Seiten

Mittwoch, 18. September 2013

Gedanken zur Frau, die Akzente setzt

Sie war auf Besuch bei ihrer Verwandten in Deutschland.
Im Gespräch kamen wir - ich weiß nicht wie - auf ihren Akzent. Sie hat nun diesen amerikanischen Akzent, den ich von meiner Tante her kenne. Und wieder bekümmert es sie, dass ihr Akzent zu bemerken ist. Dabei ist/ war sie für mich immer die Frau, die Akzente setzte. Es war für mich etwas Positives.

Dieses Moment in ihrem Leben bezüglich Sprache: Sie kam mit 12 nach Deutschland aus einem Land, das durch Krieg zerrüttet war. Natürlich war deutsch dann für sie eine Fremdsprache. Deshalb fühlte sie sich nie in Deutschland heimisch, weil sie nie dazu gehörte: der Akzent kennzeichnete sie.

Sie lernte hier in Deutschland ihren Mann kennen, der aus einem anderen Land ebenfalls nach Deutschland flüchtete. Ihre gemeinsame Sprache ist deutsch, weil auch er deutsch als Fremdsprache einsetzen musste, um mit ihr reden zu können. Jetzt sind beide in Amerika. Ihre Söhne werden vermutlich nur englisch sprechen. Für die Eltern wieder eine Fremdsprache, während die Kinder nun angekommen sind.

Mich hat das Sprachmoment immer fasziniert. Die Brücken der Sprache ermöglichte Kommunikation und setzte so die Akzente in ihrem Leben.

Mich macht es traurig, dass sie unter dieser Akzentuierung leidet. Dieses Gefühl kann ihr niemand nehmen.

Samstag, 27. Juli 2013

Der Besserwissende-Reflex

Am 22. Juli las ich auf Twitter vom Ratschläge-Rant. Das erinnerte mich, dass ich mir mal zu einem ähnlichen Thema etwas notierte.

Ich machte mir am 21.03.2013 Gedanken darüber, dass es bemerkenswert ist, wie versucht wird, Leute, die nicht im Mainstream schwimmen, diese wieder in den Mainstream zurückzuholen.
Persönlich finde ich es dabei spannend, dass dadurch das eigene Verhalten so bleiben kann wie es ist, auch wenn jemand offensichtlich etwas anders tut und damit erfolgreich ist. So erfolgreich, dass nach einem Rat gefragt werden muss. Nur die Antwort gefällt nicht, so dass der Besserwissende-Reflex erscheint:

Sie finden sich überall: eine Person erklärt, dass sie kaum gekochte Speisen zu sich nimmt... Schon wird ihr erklärt, dass mindestens eine warme Mahlzeit am Tag sein müsse.
Eine andere erzählt, sie nutze auch WII für Sport. Einhellig wird festgestellt, dass dies nicht als Sport gezählt werden könne.
Nicht Frühstücken? Das ist natürlich die wichtigste Mahlzeit des Tages!

Das Witzige ist doch, nicht Genaues weiß mensch nicht. Für alles gibt es Pro & Contra. Dennoch... Warum wird so reagiert?
In der Hauptsache dünkt mir eine Abwehrhaltung, damit auch das Behalten der Definitionsmacht.
Es kann nicht angehen, dass die anderen etwas als Sport definieren, was die einen – ungefragt – als Spiel nur sehen.
Es kann nicht sein, dass früstückloses Leben möglich ist. Jedoch ich bin das beste Beispiel dafür. Und nein, ich nehme nicht zu, weil ich später zulange. Eure Fragen nach meinem „Gewichtsgeheimnis“ beweisen das.

Schlussendlich muss das eigene Verhalten nicht hinterfragt werden. Es kann alles so bleiben wie es ist. Was okay ist.

Nur ihre Fragen, bezüglich was andere anders machen, die etwas erreichen, was sie sich wünschen, nerven, wenn sie sowieso alles besser wissen.
Die haben einfach nicht den Mut, so zu sein und zu bleiben, wie sie sind.

