien
Ich war zu früh vor Ort, deshalb schaute ich mir in Ruhe die Ausstellung "Comics aus Brasilien" in Form einer Powerpoint-Präsentation an. Ich sah Werke von Künstlern (sic!) und Beschreibungen über Künstler (sic!). Eine Künstlerin hatte sich dann doch auch darunter geschmuggelt: Cynthia B.
Dies ist der Begleittext mit dem sie in der Ausstellung beschrieben wird: 

Freitag, 11. Oktober 2013

Donnerstag. Buchmesse Tag 2: DC-Intermezzo

So als DC-Fangirl hatte ich mich erkundigt, ob der Verlag auch auf der Buchmesse vertreten ist. Ich fand ihn in Halle 8.0, wo sich die internationalen Verlage tummelten.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mittwoch. Buchmesse Tag 1: kindlich, gewaltig, osmotisch

Okay, gestern war der erste Tag der Buchmesse. Fabelhafter Tag. Fing damit an, dass ich zu einer Umfrage eingeladen wurde, die mir dann zu lang vorkam. Komische Fragen darin, u.a. irgendwas zu einer Akademie, ob ich die kennen würde.
Nach dieser komischen Umfrage ging es famos und entspannt weiter. Ich schaut mich wieder im Comiczentrum um. Verwunderte mich wieder, dass die Bundesregierung einen Stand dort hat. Was mich daran so irritiert ist die Gleichsetzung: Regierung = Merkel = CDU. Weil, so sieht das dann aus. Es wird doch das gewählt, was mensch kennt. Naja.

Mittwoch, 18. September 2013

Gedanken zur Frau, die Akzente setzt

Sie war auf Besuch bei ihrer Verwandten in Deutschland.
Im Gespräch kamen wir - ich weiß nicht wie - auf ihren Akzent. Sie hat nun diesen amerikanischen Akzent, den ich von meiner Tante her kenne. Und wieder bekümmert es sie, dass ihr Akzent zu bemerken ist. Dabei ist/ war sie für mich immer die Frau, die Akzente setzte. Es war für mich etwas Positives.

Dieses Moment in ihrem Leben bezüglich Sprache: Sie kam mit 12 nach Deutschland aus einem Land, das durch Krieg zerrüttet war. Natürlich war deutsch dann für sie eine Fremdsprache. Deshalb fühlte sie sich nie in Deutschland heimisch, weil sie nie dazu gehörte: der Akzent kennzeichnete sie.

Sie lernte hier in Deutschland ihren Mann kennen, der aus einem anderen Land ebenfalls nach Deutschland flüchtete. Ihre gemeinsame Sprache ist deutsch, weil auch er deutsch als Fremdsprache einsetzen musste, um mit ihr reden zu können. Jetzt sind beide in Amerika. Ihre Söhne werden vermutlich nur englisch sprechen. Für die Eltern wieder eine Fremdsprache, während die Kinder nun angekommen sind.

Mich hat das Sprachmoment immer fasziniert. Die Brücken der Sprache ermöglichte Kommunikation und setzte so die Akzente in ihrem Leben.

Mich macht es traurig, dass sie unter dieser Akzentuierung leidet. Dieses Gefühl kann ihr niemand nehmen.

Samstag, 27. Juli 2013

Der Besserwissende-Reflex

Am 22. Juli las ich auf Twitter vom Ratschläge-Rant. Das erinnerte mich, dass ich mir mal zu einem ähnlichen Thema etwas notierte.

Ich machte mir am 21.03.2013 Gedanken darüber, dass es bemerkenswert ist, wie versucht wird, Leute, die nicht im Mainstream schwimmen, diese wieder in den Mainstream zurückzuholen.
Persönlich finde ich es dabei spannend, dass dadurch das eigene Verhalten so bleiben kann wie es ist, auch wenn jemand offensichtlich etwas anders tut und damit erfolgreich ist. So erfolgreich, dass nach einem Rat gefragt werden muss. Nur die Antwort gefällt nicht, so dass der Besserwissende-Reflex erscheint:

Sie finden sich überall: eine Person erklärt, dass sie kaum gekochte Speisen zu sich nimmt... Schon wird ihr erklärt, dass mindestens eine warme Mahlzeit am Tag sein müsse.
Eine andere erzählt, sie nutze auch WII für Sport. Einhellig wird festgestellt, dass dies nicht als Sport gezählt werden könne.
Nicht Frühstücken? Das ist natürlich die wichtigste Mahlzeit des Tages!

