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Dienstag, 17. Mai 2016

Familie Nilgans: die sechste

Nilgans 17. Mai 2016

Als die kleine Nilgans immer weiter auf mich zu kam, dachte ich unentwegt: "Stopp! Nicht an mich gewöhnen! Ich gehöre zur bösen Spezies!" Sie hat meine Abwehrhaltung gespürt und ist zum Rasen zurückgekehrt.

Ich gehöre zur bösen Spezies, die andere Tiere töten und quälen. Wann wird der kleine Vogel lernen, dass Menschen ihnen nicht immer gut gesonnen sind und Brotkrumen ihnen zuwerfen?

Wir sind die böse Spezies. Kein Tier ist vor uns sicher.

Samstag, 14. Mai 2016

Vor 7 Jahren: erste Meile gepostet.

Am 14.05.2009 habe ich meine erste Meile auf Dailymile gepostet. ;-)

Seitdem läuft es...

Irgendwie...

Voran...





Ich habe mich langsam ans Thema "Laufen" herangetastet, indem ich z.B. auch Veranstaltungen (Blogbetrag vom besucht habe, die mir ein paar Hintergründe erklärten.

Sonntag, 8. Mai 2016

Zufalls-TV: So gesehen

Heute Morgen im TV zufällig reingeschalten. Wollte gerade mit meinem Wii-Zirkel-Training starten. Bin dann hängen geblieben. War ein schönes, ruhiges Format. Die beiden, Schauspielerin Kristin Meyer und Bruder Paulus sitzen in einem Park auf einer Bank und unterhalten sich nett.
Es hatte mich durch die Ruhe auf dem Bildschirm so sehr irritiert, dass ich mir den Rest der Sendung angeschaut hatte.

Fotografie des Videotextes zu So gesehen - Talk am Sonntag So 08.05. 08:06-08:26 auf Sendung. Die Schauspielerei ist ihr Leben. Und durch sie will Kristin Meyer notleidenden Kindern in Afrika zu einem besseren Leben verhelfen. Ihr Verein "Act to Be" kümmert sich um Waisenkinder in Uganda. Durch das Theater sollen die Kids unabhängiger und selbstständiger werden.
Bruder Paulus im Gespräch mit Kristin Meyer

Sie sprachen über ihren Beruf. Dass es so viele regelmäßige Zeiten (vor allem im Winter, weil meist "nur" im Sommer gedreht würde) gibt, in denen sie ihren Beruf eben nicht ausüben könne und sie sich deshalb - wie so einige SchauspielerInnen - ein zweites Standbein gesucht habe. Andere würden coachen. Sie wollte etwas machen, mit dem sie etwas bewegen könne. Also hat sie den Verein Act to be gegründet. Mit diesem Verein ist sie in Uganda unterwegs, um Kindern neue Perspektiven zu verschaffen, indem sie gemeinsam mit den Kindern an einem Theaterprojekt - nicht nur schauspielern, sondern mit allem, was dazu gehört: Kostüme schneidern, Bühnebildnern und Regie führen - arbeiten.

Info zur Sendung auf kirche.tv
Webseite Kristin Meyer Soziales 
Vereinsseite act to be  e.V.
bz-berlin.de Stille Heldin. TV-Star Kristin Meyer gründet eigenen Hilfsverein

Mittwoch, 27. April 2016

Gewohnt am 3. April 1986

Das Zimmer in einer Aufräumphase.

Montag, 25. April 2016

Familie Nilgans: die erste

#älterwerden und die Konsequenzen

Dieses Jahr wird einer die Endlichkeit des Lebens so häufig um die Ohren geknallt, dass ich mir so meine Gedanken machte, was ich dazu schreiben könnte.
Dabei habe ich solche Themen im Kopf:
  1. Älter werden, Rollen spielen: Nicht meine Klasse
  2. Älter werden spielt keine Rolle im Lebensumfeld
  3. Älter werden, reifer werden: ausgerollt im Job ohne Berufung
Ich erahne Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Aber die Gedanken müssen noch reifen.

