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Mittwoch, 18. März 2015

Die Autorin Malinda Lo ist eine, meine Entdeckung in diesem Jahr

Auf der Suche nach einem lesbischen Harry Potter oder Herr der Ringe oder Percy Jackson fand ich mystische Abenteuer mit starken Protagonistinnen. Ich hatte nicht den Anspruch, dass es die Hauptdarstellerinnen in den Geschichten sind - eine lesbische Hermine hätte mir gereicht - aber mit den Geschichten von Malinda Lo wurde mein erster Hunger nach fantastischen Abenteuer mit einer Spur Lesbenthematik gut gestillt.

Ich habe zwei Bücher bisher von Lo gelesen:
Ash, welches hauchzarte Themenberührungspunkte mit dem Märchen Aschenputtel hat und Huntress, welches in derselben Umgebung wie Ash, aber ein paar Jahrhunderte davor spielt. Beide Bücher bauen nicht aufeinander auf und können sehr gut unabhängig voneinander gelesen werden. Empfehlen würde ich, Ash vor Huntress zu lesen, weil Ash eher mystisches Märchen und Huntress eher ein detailreicher Abenteuerroman ist.

Ash

Ash ist 12 als ihre Mutter verstirbt. Die Beerdigung wird auf eine bestimmte Art und Weise gestaltet, damit die Seele der Mutter nicht von den Feenleuten geholt wird. Eine gute Hexe unterstützt die Beerdigungszeremonie. Ash fühlt sich heimatlos. Sie hat Heimweh nach ihrer Mutter und deren Geschichten. Ihre Mutter war wie die gute Hexe eine Anhängerin der alten Magie. Ashs Vater ist nicht überzeugt von den alten Weisen.

Nachdem der Vater von einer längeren Reise zurückkommt, verkündet er, dass er wieder heiraten wird. Lady Isobel und ihre Töchter ziehen zu Ash und ihrem Vater nach Roak Hill. Solange der Vater lebt, ist alles gut. Als er an einer Krankheit verstirbt, stellt sich heraus, dass er arm ist, resp. Schulden hat. Lady Isobel zieht deshalb zurück ins eigene Heim in der Großstadt. Ash als Tochter ihre Mannes wird mitgenommen. Isobel eröffnet ihr, dass Ash die Schulden des Vaters abbezahlen muss.

Ashs Heimatlosigkeitsgefühl nimmt zu. Sie liest die alten Märchen und geht verwunschene Pfade, auf denen sie eines Tages einen Feenmann kennenlernt. In ihrer Todessehnsucht freundet sie sich mit diesem an und geht auf einen Handel ein, bei dem er drei Wünsche für sie erfüllt und sie einen Preis dafür bezahlen muss.
Diese Wünsche helfen ihr, an Jagdgesellschaften und Bällen teilzunehmen, um Zeit mit der Jägerin des Königs zu verbringen.

Huntress

Bitte den Roman in deutsch rausbringen. Bitte den Roman in deutsch rausbringen. Bitte den Roman in deutsch rausbringen.
"Making a decision isn't about knowing every potential consequence. It's about knowing what you want and choosing a path that takes you in that direction." Fin, 'the Acadamy's groundkeeper, die Kaede das Messerwerfen beibringt, Huntress, S. 28
Kaede und Taisin sind 17 Jahre alt und leben in der Academy.
Kaede ist die Tochter eines Adeligen. Sie ist mäßig befähigt, was das Sage-Mysterium angeht und weiß nicht, wohin sie will. Aber sie weiß, was sie nicht will.
Taisin ist die Tochter einer Bauernfamilie - talentiert und begabt für die Ausbildung in der Academy. Sie weiß genau, was sie will. Sie sieht schon ihren fertigen Weg in der Academy als Sage.
Sage sind Angehörige der Academy und leben im Zölibat. Sie enthalten sich jeder Liebesbeziehung. Diese Sage hüten das Wissen um Mysterien und Heilung. Sie haben Visionen der Zukunft. Kaede und Taisin sind noch in der Ausbildung und ohne Schwur zum Zölibat.

Im Königreich herrscht schon sehr lange eine Schlechtwetterfront, die schlechte Ernte hervorbringt. Das Volk leidet Hunger. Taisin hat eine Vision, die zeigt, dass Kaede wichtig ist, um das Königreich zu retten und sie beide dazu unterwegs sein müssen. Und als die Feenkönigin den König zu sich einlädt, ziehen der Sohn des Königs, Taisin, Kaede und drei LeibwächterInnen los.
Kaede trainiert auf der Expedition das Messerwerfen mit einem Eisenmesser und sie lernt Bogenschießen. Das Eisenmesser mit einer besonderen Fähigkeit den Feenwesen gegenüber hat sie von Fin geschenkt bekommen.
Taisin muss ihre Kenntnisse als Heilerin und Magierin bei einem Feen-Wechselbalg und bei verwundeten Reisebegleitern einsetzen.