Das Witzige ist doch, nicht Genaues weiß mensch nicht. Für alles gibt es Pro & Contra. Dennoch... Warum wird so reagiert?
In der Hauptsache dünkt mir eine Abwehrhaltung, damit auch das Behalten der Definitionsmacht.
Es kann nicht angehen, dass die anderen etwas als Sport definieren, was die einen – ungefragt – als Spiel nur sehen.
Es kann nicht sein, dass früstückloses Leben möglich ist. Jedoch ich bin das beste Beispiel dafür. Und nein, ich nehme nicht zu, weil ich später zulange. Eure Fragen nach meinem „Gewichtsgeheimnis“ beweisen das.

Schlussendlich muss das eigene Verhalten nicht hinterfragt werden. Es kann alles so bleiben wie es ist. Was okay ist.

Nur ihre Fragen, bezüglich was andere anders machen, die etwas erreichen, was sie sich wünschen, nerven, wenn sie sowieso alles besser wissen.
Die haben einfach nicht den Mut, so zu sein und zu bleiben, wie sie sind.

* * *

Samstag, 11. Mai 2013

Eure falschen Köder in TV-Serien schluck ich nicht

Hm. Es hat mich sehr bekümmert, dass ich Probleme mit diversen TV-Serien habe - obwohl diese von Lesben so gehyped werden. Da haben wir Mystery mit Warehouse 13 mit H.G. Wells und Myka Bering. Crime mit Rizzoli & Isles mit Jane Rizzoli und Maura Isles. Und es gibt derer noch viel mehr. Die Frauen haben was: Sie sind stark, sie sind hübsch und sie haben eventuell etwas miteinander? Ha! Reingelegt! Ein bisschen lesbischer Subtext tut ja niemand weh!

Warum nur regt es mich so auf? Es ist dieses an der Nase herumführen. Andeuten und dann stehen lassen, was mich nervt. Hit and Run. Ich dachte, wir wären weiter.

Lesbischer Subtext?

Was soll das? Soll da heimliches Schwärmen erleichtert werden?

Subtext hat nie die Intention, dass zwei Charakere einer Serie oder in einem Film oder wo auch immer wirklich lesbisch sind. Es geht viel mehr darum, das Poential der möglichen Romanze zu entdecken ud seiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.

Quelle: Kommentar von Bianca 14.04.2012 zum Artikel Rizzoli & Isles: Lesbisches Mörder und Poli am TV? auf lesbianchic.ch

Da ich mir denke, dass es für TV-Machende leichter ist, das Lesbische anzudeuten, fragte ich mich, ob es schwulen Subtext in Buddy-Crime-Serien gibt, z.B. Starsky & Hutch oder so. Gab es denn, um wieder zurück zu den Frauen zu kommen, bei Cagney & Lacey einen lesbischen Subtext? Wurde in der Serie damit gespielt? Rein aus der Erinnerung würde ich mal "Nein" behaupten.

Was ist das, was da gerade passiert? Auf Twitter vermutete ich, dass es mit Xena "zufällig", vielleicht noch ohne Absicht anfing.

xena
Ach, es ist doch so erholsam, nicht zwischen den Zeilen lesen zu müssen! Und denke dabei an die neue Krimi-Reihe Die Chefin. Hier gibt es in der Nebenrolle explizit eine Lesbe, die Pathologin Heike Steinbeck. Und dann passierte der Zufall. Ein Begriff schlug ein wie die Bombe, weil er mein Unbehagen beschrieb: Queer baiting! Thinkpunk auf Twitter brachte den Begriff, der mir erst nicht auffiel...
queerbaiting
Dann begann ich das Recherchieren und fand diese schöne Erklärung, die lesbischen Subtext von Queer baiting abgrenzte:
Guys I finally figured out what’s the difference between queer subtext and queer baiting Queer subtext is when actual queer context exists within canon but the narrative plays it down Queer baiting is when queer content DOESN’T exist within canon and yet the narrative plays it up

Quelle: My Whole Life Is Thunder
Übersetzung mit Erläuterung: Leute, ich hab endlich herausgefunden, was der Unterschied zwischen queer Subtext und queer baiting (Ködern/Hetze) ist Queer Subtext ist, wenn tatsächliche queer Kontext vorhanden ist, der innerhalb vom Canon gebracht wird (Anm. i.U.: heißt in der regulären Serie Thema ist), aber die Erzählung spielt es herunter Queer Baiting (Köder/Hetze) ist, wenn der queere Inhalt nicht im Canon existiert und doch die Erzählung es hoch spielt
  Und in allen weiteren Quellen, die ich zu Queer-baiting (Queers ködern) fand, wurde mir mein Unbehagen widergespiegelt. Was es heißt, die Andeutung zu bekommen, aber es wird dir immer wieder "weggenommen". Hier finden sich auch reichlich Beispiele mit "schwulem Subtext", der aber genauso falsch ist, wie der lesbische. Das Ködern funktioniert nicht.

