Seiten

Mittwoch, 22. Juni 2016

Die anderen sind egal. Das ist egal.

Mein Tagebucheintrag vom 20. Juni 2016 der sich mit der Welt, in der ich lebe beschäftigt:


Ach ja, was habe ich mich gefreut, erfahren zu haben, dass die meisten Lügen von der AfD kommen und dies in der Person von Frauke Petry. 
Aber das ist egal. 
Ihnen ist es egal, wenn sie der Lüge überführt werden. Weil sie bestimmen die Vorgaben, die Richtung. Unsere Presse hat in der Aufklärungsarbeit zu Beginn/beim Aufstieg gnadenlos versagt. Und auch die Politik hat versagt. Sie wissen selbst nicht, was sie tun. 

Politik, eine Partei ist eine Glaubensgemeinschaft. Ihnen ist es egal, was draußen die Welt von ihnen denken, solange es intern stimmt. Die Ziele stimmen. Manche Ziele sind wohlfein abgestimmt. Natürlich will die Partei die Wirtschaft hinter sich wissen. Also wird der Klimawandel geleugnet, was für viele Unternehmen Vorteile bringen würde. Umweltverschmutzung wird gleich dazu gestellt. Schon haben sie die Chemie- und die Energieunternehmen auf ihrer Seite. Vielleicht auch die Automobilbranche. 
Es heißt immer, folge der Spur des Geldes. 
Verwirre den Geist der Anhänger. 
Male schöne Bilder der Zukunft und finde Schuldige, die in der Hölle braten sollen. 
Die Kirchen haben es vorgemacht. Die Parteien brauchen nur Geschichtsunterricht zu nehmen. Und was wahr ist, bestimmen sowieso hinterher die SIEGER. Deshalb ist es für faschistische Parteien so wichtig die Intelligenz zu diskreditieren.Weil sie das Gewissen des Volkes auslöschen wollen. Es soll alles nur nach Gefühl gerichtet werden. Wenn du weiß, männlich und hetero bist, dann brauchst du keine Angst zu haben. Wenn du weiß, weiblich, hetero und die Vorherrschaft des männlichen Geschlechts anerkennst, dann brauchst du dich auch nicht zu fürchten. Wir wollen nur das Degenerierte aus dem Volkskörper fernhalten und entfernen. So funktioniert das doch? 

Die Partei ist eine Glaubensgemeinschaft. Sie geben sich ein Glaubensbekenntnis. Es ist egal, was draußen die Leute denken. Wenn wir massig genug sind, bestimmen wir die Wahrheit. Und die Presse und die Politik hat versagt. Das kommt davon, wenn der Volkswirtschaft zuviel Definitionsmacht gegeben wird und die Politik den Menschen aus den Augen verloren hat. Genau das ist passiert, als ausgerechnet die SPD die Agenda 2010 auf den Weg brachte. Sie vergrößerte die Schere in der Gesellschaft. Schürte Existensängste. Die CDU hat nix dagegen unternommen als sie an die Macht kam. Eher hat sie die Weisen verbessert, um die Menschen noch mehr in Lager zu teilen. Wenn schon MillionärInnen glauben, dass sie auf der Straße landen könnten, dann ist etwas verdammt schief gelaufen. 
Und die Presse hat ebenfalls den Weg des Konsums eingeschlagen. Es zählt nur noch die Klick- und die Kaufrate. Nicht mehr die Aufklärung und die Nachricht. "Kauf mich" ist das Credo. Und die Leute, die engagiert sind, werden überrollt, prekär bezahlt und durch Willigere ersetzt. Der Glaube an die VWL hat die Misere eingebracht. Es wurden keine menschliche Ideale gefördert – außer beim Fußball „Wir sind Weltmeister“, oder Papst „Wir sind Papst!“. 

Gibt es eine Lösung? Einen Lichtblick? Auf jeden Fall darf nicht auf die AfD geschaut werden. Weil sie hat die Männer hinter sich gescharrt, die sich in dieser Gesellschaft als die Verlierer fühlen und nun ihren Teil des Kuchens abhaben möchten. Und den Frauen hat sie genug Angst eingeredet, dass die die freundlichen Bilder der Partei begrüßen. 