Resümee

Das schlechte Wetter ist in Huntress zu spüren: Die Kälte, das Unangenehme. Kleidung, die nicht richtig trocken werden kann. Haut, die nicht mehr gebräunt wird.
Ungewohnt und spannend fühlte sich die Jagdbeschreibung und die Beseitigung diverser böser Geister an. Die Charakterzeichnungen sind tiefsinnig schön. Die Reife und Zuneigung der beiden 17jährigen Mädchen ist fühlbar, vor allem in der großen Entscheidung, die sie am Ende des Buches treffen.

In Ash sind Märchen-Elemente vorhanden, diese werden aber neu und mit einer schönen Art von Realismus genutzt. Ich mag die Art und Weise, wie der Vater durch die Brille seiner Witwe dargestellt wird. Ash trauert nicht um ihn, sondern betrauert ihre Heimatlosigkeit durch den frühen Tod ihrer Mutter. Sie wird erwachsen in der Geschichte, arrangiert sich mit ihrem Schicksal und trifft Entscheidungen. Am Ende findet sie - und da es ein Märchen ist, ist dieser Hinweis kein Spoiler - ihr Zuhause. Beide Bücher sind absolut wieder lesenswert.

Danke für diesen Buchtipp @Schatzi1. :wave:

Ash
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: PAN (2. November 2010)
Sprache: Deutsch        









Huntress Gebundene Ausgabe: 384 Seiten Verlag: Little, Brown Books for Young Readers; Auflage: 1 (5. April 2011) Sprache: Englisch  












Malinda Lo ist eine US-amerikanische Schriftstellerin mit chinesischen Wurzeln. Sie schreibt Abenteuer- und Fantasygeschichten mit Mädchen/ Frauen in den Hauptrollen. Bisher erschienen sind Ash, Huntress, Adaption und Inheritance. Lo forscht auch über Vielfalt in der Jugendliteratur und im Verlagswesen.

Freitag, 17. Oktober 2014

Buchmesse Karola Bloch


Meine Notizen:


Karola Bloch Vortrag von Welf Schröter

 

Geboren am „blutigen Sonntag“ 22.01.1905

Rote Karola

Mit 12 Jahren stand sie auf dem roten Platz in Russland

Russische Revolution

 

Berlin Architektur

Kein Abitur Bauhaus kein Abschluss

Ende 20er Abitur in Wien

 

Architektin

Als Studentin politisiert worden

Ernst Bloch (geb. 1895) 20 Jahre älter als Karola – Ernst hatte mehrere Beziehungen gleichzeitig

Karola pragmatisch

Architektur des Lebens

Als Studentin in die KPD eingetreten. Hat sich gleich mit diesen zerstritten wg. Organisation

30er Jahre Exil in die USA

 

illegal tätig, obwohl sie Jüdin war im polnischen Widerstand reiste als „Olga“

eines Morgens die Koffer gepackt.

Ernst Bloch konnte kein Englisch

Karola sprach 6 oder 7 Sprachen: polnisch, russisch, hebräisch, deutsch, englisch

Karola war berufstätig

Nach II. Weltkrieg

Ernst Bloch Ruf an die Leipziger Uni, DDR, das erste Mal berufstätig

1959

Er hatte immer Beziehung zu vermögenden Frauen

 

Karola nach 2 Jahren Konflikt mit DDR-Organisation, Stalin wollte kein Bauhaus

Künstlerische Ebene wegen Architektur, gerade Linien etc.

K. nannte den Klassizismus nach Stalin Zuckerbäckerarchitektur

Durfte nicht arbeiten

1953 Arbeiteraufstand, 1956 polnischer Aufstand

1956 SED polnische Chauvinistin

profitierte von E. Blochs Berühmtheit/Bekanntheit, weil SED keinen Skandal wollte, Presse etc.

 

1961 sind beide zufällig in Süddeutschland

Mauerbau, telefonierte mit Sohn, der sich in London befand

Manuskripte von Bloch, Hanauer Verleger

Bloch – ich kehre nicht zurück in die DDR

Wechselten nach Tübingen – Erblindungsprozess des Mannes – Pfeife

Karola rauchte Zigaretten

Beruflicher Bruch war nach außen nicht mehr als Architektin tätig

Professoren gruppierten sich um Ernst Bloch, nahmen Karola als Frau von ... wahr.