#älterwerden Anderswo

Scheint gerade so das Thema zu sein. Es werden schließlich alle älter. Frau Quadratmeter eröffnete auf ihrem Blog eine Blogparade mit dem Thema #älterwerden:
Wir alle werden älter und ich habe das Gefühl, dass dieser Umstand für viele Menschen ein Tabuthema ist oder zumindest etwas, das man gerne verdrängt. Das ist eigentlich erstaunlich (oder eben auch nicht), weil die zunehmende Vergreisung unserer Gesellschaft ein relevantes Thema ist, mit dem wir alle uns werden auseinandersetzen müssen. Ich möchte gerne wissen, was dieses Thema mit euch macht, welche Aspekte euch besonders beschäftigen, ängstigen oder worauf ihr euch freut. 

Texte zum #älterwerden

Lektüre, die ich mir über Twitter recherchierte:

Montag, 18. April 2016

Vor 7 Jahren: Wii-Traingsstart

Montag, 11. April 2016

Mittwoch, 23. März 2016

18 Jahre Schmuse- und Schnurrweltmeister


Am 12. März 2016 ist unser Kater gestorben. Er wurde 18 Jahre alt.
Er war unser Knotterhannes, unser König, unsere beleidigte Leberwurst, unser Schmusehannes und unser Freund.

Ich bin so dankbar, dass meine Frau und ich mehr oder weniger Kopfmenschen sind. Denn wir sprachen schon im letzten Jahr darüber, dass der Dicke irgendwann sterben wird und was wir dann tun werden. Dieses Gespräch half uns in der Zeit der absoluten Trauer und Verzweiflung zu wissen, was zu tun ist: wir haben ihn verbrennen lassen und ihn in einer Urne wieder nach Hause geholt.

Der Schock war groß als das Ende kam: Er war doch ein junger Kater. In meiner Trauerarbeit half mir, mir bewusst zu machen, dass er alt war (88 Jahre nach Menschenalter) und dass wir seit vier Jahren uns seiner Gebrechlichkeit und Krankheit sehr angepasst und ihn gepflegt hatten. Es war anstrengend, aber wir liebten ihn und taten es gern.

In meinem Herzen war und ist er immer der junge Kater geblieben. Er ist nicht gealtert. Er war das Normale. Deshalb "nahm" der Kleine zu, als er abnahm. Deshalb war der Kleine höchst abenteuerlich drauf, während der Dicke nur noch schlafen wollte. Er war die Benchmark.
Aber er war nicht normal. Nie.
In der Krankheit nicht - siehe unten stehende Auflistung.
Und in seinem Verhalten nicht: ich habe noch nie eine Katze erlebt, die so gern schmuste. Die kein Problem darin sah, wenn er heftig von uns durchgeknuddelt wurde. Und der bei der kleinsten Berührung das Schnurren anfing.

Wir haben jeden Tag mit dir genossen.
Wir danken dir für deine Zeit mit uns.
Unser König.
Nestor.





Seine Krankheitsgeschichte:

  • Gleich zu Beginn im ersten Jahr 1998 gab es ein Thema mit Erbrechen und er musste eine Paste einnehmen
  • 22.04.2005 wurde ich das erste Mal von ihm gebissen
  • Irgendwann 2005/2006 konnte er keine hohen Möbel mehr hochspringen
  • Ende 2007 wurde eine Herzkrankheit bei ihm festgestellt und er musste abnehmen
  • er wurde kunkelig, manchmal meinten wir, er sei dement
  • seit ca. 2011 war er unrein.  Wir begannen, Möbel abzudecken und alles vom Fußboden gleich zu entfernen
  • 08.12.2011 wurde ich das zweite Mal von ihm gebissen
  • 2012 wurde er wegen Durchfall untersucht. Er musste Diätfutter fressen. Das mit dem Durchfall war immer wieder Thema.
  • März 2016 wollte er gehen und wir ließen ihn.

Mittwoch, 2. März 2016

Thema Lebensfreude

Im Brief an B. vom 01.03.1990 (nie abgeschickt)


Vor 27 Jahren wurde ich von einer Ärztin zum nächsten Arzt gereicht. Keiner dieser Fachmenschen sprach mit mir. Ich wusste nicht, warum ich unentwegt Termine wahrnehmen musste. Bis der Augenarzt im Termin zur Besprechung des Ergebnisses meiner Gesichtsfelduntersuchung mir mitteilte, dass die Überweisungen mit dem Verdacht auf Multiple Sklerose begründet worden seien. Und so schrieb ich an B.:
Die Ärzteschaft verdächtigt mich einer ZNS-Erkrankung. Der Augenarzt vermutete im letzten Jahr (das teilte er mir jetzt erst mit!) sogar MS, was er aber in dieser Woche zurücknahm. Für seinen Bereich zurücknahm. Die Neurologin ist dagegen nicht sehr kooperativ. Sie will unbedingt, daß ein SSEP und ein VEP an mir ausprobiert wird. Ich bin begeistert! Besonders da ich weiß, daß das SSEP schmerzhaft sein soll.