Warum will die AfD die ÖffentlichRechtlichen privatisieren? Weil damit deren Unabhängigkeit verloren geht. Sie sind dann von Einschaltquoten abhängig. Ein kleiner Rest noch als Staatsfernsehen, besser wird eine freie Meinungsfindung nicht unterbunden. (Obwohl hier die ÖR schon selbst die beste Arbeit leisten, weil sie sich den Privaten anpassen und nach Quoten schauen.) So wird das mit der gleichgeschaltenen Gesellschaft. Die AfD muss eigentlich gar nicht viel tun. Die Wirtschaft will billigst Arbeitskräfte und willige Konsumenten. Die einzig Freien haben sich dem Konsumverhalten schon angepasst. Und der Gesellschaft ist Wissensbildung schon lange nicht mehr wichtig und (bezahlens)wert. Sie will nur noch unterhalten werden. Wir sind auf einem guten Weg. 

Die AfD braucht keinen Plan. Sie braucht nur genügend Leute, die sie an die Macht wählen. Schaut euch Polen, Ungarn und die Türkei an, wie gut das funktioniert. 

* * *

Diese beiden Links haben mit dem obigen Thema eigentlich nichts zu tun, aber sie haben mir später ein Lächeln ins Gesicht gezaubert: 


* * *
Update 24.06.2016
Diesen Artikel vom 23.06.2016 muss ich geträumt, geahnt etc. haben. Folgt im Prinzip meiner Darstellung im Tagebuch-Eintrag:

* * *

Ob die Brexit-Situation zum Aufwachen führt? Gebraucht werden Visionen und Ideale. Und der Mensch sollte im Mittelpunkt politischen Denkens stehen.

Donnerstag, 16. Juni 2016

14.06.16 Mahnwache für die Opfer von Orlando in Frankfurt

Unterdessen habe ich nur Angst, wenn ich - auch in Deutschland - mit Regenbogenfähnchen allein die Straße langlaufe.

Frankfurter Engel
Ich bin dann sichtbar.
Angreifbar.
Allein.
In der Masse...? In der Szene? Bin ich dort geschützt?
Die Angst bleibt. Nach dem letzten Wochenende erst recht.
Trotzdem nahm ich am Dienstag an der Mahnwache für die Opfer von Orlando teil.

Weil es wichtig ist.

* * *


Die Namen der Opfer werden verlesen.


 
Das Lied "We shall overcome" wird angestimmt. Wir stehen um den Engel und halten eine Kerze.
Manche schweigen betroffen.
Auch ich.





Luftballons, an denen Zettel mit den Namen der Opfer befestigt sind, werden steigen gelassen.




Danach bewegt sich langsam die Menge zum Engel, um dort Kerze und Blume nieder zu legen.


























* * *
Weitere Infos:




Montag, 13. Juni 2016

Selbstgerechtes

Nach dem Aufstehen ins Tagebuch geschrieben:

Die Nachrichten sind gruselig. Das Wetter regnerisch. Die Leute kurzsichtig. Ich ängstlich. Wie wird das alles werden? Wo wird das alles enden? Warum werden wir so gehasst?
Orlando. 50 Tote in einer Gay-Bar. Schwule und Lesben waren das Ziel des Anschlags. Eines Idioten. Eines Fanatikers. Eines Mannes, der es nicht ertrug, dass alle glücklich sind und feiern. Das Glück der anderen ist ein Dorn im Auge der Selbstgerechten. 

Ich verstehe es nicht. Sie haben sich doch selbst ihre selbstgerechten Regeln gemacht? Aber anscheinend können sie diese Fesseln an Regeln nur ertragen, wenn ALLE sich daran halten. Dann spüren sie die Fesseln nicht mehr. 
Ich kann nicht ertragen, dass du frei bist, wenn ich mich an tausend Gebote und Verbote halten muss.
PÄNG!

Samstag, 11. Juni 2016

Von den 50er Jahre und 60er Jahre Mitte der 90er berichtet

Was habe ich da denn gefunden? Zwei übriggebliebene Kapitel einer längst vergessenen Zeit - in vielerlei Hinsicht. Vergessen für die Frauen in der Gegenwart und vergessen für die Autorin der Vergangenheit.
Und so las ich etwas über die 50er und 60er. Der Text ist krumm geschrieben, aber die Autorin hat mit Mühe in den 90ern studiert. So.