1968 APO hat sich mit Rudi Dutschke angefreundet, dieser hatte zuvor Vorurteil Blochs seien Stalinisten

Religiöse Tagung – befreundet Tübinger Zeit

Frauenhaus/ Frauenbewegung

Hilfe zur Selbsthilfe Verein

Ernesto Cardenal besucht

Tübinger waren irritiert

Friedensbewegung, Sitzblockade sei Nötigung, Vorladung von der Staatsanwaltschaft.

Sie schrieb Postkarte: „Sie sei zu alt!“

Hielt Rede zur Friedensbewegung

Eltern 30er Jahre nicht überzeugen können, Polen zu verlassen, Jodokowska

Wutsch – Ghettho,Litsamstakt?? Dann im Warschauer Ghetto

In Treblinka ermordet

Versuchte Familie freizukaufen aus Amerika, Nazis waren scharf auf Devisen, hat nicht funktioniert

Trauma, dass sie ihre Familie nicht retten konnte, wurde im Alter immer schlimmer

Hat sich immer gegen Antisemitismus ausgesprochen. War sehr feinhörig, wenn Kritik an Erich Bloch geübt wurde. Betraf diese seine Philosophier oder waren sie antisemitisch? E. Bloch war auch Jude.

Erhielten Briefe von Nazis bis in die 70er Jahre

Autobiographie 1995, die bis 1961 ging

Außer Rudi Dutschke gab es auch ihrer Perspektive sei nichts Wesentliches passiert.

Hat sich für Angela Davis eingesetzt

Kindertagesstätte geplant, Leipzig

Briefe aus dem Warschauer Ghetto, die dreifache Zensur durchliefen, mussten in deutsch geschrieben werden – wegen der Nazis, und dann noch durch britische und amerikanische Zensur, bevor sie bei ihr ankamen

Bruder Frau Angula Tagericht gab Tanzunterricht für Kinder im Warschauer Ghetto

Wilde Rebellin, selbstbewusste Frau, selbständige Frau.

Mit Friedel Dikka Architekturbüro in Prag

Friedel wurde in KZ Theresienstadt ermordet – Kinderzeichungen

 

Widerständigkeit

1984 sollte neuer Bundespräsident gewählt werden (Weiszäcker)

hat symbolische Kanditatur abgelehnt, deutsche Gesellschaft sei für Polin und Jüdin nicht bereit

Luise Rinser nahm die Rolle ein

 

Ernst Bloch wird in Suhrkamp Verlag veröffentlicht.

 

K. B. Aus meinem Leben

K. B. Architektin. Sozialistin. Freundin

K.B. Die Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu sein. Reden und Schrift, Bd. 1 und 2

 

Sohn nach dem Tod der Mutter, Traumaübertragung, kamen die Träume über Shoa und jüdisches Ghetto

 

Welf Schrötter

Erich Bloch schrieb einmal Lob zu Stalin, erhielt dadurch Streit mit Karola

Er hatte für Tagespolitik kein Verständnis, sie war wie Mutter Courage. Sie hat dafür gesorgt, dass die Familie überlebt hat.

 

Verlag 26. Jahr an der Buchmesse

 

E. Bloch , Religionskritik Christentum

Sie: einen Dikator kann nicht mit friedlichen Mitteln bekämpft werden

Cardinal: Theologie der Befreiung,

bei der Lesung über üder Biographie viele Frauen zwischen 40 und 50 Jhare alt

ihre Geschichte sei Ermutigung

USA Chaplin getroffen, gesprächige Frau, kommunikativ

Sie konnte kein Spanisch, Nicaragua

Solidarnosc Anhänger in Tübingen: Meine Polen sind so rebellisch , aber leider so katholisch.

 

Olbricht

Prager Frühling,

gegen kommunistisches System gewehrt, das amerikanische System hatte ihr aber auch nicht gepasst.

 

Mittwoch, 6. August 2014

Lesbisch für Anfängerinnen


Der Buchtitel hat es in sich. Als ich erzählte, was ich gerade lese, wurde ich gerne gefragt, ob es sich bei den Büchern um Selbsthilfebücher handeln würde. 

Nein, keine Selbsthilfebücher. 
Es sind Romane. 
Aber sie zeigen einen schönen Einblick in die Lesbenszene. Für Frau, die diese noch nicht kennt und noch etwas Berührungsängste hat, eine gute Art und Weise sich der Szene zu nähern.

"Lesbisch für Anfängerinnen" ist eine schöne Soap Opera aus der Lesbenszene in Buchform. Zur Buchreihe "Lesbisch für Anfängerinnen" ist unterdessen der dritte Teil "Damenwahl" herausgekommen.