Vielleicht bin ich zu alt, schon zu lange dabei, um mich mit solchen Andeutungen für irgendwelche Serien ködern zu lassen. Bei Serien mit Frauen verärgert es mich sogar sehr.

In manchen der o.g. Links kommt auch Sherlock vor. Und ich muss für mich sagen: Ich fand die Andeutungen eher witzig, weil der Subtext ja unentwegt angesprochen wurde. Es wurde nicht damit gespielt. Und deshalb entzerrte sich für mich die Möglichkeit eines möglichen schwulen Paares.

Aber bei diesen neuen modernen o.g. Serien mit Frauen als Hauptcharakteren nervt mich die Andeutung, die jedoch nicht ausgesprochen wird.
Es nervt.
Weil, wir sind weiter, oder zumindest ich lass mich davon nicht mehr einfangen.

Weitere Ergebnisse meiner Recherchereise im Internet
Queer baiting trivializes queerness. (Anm. Hervorhebung i.U.) By presenting two males and declaring them to be totally straight, yet placing them in situations that only reinforce the idea of queerness belittles those who happily engage in homosexual relationships. The shows who conscious and repeatedly queer bait are telling their audiences that they know this is what they would like to see but under no circumstances will it become a reality because these are two strong, male characters and queerness (specifically, gayness and perceived femininity) would only diminish them. Quelle: mpricexx Project 1: Queer Baiting in Television

Test ist zuerst hier erschienen

Freitag, 29. März 2013

Crisis on Infinite Earths

Hörbücher mit Comicgeschichten seien das Gegenteil von Comics meinte lächelnd eine Freundin über das Vernehmen meines neuen Genusses, Hörspiele, Hörbücher mit Geschichten aus der Comicwelt zu lauschen. Ich war über diese Aussage zuerst irritiert.
Ja, es fehlen die Bilder, die Zeichnungen...
Aber es sind die Geschichten, die mich Comics lesen lassen. Geschichten, die mich von Comics entfernen oder auch wieder nähern lassen.

Also.
 
Die Tage Crisis on Infinite Earths angehört.
Genial gemacht.
Das Comic selbst ist chaotisch. Ja, es ist nachvollziehbar, wohin es gehen soll: Eine Erde, weniger Superheldinnen und -helden. Aber es ist chaotisch.
Das Hörspiel hat die Inhalte sortiert und es auf eine Person - in der Hauptsache - zugeschnitten: Barry Allen, der Flash. Durch diese Fokusierung macht die Geschichte nun mehr Sinn. Es werden bessere Erklärungen gegeben etc. Die Geschichte ist einfach runder. Auch der Schluss wurde dem angepasst.

Es gibt einen auktorialen, also allwissenden Erzähler. Teile der Geschichte werden aus der Sicht von einzelnen Superheldinnen oder auch Superschurken erzählt. Und immer wieder ist Barry Allen dabei, die Geschichte voranzutreiben.
Dass ich Barry Allen persönlich sehr mag, davon erzählt eine andere Geschichte.

crisis-003
Was mir besonders gut bei diesen Hörspielen von GraphicAudio gefällt, ist der Einsatz eines Erzählers. Für das Hörspiel wird sich nicht Wort für Wort an die Comic-Vorlage gehalten. Teile der Comic-Geschichte werden exzerpiert, manche Momente anderen Figuren zugewiesen. Jedoch erfolgt die Bearbeitung immer so, dass die Teile der Geschichten zueinander passen und stimmig werden.
Ich kenne andere Comic-Hörspielproduktionen, z.B. von BBC, die mich eher verwirrten, weil sie zwischendurch nicht erklärten, wo sich die Protagonistinnen gerade befanden.

Für mich waren es sieben Stunden absoluter Hörgenuss.
Und wieder habe ich Zugang zu einem der Crisis-Themen von DC erhalten.


Weitere Infos