Können die mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich kann das in mein Leben integrieren, daß ich ab und zu vom Schreibtisch wegfalle und für fünf Minuten nicht da bin, anschließend mit rasenden Kopfschmerzen erwachend. Und daß ich ab und zu anstatt Schmerz nur Kälte verspüre, ist doch praktisch.
Lebensfreude!
Ich hoffe jetzt leicht, daß es "nur" eine verschärfte Form von Migräne ist.
Jetzt wiederhole: Lebensfreude.
ZNS = Zentralnervensystem
SSEP = Somatosensibel evozierte Potentiale (Link geht auf wikipedia)
VEP = Visuell evoziertes Potential (Link geht auf wikipedia)


Sonntag, 20. Dezember 2015

Mit Carol ist endlich ein Lesbenfilm im Mainstream-Kino angekommen... Moment!

Es braucht eine Highsmith, einen Haynes, eine Blanchett, eine Mara, damit ein Lesbenfilm einmal ganz großes Kino im Mainstream wird. Es ist diese hochkarätige Mixtur, die diesen Film ermöglichte: die ausgezeichnete Autorin Patricia Highsmith, der ausgezeichnete Regisseur Todd Haynes und die ausgezeichneten Schauspielerinnen Cate Blanchett und Rooney Mara und das gebildete Heteropublikum freut sich, mal einen tollen alternativen Film anschauen zu dürfen.

Zum Inhalt

Es ist Anfang der 50er Jahre. Therese (Rooney Mara) arbeitet über Weihnachten in der Kinderspielabteilung eines Kaufhauses. Eines Tages bedient sie Carol (Cate Blanchett), die sich gerade von ihrem Mann scheiden lassen will und um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpft.

Meine Kritik

Fangen wir mit der vielbeschworenen Visualisierung der 50er Jahre an. Zu sehr verweilte und schwenkte die Kamera auf die Ausstattung der 50er. Jedoch sah alles so aus, als käme es aus der Zeit und ist bis zum Film gealtert: die Tapeten waren vergilbt, die Puppen sahen gebraucht und auch schon 60 Jahre in Aufbewahrung aus. Die Menschen wirkten in ihren Kostümen verkleidet. Die meisten Männer jedenfalls sahen aus, als würden sie nicht in die Wäsche passen und/oder sich nicht darin wohlfühlen.

Sowieso der Stellenwert im Film, der den Männern zukam. Im Buch zeigte Highsmith auch Thereses Bezug zu den Frauen um sie herum. Sie war jung, ohne viel Erfahrung, am Beginn ihrer beruflichen Karriere, aber fähig.
Und sie hatte schon sexuelle Erfahrung gemacht: im Buch wird darüber gesprochen, dass sie mehrfach Sex mit Richard, im Film dargestellt von Jake Lacy, hatte. Richard, der sie heiraten wollte, der mit ihr nach Europa reisen wollte, den sie aber nicht liebte. Die sexuelle Erfahrung war die Folie vor dem die Erfahrung mit Carol lag: alles machte mehr Sinn, traf sie tiefer, was Therese mit Carol erlebte. Schon früh hatte sie für sich festgestellt, dass sie in Carol verliebt ist.
Im Gegensatz zum Buch wurde Therese im Film nur als die Unentschiedene, Unsichere ohne Erfahrung jeglicher Art, sei es beziehungstechnisch oder beruflich, inszeniert. Alle konnten mit ihr machen, was sie wollten. Und es wirkte fast so, als käme der lesbische Sog nur von Carol, nicht auch von ihr.

Der Film schwächelte in der Darstellung der Anziehung beider Frauen. Zwei europäische Filme, die auch in den 50er Jahren spielen: Entre Nous (F, 1983) und Between two women (GB, 2000) zeigen das weibliche Begehren besser und intensiver. Da ist es Haynes nicht gelungen mir, der Lesbe mit so einiger Lesbenfilm-Kuck-Erfahrung, dieses Begehren glaubhaft zu zeigen.