* * *

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!

Ich habe den ersten Teil von Lesbisch für Anfängerinnen gelesen. Kann jetzt Hörbuch und Buch vergleichen. Beide sind okay.

Tina, eine Hetera, will sich Hals über Kopf von ihrem Freund trennen. Was heißt, sie will so schnell wie möglich aus der gemeinsamen Wohnung raus. Durch Zufall und ein Missverständnis - sie hielt das verschlungen dargestellte Frauenzeichen für ein Viele-Frauen-Zeichen - landet sie in einer Lesben-WG. Nach anfänglichen Vorbehalten auf beiden Seiten wächst sie in die WG und auch in die Lesben-Szene hinein. Dabei macht sie sich Gedanken, ob sie eventuell auch lesbisch sein könnte, weil sie immer mal wieder an diese Astrid denken muss.

Die Geschichte ist für mich keine Haute Cuisine, aber sie ist ein leckerer Eintopf: Einfach und alles ist drin.
Beim Lesen hatte ich immer Bilder von meinen Erlebnissen aus Frankfurt vor Augen. Okay, ein Lesbenkulturhaus haben wir nicht. Dafür ein Lesbischschwules Kulturhaus. Aber sonst kam mir alles so vertraut vor. Die Arbeit in Lesbenprojekten, in Lesbengruppen. Das Zusammentreffen der Lesben.

Was ich jedoch beim Lesen verrückt fand war, dass die Darstellung des Prickelns zwischen Tina und Astrid sehr bemüht herüber kam. Ich las mehr Erotik bei den Situationen mit Vera, eine Frau, die Tina auf ungewöhnliche Weise kennenlernte oder mit Susanne, eine Mitbewohnerin der WG. Gewollt ist halt nicht alles. Und vielleicht waren Tinas Gedanken zum Lesbischsein und ob sie nun Gefühle für Astrid haben könnte, nicht sehr hilfreich für die Leserin sich ins Geschehen einzulassen. Bei den anderen Frauen beschrieb die Autorin nur das Geschehen und kein weiter gehendes Nachgrübeln und das Vertrauen der Frauen untereinander war rauszulesen.

Mal sehen wie es sich weiter entwickelt. Hab ja noch Teil 2 als Hörbuch und Teil 3 als Buch vor mir.

Lesbisch für Anfängerinnen: Willkommen in der WG!
Celia Martin
Broschiert: 216 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 3 (August 2010)
Sprache: Deutsch
* * *

Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küsse

Der zweite Teil lag mir nur als Hörbuch vor.
Tina macht gemeinsam mit Henriette von Lojewski, Inhaberin eines Cateringservice und Herausgeberin eines Luxusgourmentjournals eine Geschäftsreise nach Italien, um die Geheimnisse der italienischen Küche für einen Artikel zu recherchieren. Tina schnuppert noch neben ihrem eigentlichen Job in der Versicherung in diese neue kulinarische Branche. Es läuft alles gut beruflich. Privat hingegen gibt es Durcheinander: die Eltern trennen sich, die Mutter zieht bei ihr ein und lernt dadurch einen netten Nachbarn von Tina kennen, dessen Tochter nun auch noch lesbisch ist. Aber Tina hat ihr Coming Out vor ihrer Mutter noch vor sich und eine Freundin, die sie nun nicht nach Hause einladen kann. Dadurch fährt die Beziehung mit Astrid Achterbahn, da Astrids Ex sich nicht als Ex begreift. Auch gibt es Geheimnisse, die Astrid vor Tina verbirgt.

Es gibt also sehr viele Geheimnisse.
Noch mehr Annahmen.
Und die Frauen reden nicht miteinander.
Beim Anhören hoffte ich unentwegt, dass sich Tina und Astrid trennen. Wieder war mehr Erotik und Nähe zwischen Tina und diversen anderen weiblichen Charakteren zu spüren als bei diesen beiden.
Naja.

Hörbeispiel:


Lesbisch für Anfängerinnen 2. Cappuccino-Küssevon Celia Martin (Autorin), Christiane Marx (Erzählerin)
Spieldauer: 6 Stunden und 5 Minuten
Format: Hörbuch
Verlag: Butze Verlag

* * *

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl

Diesmal geht es kommunalpolitisch zu: Im Rahmen der Gentrifizierung soll ein Stadtteil neu gestaltet werden. Gerüchten nach soll das Frauenkulturhaus geschlossen, bestehende Wohnungen sollen wertvoller gemacht werden. Dazu müssen natürlich die alten Mieterinnen raus. Diese hätten eigentlich ein Recht, eine gewisse Zeit in Anspruch zu nehmen, um sich eine neue Wohnung zu suchen. Aber es soll schneller gehen. Also werden Krachmacher in leere Wohnungen gesetzt, die das Wohnen im Haus reichlich ungemütlich machen. Dies trifft aus der Lesbenclique Käthe.