* * *

Samstag, 11. Mai 2013

Eure falschen Köder in TV-Serien schluck ich nicht

Hm. Es hat mich sehr bekümmert, dass ich Probleme mit diversen TV-Serien habe - obwohl diese von Lesben so gehyped werden. Da haben wir Mystery mit Warehouse 13 mit H.G. Wells und Myka Bering. Crime mit Rizzoli & Isles mit Jane Rizzoli und Maura Isles. Und es gibt derer noch viel mehr. Die Frauen haben was: Sie sind stark, sie sind hübsch und sie haben eventuell etwas miteinander? Ha! Reingelegt! Ein bisschen lesbischer Subtext tut ja niemand weh!

Warum nur regt es mich so auf? Es ist dieses an der Nase herumführen. Andeuten und dann stehen lassen, was mich nervt. Hit and Run. Ich dachte, wir wären weiter.

Lesbischer Subtext?

Was soll das? Soll da heimliches Schwärmen erleichtert werden?

Subtext hat nie die Intention, dass zwei Charakere einer Serie oder in einem Film oder wo auch immer wirklich lesbisch sind. Es geht viel mehr darum, das Poential der möglichen Romanze zu entdecken ud seiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen.

Quelle: Kommentar von Bianca 14.04.2012 zum Artikel Rizzoli & Isles: Lesbisches Mörder und Poli am TV? auf lesbianchic.ch

Da ich mir denke, dass es für TV-Machende leichter ist, das Lesbische anzudeuten, fragte ich mich, ob es schwulen Subtext in Buddy-Crime-Serien gibt, z.B. Starsky & Hutch oder so. Gab es denn, um wieder zurück zu den Frauen zu kommen, bei Cagney & Lacey einen lesbischen Subtext? Wurde in der Serie damit gespielt? Rein aus der Erinnerung würde ich mal "Nein" behaupten.

Was ist das, was da gerade passiert? Auf Twitter vermutete ich, dass es mit Xena "zufällig", vielleicht noch ohne Absicht anfing.

xena
Ach, es ist doch so erholsam, nicht zwischen den Zeilen lesen zu müssen! Und denke dabei an die neue Krimi-Reihe Die Chefin. Hier gibt es in der Nebenrolle explizit eine Lesbe, die Pathologin Heike Steinbeck. Und dann passierte der Zufall. Ein Begriff schlug ein wie die Bombe, weil er mein Unbehagen beschrieb: Queer baiting! Thinkpunk auf Twitter brachte den Begriff, der mir erst nicht auffiel...
queerbaiting
Dann begann ich das Recherchieren und fand diese schöne Erklärung, die lesbischen Subtext von Queer baiting abgrenzte:
Guys I finally figured out what’s the difference between queer subtext and queer baiting Queer subtext is when actual queer context exists within canon but the narrative plays it down Queer baiting is when queer content DOESN’T exist within canon and yet the narrative plays it up

Quelle: My Whole Life Is Thunder
Übersetzung mit Erläuterung: Leute, ich hab endlich herausgefunden, was der Unterschied zwischen queer Subtext und queer baiting (Ködern/Hetze) ist Queer Subtext ist, wenn tatsächliche queer Kontext vorhanden ist, der innerhalb vom Canon gebracht wird (Anm. i.U.: heißt in der regulären Serie Thema ist), aber die Erzählung spielt es herunter Queer Baiting (Köder/Hetze) ist, wenn der queere Inhalt nicht im Canon existiert und doch die Erzählung es hoch spielt
  Und in allen weiteren Quellen, die ich zu Queer-baiting (Queers ködern) fand, wurde mir mein Unbehagen widergespiegelt. Was es heißt, die Andeutung zu bekommen, aber es wird dir immer wieder "weggenommen". Hier finden sich auch reichlich Beispiele mit "schwulem Subtext", der aber genauso falsch ist, wie der lesbische. Das Ködern funktioniert nicht.