Dennoch stach für mich Mara in der Darstellung der Therese überall positiv hervor. Sie war eine hervorragende Therese. Blanchetts Leistung wurde besonders stark, als Carol ihren Monolog vor den Scheidungsanwälten und ihrem Mann führte und zu sich und ihren Gefühlen für Therese stand.

Und dann der Schluss, die Blicke, die verstehend, fordernd, lächelnd ausgetauscht wurden: es wird ein Happy End. Die Zuschauerin genießt den Moment des kommenden Happy Ends und der Film wird schwarz. Einfach so. Ende. So endet auch das Buch, Carol und Therese sehen sich an und Therese geht auf Carol zu. Aber wir können noch Thereses Statements lesen, dass es immer Carol sein wird, egal wo, egal wie.

Resümee

Endlich nach über 60 Jahren seit Veröffentlichung des Buches "The Price of Salt" von Patricia Highsmith (damals noch unter Pseudonym) und nach 10 Jahren der Filmvorbereitung kam die langerwartete Verfilmung eines Lesbenklassikers heraus. Da schmerzen der Lesbe die Beteuerungen der Macherinnen in den Medien, das Thema sei universal, der Film sei ein Liebes-, KEIN Lesbenfilm.
Das ist eben nicht wahr. Die Geschichte funktioniert nur, weil zwei Frauen sich in einer Zeit ineinander verlieben und begehren, in der es auch für Frauen gesellschaftliche Ächtung und Verluste bedeutete. Im Film verfolgten wir, was Carol alles tun musste, um im Kampf um das Sorgerecht für ihre Tochter doch noch eine Chance zu erhalten: nach der Entdeckung ihrer lesbischen Liebesgeschichte ließ sie Therese los und unterzog sich psychiatrischer Behandlung. Ihre Eigenschaft als gute Mutter wurde von der Umwelt in Frage gestellt. So ein Inhalt kann und muss auch einem Heteropublikum zugemutet werden.

Carol ist ein Lesbenfilm, schaut ihn euch an!

  

Carol
Laufzeit: 1 Std. 58 Min.
Kinostart: 17. Dezember 2015
Regie: Todd Haynes
Mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Mal Seh'n Carol zur L-Film-Nacht

Warten vor dem Filmereignis


Ich bin im Mal Seh'n-Kino und trinke ein großes Glas Rotwein. Fast zu groß und gefällig für meinen Geschmack. Aber so ist die Lokalität: gemütlich und nicht überteuert.
Ich weiß, dass ich auch zu meinen Single-Zeiten hier im Kino war. Vor 100 Jahren. Vor Ewigkeiten.
In knapp einer Stunde geht es los. Wie voll es werden wird, wird sich zeigen.

Carol: die Rezensionen überschlagen sich in positiver Kritik. Carol sei ein Oscar-Anwärter. Carol, der 10 Jahre auf die Fertigstellung des Filmes warten musste. Carol, der Film, dessen Buch vor über 60 Jahren für die Homos, Männer wie Frauen, Leben bedeutete. Alles ist anders. Bemerkenswert war die FAZ-Rezi, die Carol als die Verführerin, die Jägerin beschreibt. Alles geschieht mit Absicht bei ihr. Das arme und viel jüngere Haserl, Therese, hat gar keine Chance gegen sie.

Was die Blicke und die Stimmung in der Carol-Verfilmung angeht, so erinnerten mich die Ausschnitte auf Youtube ganz stark an Entre Nous, der ja leider ohne die Erfüllung durch Sex auskommen muss, aber deshalb erst recht so schön anzusehen ist. Sublimation. Und die Blicke und das Sich-Aneinander-Anlehnen sprechen tausend Bände. Die Stimme der Tochter (Regisseurin) aus dem Off tut der Fantasie ein übriges: die beiden Frauen lebten natürlich zusammen. Es ist kein wirklicher Lesbenfilm, aber äußerst sehenswert für mich als Lesbe.

Was Carol angeht, habe ich nun das Hörbuch auf  CD gebrannt, damit ich damit einschlafen kann. Die Stimme der britischen Sprecherin gefällt mir besser als die amerikanische, obwohl Carol doch in den USA spielt. Ostküste, New York, da ist der amerikanische Slang Zuhause.