Aber nicht nur im Wohnbereich wird Käthe gebeutelt: die Ex von Käthe, die zusammen mit ihr das Frauenkulturhaus aufbaute, hat unterdessen Karriere gemacht und ist Kandidatin für eine Konservative Partei. Zu Zeiten mit Käthe setzte sie ihr Talent für das FKH ein – ein Projekt, das ihr sehr am Herzen lag. Nun "mauschelt" sie mit der Presse, um so in einem guten Licht für die kommende Wahl zu stehen. Gleichzeitig ist auch ihre Partei an diesem Wohnungsdingens beteiligt, so dass die Freundinnen alles daran setzen, in ihre Nähe zu kommen, um so etwas über die Zukunft des FKH zu erfahren. Hierzu ist es gut, dass Tina unterdessen Karriere im Bereich der Presse und Cateringservices machte.

Was haben wir noch für dieses Lesbisch für Anfängerinnen? Weniger Verwicklungen. Diesmal ist es klar, dass sie ohne Informationen nicht wissen können, was Sache ist. Und sie kämpfen für ihre Sache. Auch wenn hierfür ein Ausrutscher der Politikerin genutzt wird.

Gelernt habe ich von dem ungeschriebenem Gesetz der Lesben: Du outest keine Lesbe –- auch wenn sie deine politische Gegnerin ist.

Lesbisch für Anfängerinnen 3: Damenwahl
Celia Martin (Autorin)
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Butze Verlag;
Auflage: 1 (27. Juni 2014)
Sprache: Deutsch

Sonntag, 15. Juni 2014

Sappho II

Knapp drei Wochen nach dem mystriösen Tagebucheintrag stellt sich heraus, dass die jugendliche Autorin noch keine Kenntnis über die Texte von Sappho haben konnte.
Freitag, den 1. VII. '83

Salve!

Anscheinend können es die Normalen ehrlich nicht ertragen, Sappho. Am Tisch gab es wieder ein Gespräch von Freund und Männer. Ich meinte, ich wollte von solchen Kreaturen nicht abhängig sein. (...) 

Soll ich die blöde Situation endlich aussprechen oder immer noch um den heißen Brei herumreden. '- Ja, ich wage mich, ich liebe ein Mädchen, auch wenn es euch nicht passt und jetzt werde ich die Umschläge von den zwei Büchern abmachen und meinen Namen hineinschreiben. Sappho, dich hab ich endlich. Verdammt, warum waren die Menschen nur so dumm und haben deine Stücke zum Teil vernichtet. Aber du hast überlebt, nein, du wirst nicht vergessen, auch wenn so wenige Leute dich nur kennen. Dein Name währt ewig, auch wenn manchmal ein negativer Inhalt ihm zugute kommt. Aber warum soll man nicht in Leidenschaft zu einem Mädchen entbrennen? Was ist schlimm daran? Man kann doch jeden Menschen lieben, warum sind die Normalen nur so verkorkst? Nicht wir sind es, die das ganze schlecht machen, denn auch unsere Liebe ist rein und echt. Auch wenn es euch nicht passt, wir können und wollen auch lieben dürfen. (...)

Ave für heute.
Die zwei in diesem Tagebucheintrag mit blindem Schutzeinschlag versehenen Bücher kaufte die junge Autorin auf dem 20. deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover 1983 (8.-12. Juni 1983). Eines davon ist das von Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Tabu Homosexualität – Die Geschichte eines Vorurteils, Frankfurt am Main 1978. Ein Buch, das sich auch heute noch im Bücherschrank der alten Autorin befindet.
Das zweite war des Aufhebens nicht wert.

Das im Tagebucheintrag mit "Sappho, dich hab ich endlich." gemeinte Buch war Sappho: Strophen und Verse übersetzt von Joachim Schickel, herausgekommen 1978, deren Texte nun endlich von der Autorin genossen werden konnten.