Vielleicht bin ich zu alt, schon zu lange dabei, um mich mit solchen Andeutungen für irgendwelche Serien ködern zu lassen. Bei Serien mit Frauen verärgert es mich sogar sehr.

In manchen der o.g. Links kommt auch Sherlock vor. Und ich muss für mich sagen: Ich fand die Andeutungen eher witzig, weil der Subtext ja unentwegt angesprochen wurde. Es wurde nicht damit gespielt. Und deshalb entzerrte sich für mich die Möglichkeit eines möglichen schwulen Paares.

Aber bei diesen neuen modernen o.g. Serien mit Frauen als Hauptcharakteren nervt mich die Andeutung, die jedoch nicht ausgesprochen wird.
Es nervt.
Weil, wir sind weiter, oder zumindest ich lass mich davon nicht mehr einfangen.

Weitere Ergebnisse meiner Recherchereise im Internet
Queer baiting trivializes queerness. (Anm. Hervorhebung i.U.) By presenting two males and declaring them to be totally straight, yet placing them in situations that only reinforce the idea of queerness belittles those who happily engage in homosexual relationships. The shows who conscious and repeatedly queer bait are telling their audiences that they know this is what they would like to see but under no circumstances will it become a reality because these are two strong, male characters and queerness (specifically, gayness and perceived femininity) would only diminish them. Quelle: mpricexx Project 1: Queer Baiting in Television

Test ist zuerst hier erschienen

Freitag, 29. März 2013

Crisis on Infinite Earths

Hörbücher mit Comicgeschichten seien das Gegenteil von Comics meinte lächelnd eine Freundin über das Vernehmen meines neuen Genusses, Hörspiele, Hörbücher mit Geschichten aus der Comicwelt zu lauschen. Ich war über diese Aussage zuerst irritiert.
Ja, es fehlen die Bilder, die Zeichnungen...
Aber es sind die Geschichten, die mich Comics lesen lassen. Geschichten, die mich von Comics entfernen oder auch wieder nähern lassen.

Also.
 
Die Tage Crisis on Infinite Earths angehört.
Genial gemacht.
Das Comic selbst ist chaotisch. Ja, es ist nachvollziehbar, wohin es gehen soll: Eine Erde, weniger Superheldinnen und -helden. Aber es ist chaotisch.
Das Hörspiel hat die Inhalte sortiert und es auf eine Person - in der Hauptsache - zugeschnitten: Barry Allen, der Flash. Durch diese Fokusierung macht die Geschichte nun mehr Sinn. Es werden bessere Erklärungen gegeben etc. Die Geschichte ist einfach runder. Auch der Schluss wurde dem angepasst.

Es gibt einen auktorialen, also allwissenden Erzähler. Teile der Geschichte werden aus der Sicht von einzelnen Superheldinnen oder auch Superschurken erzählt. Und immer wieder ist Barry Allen dabei, die Geschichte voranzutreiben.
Dass ich Barry Allen persönlich sehr mag, davon erzählt eine andere Geschichte.

crisis-003
Was mir besonders gut bei diesen Hörspielen von GraphicAudio gefällt, ist der Einsatz eines Erzählers. Für das Hörspiel wird sich nicht Wort für Wort an die Comic-Vorlage gehalten. Teile der Comic-Geschichte werden exzerpiert, manche Momente anderen Figuren zugewiesen. Jedoch erfolgt die Bearbeitung immer so, dass die Teile der Geschichten zueinander passen und stimmig werden.
Ich kenne andere Comic-Hörspielproduktionen, z.B. von BBC, die mich eher verwirrten, weil sie zwischendurch nicht erklärten, wo sich die Protagonistinnen gerade befanden.

Für mich waren es sieben Stunden absoluter Hörgenuss.
Und wieder habe ich Zugang zu einem der Crisis-Themen von DC erhalten.