2.1. 50er Jahre
"Als unverheiratete Frau war man nur ein halber Mensch."
(Meyer, S. 92)
Sieben Millionen Frauen in Deutschland hatten ihren Mann durch den II. Weltkrieg verloren oder sie fanden aufgrund des 'Männermangels' keinen Ehepartner. Ein Drittel aller West-Berliner Haushalte hatte keinen männlichen 'Haushaltsvorstand'. (Meyer, S. 92)
Mit der Rückkehr der Männer wurden die Frauen in verheiratete und alleinstehende aufgeteilt.

"Der Begriff 'alleinstehend' kennzeichnet heute wie damals Frauen, die ohne Mann leben, das heißt, entweder ihren Mann verloren hatten, keinen Partner finden oder nicht heiraten wollten." (Meyer, S. 92)
Im Rahmen der 'Normalisierung' der Verhältnisse konnte definiert und festgeschrieben werden, was 'nicht normal' war. Die in den letzten Kriegsjahren gegründeten Frauenhaushalte wurden Notlösung genannt. Viele Wohnungen waren im Krieg zerstört worden, so daß die Frauen zusammenzogen. Diese Wohnraumnot dauerte in den 50er Jahren noch an.

"Noch 1950 lebte die Hälfte aller Haushalte in Berlin (West) in Untermietverhältnissen und auch 1955 gab es noch immer Notunterkünfte."
(Meyer, S. 95)
Die Frauengemeinschaften wurden 'minderwertig' genannt und waren vor allem 'wenig erstrebenswert'.

"Was vorher kollektives Schicksal einer überwiegenden Mehrheit von Frauen war, wurde nun zum Anlaß der Ausgrenzung und später zunehmenden Diskriminierung derer, die allein, d. h. Witwe oder unverheiratet waren und blieben." (Meyer, S. 97)
Die Frauen litten unter den 'spezifischen Diskriminierungen' ihrer Lebensform als Alleinstehende. Meist waren es nur "kleine Unachtsamkeiten" (Meyer, S. 98), die die Lebensfreude einschränkten.