Es kommen viele Filmgäste. Ich muss den Wein bald geschafft haben. Es wird, es ist Viertel vor 9.

Getwittert zu diesem Filmereignis















Dienstag, 20. Oktober 2015

Buchmesse 2015: Quickies

Zum Abschluss noch schnell diese kleinen Momente meines Buchmesse-Besuches.

* * *



15 Minuten bei dieser Veranstaltung zum Selfpublishing erhellten mich ungemein:


 
* * *

Das erste Mal zur Buchmesse besuche ich den Pavillon des Gastlandes.



* * *
Ich notierte:
Verstehe grad gar nicht, was die liebe Frau Dini alles erzählt. Weil sie spricht indonesisch und ich habe keinen dieser Kopfhörer für Simultanübersetzungen auf. „Chance auf Glück“ habe ich nun verstanden. Aber das lag daran, dass die Moderatorin deutsch spricht. Aber Frau Dini beeindruckt mich. Durch Selbstlesen sei sie zum Schreiben gekommen. Heute würden junge Autorinnen in ein Workshop gehen, um Schreiben zu lernen.

Frau Dini ist rechts im Bild.
 
* * *
Den Film nahm ich am Mittwoch auf:

Montag, 19. Oktober 2015

Buchmesse Tag 4:
Im Netz zur Lesenacht

Der Samstag ist so ein bisschen mein Buchmesse-Angstgegner. Samstag wird die Teilnehmendeanzahl um das dreifache potenziert. Schon die Tage davor ist die Messe gut gefüllt. Am Wochenende sind plötzlich alle auf den Rolltreppen, den Eingängen, vor den Ständen. Deshalb muss es etwas ganz Großartiges sein, das mich auf das Messegelände lockt. Da ist die Abendveranstaltung im LSKH dann eher ein Heimspiel.

Zwischen Feuilleton und Haul.
Literaturrezensionen 2015

Ich schreibe im Web. Das war mir Anlass genug, mir die tolle Veranstaltung mit den fünf Menschen (Felix Wegener, Wibke Ladwig, Stefan Mesch, Nora Gomringer, Jan Drees) auszuwählen. Ich kann schon resümierend für die Veranstaltung sagen: es macht Sinn im Web zu rezensieren. Nur so können sich Lesende abseits der Literaturwerbung ein Bild von Buch, Comic etc. machen.
 v.l.n.r.: Felix Wegener, Wibke Ladwig, Stefan Mesch, Nora Gomringer, Jan Drees

Es ist schön zu hören, dass das Netz den längeren Atem und längeren Nachklang im Gegensatz zu den anderen Medien habe, bei denen es Wellen gäbe: Mal ist das interessant und wichtig und mal etwas anderes. Im Netz dagegen könnten sogar Uralt-Sachen besprochen werden. Das geht bei den Traditionsmedien nicht.

Diesen Aspekt fand ich spannend: Journalisten würden versuchen, anhand des Buches eine eigene Geschichte zu erzählen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde von Felix Wegener Zettel verteilt. Er bat darauf zu notieren, welches Wort mit der Literaturkritik die einzelnen verbinden. Am Ende kam folgendes heraus: Jan Drees mag die Freiexemplare, die er als Rezensent bekommt. Okay, das ist nicht das Einzige. Weil einher mit den Exemplaren gehe die Verpflichtung zur Rezension. Nora Gomringer mag die Vielstimmigkeit durch das Web und weist darauf hin, wie wichtig auch die Übersetzungsarbeit ist. Sehr häufig würde ja nicht das Original, sondern die Übersetzung gelesen und die müsste ebenfalls literarische Kunst vorweisen. Stefan Mesch sieht sich als Vortester resp. Vorkoster: "Ich lese Bücher, damit ihr diese nicht lesen müsst."