Weiterführende Links
  • Über das Buch Tabu Homosexualität Artikel auf en.wikipedia.org (engl.)
  • de.wikipedia.org Gisela Bleibtreu-Ehrenberg
  • Lyrikzeitung & Poetry News: Selanna: vergleicht eine Sappho-Originaltextstelle mit unterschiedlichen Texten diverser Übersetzerinnen (darunter auch Schickel)

Freitag, 6. Juni 2014

Sappho I

Montag, den 6. VI. '83
Salve!
Wenn das stimmt, was ich denke, was ich bin, weißt du, dann steht es ziemlich schlecht um mich. Beim Spaziergang ist mir aufgegangen, daß ich nicht ganz normal bin. Du, ich begehre ein Mädchen und weißt du, was das heißt, ich bin lesbisch! Sappho, Sappho, was mach ich nur? Ich hoff nur, daß das nicht stimmt. Aber ich hab sie so lieb. Ich muß mich mit dem Gedanken abfinden. Das ist wohl der einzige Weg. Die Kunst muß einfach zu meiner Geliebten werden. Ansonsten seh ich da keinen Ausweg.
Ave, für heuteEin mysteriöser Tagebucheintrag einer Teenagerin von vor 31 Jahren. Die Schreiberin spricht eine uralte, imaginäre, jedoch auf einer realen Person basierende, Lyrikerin an.
Die Autorin kann damit leben, dass Sappho als Namensgeberin für die sapphische Liebe steht. Sie hat kein Problem damit, dass der Wirkort der Lyrikerin - Lesbos - das Wortgrundgerüst für die Bezeichnung homosexueller Frauen ist. Aber mit der negativen Konnotierung in Abgrenzung zur "Normalität" hat die junge Schreiberin ein unerwünschtes Thema mit in der Persönlichkeitsfindung.
Ruheort Text, in dem Verzweiflung und Sehnsucht nebeneinander stehen können.

Sonntag, 10. November 2013

Christine Brückner: Das eine sein, das andere lieben

Das eine sein, das andere lieben.
Autorin: Christine Brückner
Broschiert: 176 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1983)
Sprache: Deutsch


Inhalt.
Schön kurz und knapp wird der Inhalt auf dem Buchrücken von "Das eine sein, das andere lieben" von Christine Brückner beschrieben:
Auf einer Bahnreise lernt die Schriftstellerin P. einen jungen Mann kennen, der ebenfalls mit Literatur zu tun hat, jedoch weniger erfolgreich ist als sie. Auf der Rückreise sitzt ihr dieselbe Person gegenüber, aber diesmal als Frau. Mario oder Marion - das ist die Frage. Hier wechselt jemand die Rollen, will das alte Geschlechterspiel nicht mitspielen.
Die Schriftstellerin ist so fasziniert von dieser Person, die sie bald als "ihre" Person bezeichnet, dass sie sich von ihr die Erlaubnis einholt, Nachforschungen anstellen zu dürfen und letztendlich auch das Angebot macht, mit an den Lesereisen als Assistenz teilzunehmen.

Zwei in einem und die Grenzen.
Mario(n) stellt ziemlich früh im Roman fest:
"Sie nehmen das alles viel zu ernst. Das Männerspiel, das Frauenspiel."
Quelle: S. 74, Brückner, a.a.O.
Dennoch ist P. von ihrer "Person" fasziniert und möchte alles über sie erfahren. P. ist der Meinung, dass
"(d)ie Überbewertung der Sexualität (...) durch diese Person ebenso absurd gemacht (wird) wie das überbewertete Rollenverhalten von Mann und Frau. Sie spielt beide Rollen!"
Quelle: Brückner, a.a.O. S. 93
Das Spiel mit den Rollen kommt jedoch auch in Grenzbereiche. So hält ihr ihr Ehemann im Gespräch über das Schreibprojekt einen Spiegel vor:
"Ich rate dir von diesem Projekt ab. Für gleichgeschlechtliche Liebe hast du nach meinen bisherigen Erfahrungen kein Gespür."
Quelle: Brückner, a.a.O. S. 95
P. lässt sich davon nicht beeindrucken. Das Geschlechtliche, die Sexualität soll in der Annährung an ihre "Person" außen vor gelassen werden. Dass eine Grenze in P.s Vorstellung erreicht wird, ist dann festzustellen, als Mario(n) ihr erklärt, dass sie schwanger sei. P. zieht sich emotional von Mario (sic!) zurück. Ihre Enttäuschung wird bei einem Telefonat mit ihrem Ehemann von diesem benannt:
"Was hast du? Was ist mit dir los?"
"Mario" - wieder ließ sie das 'n' weg - "ist schwanger."
"Trifft dich das?"
"Ja."
Quelle: Brückner, a.a.O. S.174
Die Schriftstellerin P. lässt sich auf die Irritation, die Mario(n) in ihr auslöst, solange ein, bis etwas geschieht, dass ihre "Person" geschlechtlich festlegt:
"Irgendwoher. Immer willst du wissen, woher. Und ich weiß nicht einmal, wohin."
"Ich habe dir keine Antworten versprochen. Wer schreibt -"
"Stellt alte Fragen neu! Damit redet ihr euch heraus. Du schreibst. Ich lebe. Von nun an habe ich keine Wahl mehr."
Brückner, a.a.O. S. 174
Das Muttersein lässt Mario(n) nicht mehr die Wahl, mit den Geschlechtsrollen zu spielen. 1981 im Roman von Christine Brückner. Und heute?

