Schon komisch. Drei Tage - seit Mittwoch dieser Woche - feierte ich meinen Twitter-Abschied. Es haben leider nicht alle mitbekommen, dass ich es ernst meinte. Es ist auch sehr traurig, dass es Twitter sehr ernst meint, heißt, nach dem Deaktivieren (ich tat es heute um 12:01) ist definitiv alles weg - Tweets, Follower alles weg. Es ist kein Auf-Eis-Legen, es ist endgültig. Eine Rückkehr würde einen absoluten Neuanfang bedeuten.


Ich hatte 11 Jahre Spaß auf Twitter. Gegen Ende leider weniger. Es wurde eher suchtartig. Konnte es nicht lassen. Es schenkte keine Freizeit, sondern es stahl mir Zeit. Und Positives nahm ich auch noch kaum wahr, sah nur noch die Beeinträchtigungen: rechte Polizisten, die Welt vor dem Abgrund (Fridays for Future, die darauf hinweisen), Frauen, die ihren Job verlieren, wenn sie sagen, dass es nur zwei Geschlechter gibt und Lesben, die bedrängt werden, einen "female Dick" (weiblichen Schwanz) zu akzeptieren. (Ich akzeptiere einen "weiblichen" Schwanz nur bei Katze, Hund, Ratte, Taube, Rabe ... ihr seht das Bild.)
Ich mutierte zur "Retterin der Welt", die ich nicht sein konnte. (Vielleicht leide ich doch mehr an einem Helferinnen-Syndrom als ich es wahrhaben wollte.) Die Multiple Sklerose zeigte mir, wo der Hammer hängt: eine Woche konnte ich nicht richtig laufen, ich bin immer noch im Schub. Nur die Reduzierung meines Stressaufkommens wird hier wieder zur körperlichen Normalität führen. Wenn ich Glück habe, bleibt kaum etwas zurück. Wenn ich Pech habe hoffentlich nur ein bisschen.
Jetzt bleibt nur noch die Erinnerung. Denn Tweets halten nicht für ewig.
Ein Strichpunkt zögert das ungewisse Ende hinaus, ein Doppelpunkt zeigt Positionen auf, ein Punkt verbindet Zusammengehöriges… Ein Schlußpunkt ist die Chance für einen Neubeginn.
© Peter Sereinigg
(*1955), österreichischer Unternehmensberater und Lehrender an Hochschulen
Quelle: aphorismen.de