 

Frauenbilder in den Netzmedien.
Orbanism-Dialog

Es gab drei Gründe, diese Veranstaltung zu wählen. Zwei Gründe sind schon im Titel der Veranstaltung enthalten: Frauen und Netz. Der dritte Grund ist Antje Schrupp. Okay. Es gibt in meinem Leben so ein paar Menschen, die können fast alles schreiben resp. sagen, ich kann dem zustimmen. Meistens. Einer ist Paul Watzlawick. (Okay. Ich bin ein Nerd.) Und der andere ist Antje Schrupp.

v.l.n.r.: Antje Schrupp und Christiane Frohmann
Und so konnte ich bei dem Dialog von Christiane Frohmann und Antje Schrupp immer nur bestätigend den Kopf nicken. Beide Frauen sagten so kluge Sachen, z.B. auch zu Selfies: Der Wunsch, sichtbar zu sein, sei ein guter. Es solle mehr Frauenbilder im Web geben, die Frauen selbst machten und einstellen. Das Frauenbild solle nicht den Medien überlassen werden. Es brauche viele Bilder, um das Durchschnittsbild zu erhalten. Und dann aber auch mal mit Absicht das unvorteilhafte Bilder einstellen, um eben nicht den Erwartungen zu entsprechen.

 

Lesbisch-schwule Lesenacht im LSKH

Das ist jetzt ein absolutes Novum, dass ich von diesem Ereignis berichten kann. Nach Jahren der Teilnahme an der Buchmesse brach ich in diesem Jahre das erste Mal meine Tradition der Abstinenz und besuchte meine erste Lesenacht. Und dabei war gleich alles ganz anders: statt im Erdgeschoss, fand die Lesung im ersten Obergeschoss statt. Dort ist die Akustik besser. Was an diesem Abend relativ war, aber darauf komme ich später zurück.
Es lasen folgende Autorinnen und Autoren:

Ina Steg: Alles nur Kulisse
Jan Stressenreuter: Haus voller Wolken
Regina Nössler: Endlich daheim (PDF)
Jannis Plastargias: RotZSchwul
Ulrike Helmer las für Mirjam Müntefering: ANDERS GEHT IMMER
Nach der Halbzeit stand für mich fest, dass ich mir womöglich *uijuijui* das erste Mal absichtlich ein Buch eines schwulen Autors kaufen werde. Der Inhalt von Jan Stressenreuters neuem Buch hat mich sehr berührt. Es geht darin um Alzheimer und was die Krankheit einer langjährigen Beziehung abverlangt.
Ein Büchertisch.
Abspann
Okay, warum war die Veranstaltung im 1. OG und warum war die dortige gute Akustik für mich relativ? Zeitgleich zur Lesenacht, war das Erdgeschoss des LSKH an eine Frau, die eine Geburtstagsfete mit Konzert schmiss, vermietet. Das Lustige dabei war, dass für den Toilettengang stets in den Partyraum runtergegangen werden musste. Macht nicht wirklich Spaß, diese Nebengeräusche bei der Lesung aushalten zu müssen. Deshalb bin ich dann zur Halbzeit der ansonsten sehr schönen Veranstaltung gegangen.

Sonntag, 18. Oktober 2015

Buchmesse Tag 3:
Die Wölfin ruft

Schon Tradition zur Buchmesse hat die Einladung der Ylva-Verlag-Verlegerin, Astrid Ohletz an Freundinnen, Lektorinnen und Autorinnen des Verlags.

Eine Ylva-Leserin.


Ich bewundere sehr die Arbeit der engagierten Frauen in und um den Ylva-Verlag. Alle Beteiligten möchten sehen, dass eine Idee umgesetzt wird, nämlich mehr Wohlfühl-Literatur für Lesben. Der Verlag kann dabei einigen Erfolg vorweisen.


Bücher beispielhaft. Bisher sind 171 Bücher herausgebracht worden. Ylva verlegt Bücher in englischer und in deutscher Sprache.


Samstag, 17. Oktober 2015

Buchmesse Tag 2:
Frauen und Bücher
und BücherFrauen

Nachdem ich mich entschieden hatte, keinerlei Veranstaltungen mit Simultanübersetzung zu besuchen, hatte ich zum Donnerstag plötzlich nur noch zwei Veranstaltungen, die ich besuchen wollte. Wobei die zweite Veranstaltung getauscht wurde mit der Folgeveranstaltung der BücherFrauen.

Indonesische BücherFrauen im Gespräch

Wie fast überall auf der Welt wurde auch auch für die indonesische Buchbranche festgestellt: mehrheitlich arbeiten als "Editor" viele Frauen, aber im Management sind es wieder nur Männer.