Leseerlebnis.
Das generische Maskulinum, welches ich hier anmerkte, war zwar vorhanden, aber Brückner hat es hingekriegt, dass dies beim Lesen in den Hintergrund gerät. Spannender war es da, mitzubekommen, wie sie sich ihrer "Person" nähert: Sie befragt die Mutter. Sie geht zum Standesamt. Sie korrespondiert mit alten Lehrern (sic!). Sie lässt sogar Horoskope erstellen.

Manches empfand ich als heftig: War es damals echt so leicht, auf's Amt zu gehen und Auskünfte zu erhalten? Anderes fand ich witzig: Horoskope! P. lässt einen Astrologen Horoskope erstellen und macht dies nicht als Unsinn nieder, sondern beschreibt Astrologie so wie ich es beschreiben würde, müsste ich es denn erklären.

Gestolpert bin ich beim Thema Laufen. Mario(n) trainiert einen homosexuellen Regisseur, um diesen von seiner Lust auf Mario abzulenken. Okay, vielleicht hat Brückner bzgl. Laufen jemanden gefragt, der/die sehr gut im Laufen ist - aber fünf Minuten für den Kilometer ist für einen kurz zuvor untrainierten Mann ein ganz schön heftiges Ziel.

Als ich so über die faszinierende Irritation der Schriftstellerin nachdachte, ist mir mein Erlebnis mit Legolas aus dem ersten Teil Der Herr der Ringe eingefallen. "Enttäuscht" wurde meine Irritation dann, als der Schauspieler Orlando Bloom im nächsten Film eine eindeutige Rolle und Maske hatte.

Resümee.
Ich habe das Buch Anfang der 80iger Jahre gelesen. Und auch jetzt noch hat es mich gefangen genommen. Für ein Buch, welches 1981 geschrieben wurde, hat es schön die Ambivalenz der interessierten Umwelt näher gebracht und bringt damit weitere Denkanstöße.
Es wird in meinem Bücherschrank verbleiben. Und vielleicht lese ich es ja in 30 Jahren wieder.

Weiterer Link zum Buch auf diesem Blog:
Vorbereitung zum Zweitbesuch eines Buches: Brückner - Das eine sein, das andere lieben

Sonntag, 27. Oktober 2013

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque

Mir ist das Verlagsprogramm des Zaglossus-Verlages eher mit wissenschaftlichen Themen aufgefallen. Auf der Buchmesse lernte ich, dass ihr Verlagsprogramm weiter gefächert ist.
Es gibt für Lesben sehr viele Geschichten mit Coming Outs und sowieso Liebesgeschichten. Meine Lesemotivation solcher Bücher geht gegen Null.
Die Beschreibung des Buches Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque aus dem Zaglossus-Verlagsprogramm machte mich neugierig und ich nahm mir Zeit für einen Science Fiction, der "queer durch die Galaxie" führt.

Inhalt
Helen Hayer ist Miss Universe. Der nächste Wettbewerb steht an. Die Vorraussetzungen, um an Misswahlen im Jahr 2848 teilzunehmen, haben sich derart verändert, dass Aussehen nicht mehr wichtig, jedoch Intelligenz gefragt ist. Den Titel hat Hayer bereits fünfmal errungen. Diesmal möchte sie alles daran setzen, damit der Titel an ihr vorüber geht. Denn sie will ihre Zukunft anders gestalten. Marissa Applegate, die Leiterin und Besitzerin des Großkonzerns Applegate Inc. hat andere Pläne. Für sie ist Hayer das Marketingmoment, so dass Applegate die vielbeachtete Weltraumkapitänin Christine de Castelbaraque beauftragt. Sie soll Hayer begleiten, damit diese und ein wertvolles Amulett unbeschadet den Wettbewerb auf Eden erreichen. De Castelbaraque hegt eine starke Abneigung gegen die Funktion Hayers als Miss Universe und sie lässt Hayer dies spüren. Der Versuch den Auftrag nicht annehmen zu müssen, schlägt fehl. Schon bald sind Hayer und de Castelbaraque auf dem Raumschiff Agina V unterwegs nach Eden. Das Abenteuer beginnt als beide entführt und mit neuem Auftrag bestückt, quer durch die Galaxies die Horax-Tafeln finden müssen, um Schaden von der Erde fernzuhalten.