Weitere Infos

Samstag, 22. Januar 2011

Die Ersten werden die Letzten sein - Lesben in der DDR Vortrag von Samirah Kenawi im Lescafé am 16.01.2011

IMG_0451Letzten Sonntag gingen meine Frau, ich und zwei Freundinnen nach langer Zeit mal wieder ins LesCafé in Frankfurt. Es sollte ab 18 Uhr einen Vortrag über die Lesbenbewegung in der DDR geben.

Grübelnder Gedankengang:
Auch sonst scheint das Café eine breitere "Themenvielfalt" bieten zu wollen, so dass es unter Umständen ein netter kultureller Treffpunkt am Sonntagnachmittag für Lesben werden könnte. Was mir persönlich, wenn ich so darüber nachgrübele sehr gefallen würde...


In der Einführung zur Veranstaltung berichtet Karin vom Lesbenarchiv über ihre Internetrecherche zu Lesben und DDR. Sie konnte zu diesem Thema kaum etwas finden, wohingegen Männer, respektive Schwule immer auftauchten. Dabei war sie auf der Suche nach einer Visualisierung des Themas. Letztendlich kreierte sie eigentständig ein Bild, das das Veranstaltungsthema verbildlichte.


Über die Vortragende

Samirah Kenawi berichtete über sich, dass sie aus Ostberlin käme, 1983-1988 in Dresden studiert habe und in Berlin in der Lesben"Bewegung" beteiligt gewesen war. 1988 arbeitete sie in der Frauenbibliothek und baute das Archiv "Grauzone" in Ostberlin auf.

Samirah Kenawi Geb. 1962 in Ostberlin. Ab 1984 in verschiedenen DDR-Frauengruppen und Netzwerken aktiv und nahm im Herbst 1989 an Gründung und Aufbau des Unabhängigen Frauenverband (UFV) teil. Seit 1988 baute sie eine Frauenbibliothek sowie ein Archiv zur ostdeutschen Frauenbewegung auf. Über das Archiv Grauzone – die umfassendste Sammlung zur DDR-Frauenbewegung – veröffentlichte sie mehrere Artikel sowie eine Dokumentation und ein Bestandsverzeichnis. Quelle: boell-sachsen-anhalt.de
Vortrag

IMG_0438Plakativ eröffnete Samirah Kenawi ihren Vortrag über die Anfänge der Lesbenbewegung in der DDR, dass diese im Dunkeln lägen.

Es gab keine Vereine. Veranstaltungen, Feiern geschahen privat in Gaststätten. Einladungen wurden im Postkartenformat auf Fotopapier verteilt. Denn die Fototechnik war die einzige Möglichkeit, zu vervielfältigen. Es gab keine Kopierer, die genutzt werden konnten.

1982 war das Jahr des Aufbruchs. Die evangelische Akademie Brandenburg arbeitete über das Thema "Homosexualität ein Tabu".

Homosexualität und Kirche

Warum es in der DDR die Besonderheit gab, sich unter dem Dach der Kirche zu treffen, hatte u.a. mit dem besonderen Verhältnis der Kirche zum Staat zu tun: 1976 verbrannte sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz selbst in der Öffentlichkeit. Am 6. März 1978 kam es zum Grundsatzgespräch von Staat und Kirche, mit dem Ergebnis, mehr Freiheiten für die Kirchenmitarbeiter zu gewähren: Versammlungen ohne staatliche Genehmigung, Reisefreiheiten für Kirchenmitglieder, Bücher für den innerkirchlichen Dienstgebrauch u.a..
So wurden Treffen von Gruppen unter dem Dach der Kirche möglich ohne staatliche Anmeldung. Zuvor mussten alle Veranstaltungen staatliche angemeldet werden.

So sind viele Lesben, obwohl sie nicht gläubig waren, durch ihr Lesbischsein in die Kirche geraten.

... in Bewegung

Die Frauen trafen sich mit unterschiedlichen Weggefährten, es kein starer Separatismus. Auch war die Möglichkeit sich zu treffen nicht so groß. Es gab gemischte Arbeitskreise von Schwulen und Lesben. Es gab immer Kompromisse, die geschlossen werden musst.