"(A)lleinstehenden Frauen (wurde) ohne männlichen Begleiter das Betreten von Restaurants erschwert. Diese sexistische Ausgrenzung war noch bis weit in die 60er Jahre hinein üblich." (Meyer, S. 98)
Zu Beginn der 50er Jahre verlor das 'Hamstern' und der Tausch von und mit Waren, womit die Frauen ihren Lebensunterhalt sicherten, an Bedeutung. Der Geldwert stabilisierte sich. Die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt nahm für viele Frauen bedrohliche Formen an. Bei der Stellenbesetzung wurden in den späten 40er und frühen 50er Jahren Kriegsheimkehrer bevorzugt. Die Frauen erhielten 1/3 des Lohnes der Männer. Das Risiko, arbeitslos zu werden, war für Frauen groß und bedeutete finanzielle Not nicht nur für die 'Alleinstehenden'. Eine Entlassung traf auch ihre Angehörigen, da die alleinstehenden Frauen meist nicht 'allein' waren, sondern Kinder, Eltern oder Verwandte mitzuversorgen hatten.
Diese Lebenssituation bewirkte bei den Frauen und Mädchen, daß für sie Ausbildung und Berufstätigkeit zur Selbstverständlichkeit wurde, auch wenn sie diese nur als eine 'Übergangsphase' sahen. Das wachsende Angebot an Frauenarbeitsplätzen wirkte ebenso mit wie die "Erfahrung der Mütter im Krieg, daß eine Ehe letztlich doch keine sichere Lebensperspektive bot." (Pallowski, S. 29) Aufgrund dieser - durch die Not verursachte Selbständigkeit der Frau - ließen sich viele Frauen nicht mehr so einfach in die klassischen Frauenrollen bzw. an den heimischen Herd zurückdrängen. Auch die Mädchen, die in diesen Familien ohne männlichen Haushaltsvorstand aufwuchsen, wurden nicht auf die Unterordnung unter den Mann hin erzogen, "und es konnte kaum ausbleiben, daß sich bei ihnen der Blick für patriarchalische Verhaltensweisen schärfte." (Pallowski, S. 28)
Die 'Männerlosigkeit' der Lesben fiel in den 50er Jahren zwar nicht auf, die spezifische Diskriminierung der alleinstehenden Frau traf sie ebenso; aber zusätzlich wurden sie zu sexuellen Monstern degradiert. In einer Broschüre, die 1951 in tausendfacher Auflage kostenlos verteilt wurde, forderte der Autor die Kriminalisierung der lesbischen Liebe: "'Und lesbische Liebe ist strafwürdig; deren Straflosigkeit ist inkonsequent!'" (Böhmer, S. 239) Der in der Nazi-Zeit noch verschärfte §175 galt nur für homosexuelle Männer. Die Stigmatisierung wirkte sich aber auch für die Frauen aus (Böhmer, S. 239).
Eine "(b)ekanntgewordene Homosexualität war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ein Entlassungsgrund, selbst ein Gang zum Arbeitsgericht half nicht." (Böhmer, S. 239)
Die Wissenschaft in Deutschland tat sich schwer mit der objektiven Untersuchung der lesbischen Liebe. Die Untersuchungen waren von den Vorurteilen der meist männlichen Wissenschaftler geprägt. Titel wie 'Die Kriminalität der lesbischen Frau' von Prof. Dr. Hans von Hentig (1959) ließen nichts Gutes ahnen. Die Kinsey-Reporte 'Das sexuelle Verhalten des Mannes' (amerik. 1948) und 'Das sexuelle Verhalten der Frau' (amerik. 1953) wurden in der deutschen Fachöffentlichkeit abgelehnt (Kokula, S. 119). Diese Kinsey-Reporte bestätigten in gewisser Hinsicht die 'Normalität' der lesbischen Frau. Es wurde nicht über Monstrositäten berichtet und von den Frauen verlangt, in Therapie zu gehen oder anderweitig sich kurieren zu lassen (Kokula, S. 119).
Das Leben der Lesben war durch 'Privatheit' geprägt. Die meisten Frauen 'organisierten' sich in Cliquen, die häufig schon in der Weimarer Zeit gebildet wurden. Die Aufnahme fand nur über persönliche Kontakte statt. Meist waren es ältere Frauen, die sich so zusammen fanden. Lesben, die keinen Zugang in diese Cliquen fanden, mußten 'Herumexperimentieren', um eine Freundin zu finden. Die Frauenlokale waren in den sog. Rotlichtdistrikten einer Stadt angesiedelt, dies war für ein starkes Selbstbewußtsein nicht gerade förderlich. (Kokula, S. 110)