Resümee
Meine Einstellung zum Roman veränderte sich nach Lesebeendigung von mal zu mal.
Manchmal habe ich mir gewünscht, dass die Figuren ernsthafter sind. Dann waren die Charaktere wieder okay.
Ein bisschen anstrengend fand ich das Lesen der Schlusskapitel, deren Reihenfolge ich ein klein wenig geändert hätte. Es waren sehr viele Informationen, die die Autorin für die Leserin da vorhielt. Als Leserin ist frau nicht so in der Geschichte, wie als Schreiberin.
Jedoch, ich mag Zeitsprünge - zeitliche Doppelung, unterschiedliche Universen - gleichzeitige Doppelungen und Kuriositäten - ich habe mich köstlich über das Auftauchen der Waschmaschine amüsiert, deshalb fühlte ich mich der Kniffligkeit der vielen Ebenen im Buch gewachsen.
Dass am Ende doch noch eine kleine Liebesgeschichte vorkam, fand ich passend.
Auf jeden Fall war das mal eine etwas andere Geschichte.
Und falls eine mal Lust hat, über die Sinnigkeit der Reihenfolge der Schlusskapitel zu diskutieren... Fühlt euch eingeladen, hier zu kommentieren.

* * *

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque
von Judith_Jennewein
Broschiert: 292 Seiten
Verlag: Zaglossus;
Auflage: 1 (7. Juni 2013)
Sprache: Deutsch




* * *

Weitere Infos:


* * *
Nachtrag im Tagebuch 17. November 2013
Was nervt mich eigentlich bei diesem Weltraumabenteuer? Die Figuren werden nicht ernst genommen. Die Charaktere könnten in jedes Thema gepresst werden, weil sie nicht in die Zeit passen. Die einzigen, die in die Zeit zu passen scheinen, sind die beiden Wissenschaftler, die die Protagonistinnen in den 50igern Jahren antreffen.
Raumdarstellung ist auch ein schwieriges Thema. Wirklich gelungen, dünkt mir, ist es nicht im Buch. Nur einmal, als die Orientierungslosigkeit des Schwebens beschrieben wurde, da wirkte es authentisch. Vielleicht weil es da so passte?
Über das Thema Mann_Frau, Mutter_Vater-Figur fange ich gar nicht erst an. Mir stellte sich die Frage, ob dieses Faktum für den Roman nötig war. Die Antwort war eindeutig. Und so war das Thema verschenkt.
Letztendlich bleibt: Gute Ansätze, die aber nicht konsequent verfolgt werden. Hin und wieder blitzt Genialität auf (Waschmaschine). Das ist doch auch schon was!

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Vorbereitung zum Zweitbesuch eines Buches: Brückner - Das eine sein, das andere lieben

Ich statte nunmehr als alte Dame einem Buch einen zweiten Besuch ab. 1984 - ich war 18 Jahre alt - hatte ich es als Taschenbuchausgabe gekauft und auch gelesen.

"Das eine sein, das andere lieben" sagt am Ende des Romans eine heterosexuelle Frau von sich, weil sie Männer liebt, aber kein Mann sein will.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Frigga Haug: Das Sexuelle und das Politische - ein Zusammenhang in Bewegung -

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Die Organisatorinnen
und Frigga Haug
Am Freitag 15.05.2009 sprach Frigga Haug im Rahmen DenkRÄUMEDenkRÄUME ist eine neue Veranstaltungsreihe im EVAngelischen Frauenbegegnungszentrum, Frankfurt/Main. Frauen sind eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu denken. Bekannte feministische Vordenkerinnen halten Referate und danach gibt es Gelegenheit zum Austausch. über „Das Sexuelle und das Politische“. Eli Wolf, Pfarrerin und verantwortlich für den Veranstaltungsort EVA, führte in die Veranstaltung ein und berichtet, dass DenkRÄUME aus einer Idee von Sylvia und Konny entstanden sei.

 
Und ich kann euch sagen, das war ein echtes Zuckerle, was Sylvia und Konny uns diesmal ermöglichten.

Der Vortrag von Frigga Haug

Frigga Haug spricht frei und nur anhand von Notizen. Die ganze Zeit über fühlte ich mich, als könnte die Situation in einem gemütlichen Wohnzimmer vor prasselndem Kamin stattfinden, bei dem Frau Haug von Erlebnissen und Überzeugungen berichtete.