IMG_0504

In Berlin 1983 wurde ein Raum gemeinsam für Lesben und Schwule zur Verfügung gestellt. So wurde vereinbart, ein Abend mit Schwulen- und der der nächste Abend mit Lesbenthemen im Wechsel zu verbringen. Der erste Abend gehörte den Schwulen und sie berichteten von ihren Probleme. Dann am Lesbenabend hatten die Schwulen viel über das Thema zu sagen. Die Lesben kamen kaum zu Wort. Deshalb wollten die Lesben getrennte Veranstaltungen.

1985 gab es in Dresden ein Lesbentreffen. Es wurde die Bezeichnung Frauenfest gewählt, um die Schwelle zu senken, daran teilzunehmen. Es kamen über 100 Frauen, wo sonst nur bis ca. 10 Lesben sich versammelten. Die Veranstaltungsräume waren in der evangelischen Kirche. Hierzu wurde ein Pfarrer benötigt, der die Kirche zur Verfügung stellt und den Mut hat, die Verantwortung gegenüber der Kirchenleitung zu übernehmen. Denn die Institution Kirche war nicht plötzlich homophil geworden!

Kinderbetreuung

Bei den Veranstaltungen, waren Kinder auch immer dabei. Es war selbstverständlich, dass Frau Kind hatte. Erklärungsbedürftig war eher das Gegenteil. Und so war die Kinderbetreuung auch immer mit organisiert.

Selbstorganisiert und selbstfinanziert

Geld spielte in der Lesbenbewegung der DDR keine Rolle. Alles war selbst finanziert und organisiert. Die Vorträge wurden ehrenamtlich gehalten. Die Teilnahmegebühr betrug zwischen 10-15 Mark. Damit war Wochenende einschließlich Essen finanziert.

Das Wochenende wurde mit Programm gestaltet. Es gab Gruppen zu den unterschiedlichsten Themen, abends Feste mit Veranstaltungen (Konzerte etc.), und Tanzen.

Die Frauenfeste hatten übergreifende Themen. 1985 wurde zu "Lesbische Liebe in der Literatur" gearbeitet, 1986 gab es das Thema "Frau zwischen Job und Selbstverwirklichung" und 1987: Macht in Beziehungen. (Gewalt gegen Frauen) Durch die letzte Veranstaltung wurden 1989 Frauenhäuser in DDR gegründet. Vorher gab es nur ein "Haus Lebenshilfe" von der Caritas.

Bewegung außerhalb der Kirche

Neben der Kirche tat sich eine Lesbenbewegung auf, in der die älteren Frauen zu finden waren. Es gab Frauengruppentreffen zu Pfingsten in Jena. Diese waren hervorgegangen aus Frauentreffen für den Frieden.

Es entstanden eigene Netzwerke ab 1984. Denn sie stellten fest, dass es besser ohne Männer geht. Eigene Ideen konnten entwickelt werden. Es wurde sich gegenseitig zugehört.

Die Treffen mit ca. 200 Frauen fanden jeweils in einer anderen Stadt statt. Es beteiligten sich "alle möglichen Frauen".

Das "Mitarbeitertreffen Arbeitskreis Homosexualität" arbeitete mit den Schwulen zusammen. Sie mieteten, um sich sichtbar zu werden, eine Straßenbahn und machten eine Rundfahrt.

Es gab eine Lesbenwerkstatt 1988 in Dresden.

Dies kann alles als Versuch gewertet werden, auch außerhalb der Kirche sichtbar zu werden.

Die Fahrt nach Ravensbrück

Die Berliner Lesbengruppe traf sich ganzjährig. Für das Thema Sichtbarwerden planten 1984 sie eine Fahrt nach Ravensbrück, dort in der Gedenkstätte des KZ an einer Führung teilzunehmen und einen Kranz niederzulegen. Sie ließen in einem Blumenladen einen Kranz anfertigen mit einer Schleife "Wir ehren die homosexuellen Opfer des Faschismus". Die Situation brachte es mit sich, dass dies noch nie gemacht worden war und deshalb auch nicht verboten war. Im KZ erhielten sie auch eine Führung.