Links: Laura Prinsloo, Verlegerin Kesaint Blanc Publishing; Mitte: Moderation: Ziphora Robina, Journalistin; Rechts: Kartini Nurdin, Geschäftsführerin Yayasan Pustaka Obor Indonesia
Das Einkommen in der Buchbranche sei niedrig, deshalb sei es nicht interessant für Frauen. Auf der anderen Seiten könnten deshalb Frauen länger im Unternehmen bleiben. Aber, wie gesagt, sie steigen nicht auf. Es gäbe viele Freundschaften am Arbeitsplatz, deshalb bleiben sie länger, weil sie bei der Arbeit mehr Spaß hätten. Durchschnittliche Verweildauer im Verlag 5 Jahre mindestens. Die Frauen teilen die Leidenschaft für das Thema und die Arbeit.

Frauen würden unterschätzt werden, weil sie Frauen seien. Die Einstellungsvoraussetzung sei Können nicht Herkunft oder Geschlecht beschreibt Laura Prinsloo das Einstellungsvorgehen.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob Frauen einen Vorteil hätten, kam die Antwort von Kartini Nurdin: Sie seien besser im Überzeugen. Es ändere sich viel in Indonesien. Frauen hätten einen großen Anteil daran.

Bücherfrau des Jahres 2015: Frauke Ehlers

Laudatio gespickt mit allen Adjektiven,
die die BücherFrauen
über die Geehrte zu sagen wussten.
Die BücherFrauen feierten ihr 25-jähriges Bestehen. Zuvor zeichneten sie die Bücherfrau des Jahres aus. Ich war platt, was Frauke Ehlers so alles geleistet hatte. Denn ihre Laudatorin, Silke Weniger, erzählte deren ganzen beruflichen und Vereins-Lebenslauf auf.
Frauke Ehlers bedankt sich für die Ehrung.


Eigentlich familiär buchtechnisch vorbelastet, arbeitet Ehlers nicht in der Buchbranche. Dennoch ist sie fast von Beginn bei der Vereinsarbeit mit dabei.  

Weitere Infos:

 

25 Jahre BücherFrauen: Die Party

Wie sich die Frauen des Vereins verhielten, was sie zeigten und taten, führte bei mir dazu, das große Wort Affidamento zu twittern. So stelle ich mir Wertschätzung von Frauen vor. Ich nehme an, dass auch hinter den Kulissen hoffentlich heftigst und ertragreich gestritten wird, aber für mich sah es an diesem Donnerstag so aus, als hätten alle ein Ziel und darauf wird hingearbeitet. Und richtig: Ich kann im Web die Acht Leitsätze finden, auf die sich die BücherFrauen für ihre Arbeit geeinigt haben.

Zum 25. Geburtstag gab es Kuchen und es wurde mit Sekt angestoßen. Ich blieb für ein Glas. Vielen Dank für Einladung.

Weitere Infos:

Freitag, 16. Oktober 2015

Buchmesse Tag 1:
Sklavisches Tabu

Ich hatte mir meine Termine für die Frankfurter Buchmesse 2015 hoffnungsvoll zusammen gestellt. So sollte ich einen guten Plan haben, wie die Messe für mich ablaufen sollte. Dass es dann anders kam, begründet sich auch mit den Erlebnissen des ersten Tages.

Alleine noch auf die Veranstaltung wartend schrieb ich:
Open Stage ist etwas kalt. Ich hoffe, das Gespräch dauert nicht gar zu lang. Auf der Leinwand zeigen sie Vorschauen zu diversen Kinderfilmen. Es tönt laut aus den Lautsprechern. Ich warte auf Sklave des Geschlechts? Ich glaub, bei dem Wetter kommen nicht so viele hier nach draußen. Hab ich schon geschrieben, dass es regnet? Ich bin tough. Sitze hier. Es zieht.
Natürlich.
Es tropft.
Unaufhörlich.
Der Atem bildet Nebel. Außergewöhnlich.
Fein. Ich bin die einzige Hörerin. Und die Presse ist auch da.

Sklave des Geschlechts? Zwischen freiem Willen und genetischer Prägung

Letztendlich waren ein paar mehr Leute da, die sich für das Thema interessierten. Gutmütig geschätzt vielleicht 20 Personen.

Auf dem FR-Panel sollten eine Anthropologin, ein Hirnforscher und eine Transgender-Aktivistin mit Bascha Mika diskutieren. Der Hirnforscher entpuppte sich als Evolutionsbiologe Thomas Junker und die Transgender-Aktivistin war der Travestie-Künstler Jutta P alias Jürgen Peusch („Gerdas Kleine Weltbühne“), die Anthropologin blieb Anthropologin, Ingelore Ebberfeld.  

v.l.n.r.: Bascha Mika, Thomas Junker, Ingelore Ebberfeld und Jutta P alias Jürgen Peusch

Ich höre etwas von Sonderbegabungen der Geschlechter und fremschäme mich unentwegt. (Die wollen akademisch gebildete Leute sein?) Es werden Klischees bedient - hier mal nur dieses eine: Frauen seien für Sprache talentierter und Mathe sei für Männer einfacher. Der Gesellschaftseinfluss wird in der Diskussion immer wieder zurückgedrängt. (Was habe ich mir bei diesem Thema nur gedacht?)

Dann überraschte mich die Anthropologin mit folgendem Statement: wenn schon ein schlechter Mann auf dem Posten säße, so könne das bei einer 50:50-Verteilung auch gern eine schlechte Frau sein. Ich lasse diese Veranstaltung jetzt mal so positiv beendet beschrieben.

Andere und weitere Infos zum Panel finden sich auf fr-online.de: Sexualität lässt sich nicht umstellen


T(r)opical Issues: Women and Taboo

Für diese Veranstaltung durfte ich das Forum mit dem Indonesien-Pavillon aufsuchen. Der Ort war beeindruckend. Für die Veranstaltung selbst wurde ein Kopfhörer für die Simultanübersetzung benötigt. Meiner war leider an einer Seite kaputt, so dass mir die Hörer immer wieder von den Ohren rutschte.

v.l.n.r.: Intan Paramaditha, Oka Rusmini und Moderatorin
 Intan Paramaditha, Autorin von Spinner of Darkness & Other Tales und Oka Rusmini, Autorin von Erdentanz berichten über ihr Schreiben in der indonesischen Gesellschaft.

Das Label „Schriftstellerin“ schränke ein. "Frau" würde mit "Sex" gleichgesetzt. Diese Vorstellung, sie könne nur über Sex schreiben, verhindere, dass unterschiedliche Blickwinkel eingenommen würden. Sie schrieben auch über Genderfragen und Sexualität, Sexualität und Religion.

Am Ende fragt die Moderatorin, ob die beiden Autorinnen auch Diskriminierung, Anfeindungen, Anmache erfahren hätten. Ich hab nicht alles verstanden, aber so im großen und ganzen verneinten sie es. Außer, naja, diese Gleichsetzung von Frau mit Sex. Dann fragt die Moderatorin ins Publikum, ob es noch Fragen gäbe. Woraufhin ein Typ sich meldet. Ein älterer Typ. Spricht indonesisch. Er fängt an kundzutun, dass ja noch im 19. Jahrhundert die Frauen auf Bali barbusig unterwegs gewesen seien. Wie sie sich fühlen würden, wenn sie das heute noch müssten. Oka Rusmini antwortete lange. Leider gab es bei der Simultanübersetzung Probleme, so dass ich nicht genau mitbekam, was sie sagte.

Dann fragte die Moderatorin wieder: Noch Fragen? Dem Typ muss die Antwort nicht wirklich gefallen haben oder er wollte die Frauen noch mehr beschämen und fing wieder das Thema mit der Barbusigkeit an. Diesmal mit neuer Einleitung, heißt anderes Jahrhundert. An den Reaktionen der Autorinnen war abzulesen, dass ihnen das gar nicht gefiel. Aber dann kam von der Erdentanz-Autorin eine geniale Reaktion: Sie werde diese Frage nicht beantworten.

Es war grandios. Genial. Ich würd gern wissen, was durch ihren Kopf gegangen ist, als die Frage schon wieder gestellt wurde. Schließlich hatte sie vorher schon lange und breit geantwortet ohne auf den sexuellen Aspekt oder die Erniedrigung, was der Typ wohl erwartete, einzugehen. In ihrer Antwort ging es um Freiheit. Politik. Selbstbestimmung. Aber nicht um Sex.

Resümee vom Mittwoch, dem ersten Buchmesse-Tag

Draußen geht bei diesem Wetter gar nicht.
Und Kopfhörer mit Simultanübersetzung ist schwer gewöhnungsbedürftig.
Ich habe alle Veranstaltungen, die andeuteten, dass Simultanübersetzung gemacht werden müsste, von meiner Veranstaltungsliste gestrichen.