Später stellten sie fest, dass dort, wo der Kranz niedergelegt worden war, ein Loch prankte. Deshalb beschwerten sich die Frauen beim Ministerium der Kultur. Im April kam die Einladung zu einem Gespräch. Im August sollte das Gespräch im Staatssekretariat für Kirchenfragen stattfinden. Eine Frau war eingeladen worden; sechs Frauen gingen hin und ein Pfarrer. Dies wurde als Bedrohung für den Staat angedeutet, denn sie waren kein Verein und agierten außerhalb der Kirche als Gruppe. Kenawi wies darauf hin, dass auch kleine Gruppen Eindruck schinden konnten. Und so wiesen die Frauen darauf 1984 hin, dass sie als Lesben auch Rechte haben. Beschwichtigend wurde zurückgegeben, dass sich um die Angelegenheit gekümmert werde.

Und so fuhren die Frauen 1985 wieder nach Ravensbrück. Diesmal zum offiziellen 40. Jahrestag der Befreiung, an dem auch internationales Publikum anwesend sein würde. Sie hatten wieder Kranz bestellt mit Schleife. Doch diesmal wurde die Gruppe von der observiert. Die Läden wurden darauf hingewiesen, dass wenn ein Kranz bestellt würde, sollte dies gemeldet werden. Der Bahnhof wurde wegen der 11 Frauen abgesperrt. In der Polytechnische Oberschule - POS wurden sie verhört. Sie erhielten die strikte Auflage nicht ins KZ zu fahren.

1986 fuhren die Frauen wieder hin, um einen Kranz niederzulegen. Sie wurden von unauffälligen Männer begleitet.

Die Einheit naht...

Am 30.04.1989 gab es ein Frauenfest im Haus der jungen Talente in Berlin. In Jena trafen sich die Koordinierungsgruppen für die Themen, die dezentral organisiert wurden. Seit dem 9. September 1989 bewegte das Land schon riesige Ausreisewellen.

Noch am 2. Dezember 1989 trafen sich Frauen.

... und für die Handlungsmöglichkeiten...

Seit 1989 durften Frauenvereine gegründet werden, diese waren mit Formalismus beschäftigt. Es wurde mehr abgrenzt, als auf Gemeinsamkeit gesetzt. Das Profilieren wurde wichtiger. Die DDR-Frauen waren es gewohnt, akzeptable Verhandlungsvorschläge gegenüber Behörden zu bringen. Wohingegen im Westen stets mit Extremforderungen gearbeitet wurde. Dieses Anders-agieren-müssen, respektive das endlos reagieren, rieb die Frauen auf.

Die Lesben in der DDR waren andere politische Strategien gewohnt. Wichtig war immer die Sachebene. Es gab direkte Ansprechpersonen. Im Westen wurde vieles auf die Formalebene abgeschoben und wurden so zu Zeitfressern. Die Bedeutung der Medien wurde verkannt, denn zu DDR-Zeiten, brauchte frau nicht um die Presse kümmern. Und die "Stasi kam sowieso".

... keine Zeit mehr

Die Frage, ob sie durch die Wiedervereinigung Trauer verspürt habe, beantwortete Kenawi damit, dass sie zuerst das Scheitern der Utopie verkraften musste. Und dass sie den Verlust von Bewegung betrauerte. Damals gab es das Gefühl, Zeit zu haben für gesellschaftliche Veränderung. Dann kam kam die schnelllebige Zeit... Dennoch mochte sie die Erfahrung nicht missen. Frauen waren meist die Vorkämpferinnen; als dann die erste Veröffentlichung zu Homosexualität herauskam, wurde meist über Schwule und nur ein bisschen zu Lesben geschrieben.


Weiterführende Infos
  • Samirah Kenawi: Frauengruppen in der DDR der 80er Jahre. Eine Dokumentation, Berlin 1995
  • Ursula Sillge: Un-Sichtbare Frauen. Lesben und ihre Emanzipation in der DDR, Berlin 1991
  • Gabriele Dennert, Christiane Leidinger, Franziska Rauchut (Hg.): In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben, Berlin 207
  • Filmdokumentation Warum wir so gefährlich waren, Webseite
  • gigi-online.de Spuren zu Denkmälern
  • lescafe-ffm.blogspot.com Eine ganz persönliche Meinung zu dem Vortrag von Samirah Kenawi
  •   Vorreiterrolle der Ausdifferenzierung lesbischer Gruppen bildete die (kirchliche) "Homosexuelle Selbsthilfe" in Berlin, von der sich die Gruppe "Lesben in der Kirche" abspaltete. Für die weitere Entwicklung war ebenfalls die Gründung einer Lesbengruppe innerhalb des Dresdner kirchlichen Arbeitskreises Homosexualität bedeutsam. Diese organisierte von 1985 bis 1987 jährlich ein Dresdner Frauenfest, zu dem bald auch Frauengruppen im allgemeinen eingeladen wurden. Die Herausbildung eigener lesbischer Gruppen war gleichzeitig Ausdruck der Entwicklung eines eigenen lesbischen Bewusstseins, wie es hierzu wiederum beitrug. Die Tatsache, dass auch allgemeine Frauengruppen an den Treffen teilnahmen und am letzten Treffen sogar organisatorisch beteiligt waren, verweist auf den darüber hinaus reichenden Sachverhalt, dass beide Strömungen, Lesben und nicht-lesbische Bewegungsfrauen, miteinander verwoben waren, durch Netzwerke ebenso wie durch gemeinsame Aktivitäten (Kenawi 1995: 31).

    All diese Erfahrungen beförderten die Emanzipation der Lesben in der Weise, dass sich ab Ende der 80er Jahre eigenständige Lesbengruppen herausbildeten. Vermutlich noch stärker wirkten gruppendynamische Erfahrungen in den schwul-lesbisch gemischten Gruppen:
    „Zu Beginn war unser Kreis noch gemischt, also Lesben und Schwule gemeinsam. Doch nach dem dritten Abend zu einem Lesben-Thema, bei dem die Schwulen in der Diskussion über uns Lesben voll das Wort an sich rissen, bestanden wir auf der Trennung“ (Marika
    Körzendörfer zitiert in Hampele 2000: 51).
    Im Rahmen dieses Abnabelungsprozesse wurde z.B. in Jena eine Gruppe gegründet, die darüber hinaus auch der Rundbrief „Frau anders“ herausgegeben wurde. Andere Gruppen organisierten Lesbenwerkstätten, Feste und Workshops. Qua Arbeitsweise kann man die Lesbengruppen mit den Homosexuellengruppen vergleichen. So wurden thematische Abende zu unterschiedlichen Schwerpunkten veranstaltet. Künstlerinnen wurden eingeladen, Lesungen gehalten. Dabei hat sich abgezeichnet, dass manche Gruppen sich an einer gesellschaftlichen Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Beziehungen orientierten, während sich andere als unabhängig verstanden (Hampele 1990: 9):
    „Wir [...] beschränkten unsere Kritik nicht allein auf den Wunsch nach punktuellen gesetzlichen Veränderungen, die uns lediglich den Heterosexuellen in ihren Zwängen gleichstellt. Infragegestellt wurden von uns die patriarchalen Strukturen, die in der DDR trotz 40 Jahre gesetzlich festgeschriebener Gleichberechtigung der Frau noch weiterhin die Beziehung sowohl zwischen den Geschlechtern, als auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft bestimmen.“ (zitiert in Kenawi 1995: 32).
    Erstere Gruppen tendierten dazu, sich in schwul-lesbisch gemischter Form zu treffen, während die Gruppen des zweiten Typs rein weiblich waren.

    Quelle: Diplomarbeit DEMOBILISIERUNG SOZIALER BEWEGUNGEN von Jochen Kleres, 05. März 2002 Seite S. 67f.

Update 03.12.2011

DDR unterm Regenbogen RBB 01.10.2011 Die Dokumentation bietet einen Rückblick auf lesbisch-schwule Geschichte in der DDR und erzählt von Nischen und Ressentiments in der sozialistischen Gesellschaft. Zur Dokumentation Playlist.

Update 6. Mai 2015

Video Lesbische Frauen im Visier der Stasi

Donnerstag, 21. Mai 2009

Frigga Haug: Das Sexuelle und das Politische - ein Zusammenhang in Bewegung -

IMG_8342-frigga-haug-vortra
Die Organisatorinnen
und Frigga Haug
Am Freitag 15.05.2009 sprach Frigga Haug im Rahmen DenkRÄUMEDenkRÄUME ist eine neue Veranstaltungsreihe im EVAngelischen Frauenbegegnungszentrum, Frankfurt/Main. Frauen sind eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu denken. Bekannte feministische Vordenkerinnen halten Referate und danach gibt es Gelegenheit zum Austausch. über „Das Sexuelle und das Politische“. Eli Wolf, Pfarrerin und verantwortlich für den Veranstaltungsort EVA, führte in die Veranstaltung ein und berichtet, dass DenkRÄUME aus einer Idee von Sylvia und Konny entstanden sei.

 
Und ich kann euch sagen, das war ein echtes Zuckerle, was Sylvia und Konny uns diesmal ermöglichten.

Der Vortrag von Frigga Haug

Frigga Haug spricht frei und nur anhand von Notizen. Die ganze Zeit über fühlte ich mich, als könnte die Situation in einem gemütlichen Wohnzimmer vor prasselndem Kamin stattfinden, bei dem Frau Haug von Erlebnissen und Überzeugungen berichtete.

Montag, 4. Juli 2005

Kerridwen

Der Name Kerridwen, die die Hüterin des Kessels der Inspiration und Wissenschaft ist, tauchte durch Zufall auf. War nicht von mir gesucht. Empfand ihn aber in seiner Bedeutung sehr passend: Starke Frau, Wissenschaft, Inspiration.

In einem Episoden-Mystery-Film gab es die Geschichte von einem amerikanischen Forscher, der eine Moorleiche aus Irland zugesandt erhielt. Dieser Forscher war ein Arsch – und/oder netter ausgedrückt: hatte eine andere Auffassung von Beziehung. Er führte gleichzeitig mit einer weiteren Wissenschaftlerin eine offiziell bekannte Beziehung und mit seiner Assistentin eine inoffizielle.

Okay. Was gefiel mir an dieser Geschichte? Die vier waren zusammen im Museum eingeschlossen. Natürlich wurde die Moorleiche „lebendig“. Erst war sie die Gegnerin der drei wirklich Lebendigen. Dann passierte das „Unheimliche“: Die Frauen verbündeten sich gegen den Mann, der zu guter Letzt ermordet wurde. Zum Schluss lag er als Moorleiche im Kasten. Die ursprüngliche Leiche war jetzt eine wunderschöne Frau.

Ah, ja, natürlich wurde zu Beginn der Geschichte mit Begeisterung davon erzählt, dass es sich bei der Moorleiche um Cherridwen, einer alten keltischen Priesterin handeln soll.
Jahrelang habe ich gesucht wie die Serie heißt, aus der ich diese Episode fand.

Nun habe ich es endlich:
Monsters
Folge 36 „Museums Hearts“ (dt. „Ein Herz für Hexen“)
Regie: Ted Gershuny
Darsteller: Sarah Trigger, Louise Roberts, Patrick Breen
ausgestrahlt wurde die Folge auf RTL am 12.04.1994

Update 31.05.2012 Gefunden:
Youtube Monsters museums hearts Season 2 Episode 12 Part 1
Youtube Museum Hearts Season 2 Episode 12 Part 2
imdb.com Reviews & Ratings for „Monsters“ Museum Hearts (1990)