2.2. Die 60er Jahre


Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde in den 60er Jahren vielseitig diskutiert. Das bedrohte Ansehen der Nur-Hausfrau sollte angehoben werden. Im Bericht über die Situation der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft vom September 1966 wird die Vielfältigkeit im Haushalt angesprochen und die damit verbundene Berufung der Frauen:
"Angesichts der Vielfalt geistiger und körperlicher Leistungen, die von der Hausfrau verlangt werden, erscheint es nicht verwunderlich, wenn demoskopische Untersuchungen ergeben haben, daß auch heute noch die Mehrzahl aller Frauen ihre Tätigkeit in Haushalt und Familie als Lebensaufgabe und Berufung verstehen..." (Langer, S. 113)
Elisabeth Pfeil stellt in ihrer Untersuchung fest, daß die
"Identifikation mit der Rolle der Familienmutter (...) vollkommen (ist); diese Frauen haben das Gefühl, ihr eigenstes Wesen darzulegen, wenn sie sich entsprechend der gesellschaftlichen Rollenerwartung verhalten, (...)." (Langer, S. 116)
Schöngeredet wird die Last der Haushaltführung mit einem innerfamiliären Matriarchat, das aber empirisch nicht zu finden war. (Langer, S. 128) Die Ehefrauen konnten höchsten 'bei größeren Einkäufen' mitbestimmen.
"Das wirtschaftliche und geltungsmäßige Übergewicht des Mannes zieht de facto eine ihn begünstigende Autoritätsstruktur nach sich." (Langer, S. 127)
Die Berufstätigkeit der Frau hieß für Ehefrauen sich für die Familie und gegen den Beruf oder den Beruf und gegen die Familie zu entscheiden. (Langer, S. 120) Die gesetzlichen Grundlagen für die Frau ließen ihr, wenn sie geheiratet hatte, kaum eine Wahl. Im BGB lautet der dazu entsprechende §1356, der noch bis 1977 galt folgend:
"Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist." (Langer, S. 114)
Es war ein Scheidungsgrund, wenn die Frau ein vor der Ehe gegebenes Versprechen, die Berufstätigkeit aufzugeben und sich nur noch dem Mann zu widmen, brach. (Langer, S. 124)
Die sexuelle Emanzipation der Frau ließ die Institution der Ehe unangefochten. Zwar erhöhte die persönliche Glückserwartung die Scheidungsquote, die zur Korrektur der falschen Partnerwahl genutzt wurde, aber die Wiederverheiratungsquoten waren sehr hoch. Das Anrecht der Frau auf sie 'befriedigende Beziehungen' wurde ihr zugestanden. (Langer, S. 125) Diese Emanzipation wurde sicherlich durch die Möglichkeit der Empfängnisverhütung gefördert. (Langer, S. 125f.) Die Schreckensmeldungen über die Gefährlichkeit der Antibaby-Pille zeugte von der Angst der Männer, daß die Frauen ihr sexuelles Schicksal selbst bestimmen könnten.
"So war Dr. Martin Loeb, Soziologe an der Universität von Wisconsin der Ansicht, die 'Antibabypille' gefährde die führende Rolle des Mannes in der Familie'. Die Frau gewinne dadurch eine 'bisher dem Mann vorbehaltene Planung der eigenen Zukunft'. Es gehe nicht an, daß die Frau die Möglichkeit erhalte, die Familienplanung allein zu bestimmen." (Langer, S. 126f.)
Noch Anfang der 60er Jahre wird die Straflosigkeit der lesbischen Frau mit dem 'Männermangel' begründet:
"Bei dem zwar geringen, aber immerhin bestehenden Männermangel ist die Frau der Möglichkeit ausgesetzt, keinen m„nnlichen Geschlechtspartner zu finden; außerdem entspricht es eher der weiblichen Psyche, an dem zarten Körper und an dem Gemüt eine anderen Frau Gefallen zu finden als vielleicht an den Muskeln und dem härteren Wesen eines Mannes. Deshalb hat es der Gesetzgeber vorgezogen, den vielleicht sonst unbefriedigten Gefühlen einer Frau ein Ventil zu belassen." (Meixner/Helldörfer: Kriminalität und Sexualität. Hamburg 1961, S. 38)
Auf die Beständigkeit der Beziehungen lesbischer Frauen wird verstärkt hingewiesen, um den Unterschied zu den homosexuellen Männer aufzuzeigen, die 'triebhafter' seien.
Das Tabu der Sexualität wird entblößt und der amerikanische Autor, der auch beim Kinsey-Report mitgearbeitet hatte, kann berichten:
"Der Gebrauch eines Penisersatzes ist aber auch hier - und dies wird die Eitelkeit mancher Männer verletzen - sehr selten."
(Gebhard, S. 40)
Er kann von der höheren Orgasmusraten in lesbischen Beziehungen berichten.
Für den deutschen Autor ist es dagegen wichtig darauf hinzuweisen,
"daß dem weiblichen Körper ein Instrument für aktiv-forcierter Zugriff genitaler Art fehlt. Die meisten homosexuellen Praktiken unter Frauen erschöpfen sich in mehr oder weniger äußerlichen Liebkosungen." (Giese, S. 131f.)
Argumentationshilfe ist ihm hierbei der Sexualwissenschaftler Krafft-Ebing, der im 19. Jahrhundert Fälle von Lesben bearbeitete.
Ein besonderes Problem in der Sexualwissenschaft ist das Rollenspiel. Das m„nnliche Aussehen der Lesben wird hergehoben. Begründet wird dies mit der gesellschaftlichen Rolle, die die Frau einnehmen muß, da sie für sich selbst sorgen muß. Die Öffentlichkeit sei durch den Mann geprägt worden.
"Auch die Bereiche, die für die Frau reserviert wurden, hat der Mann ihr reserviert."
(Giese, S. 132)
Es findet eine Verbindung statt von der Aktivität in der öffentliche Teilnahme an der Gesellschaft durch das Erwerbsleben und der ausgeübten Sexualität, die nicht unmännlich gedacht werden kann (Giese erwähnt die Prothese, die von einem kleinen Teil der Lesben zu Hilfe genommen werden soll, S. 132), wenn sie nicht 'wirkungslos' bleiben soll. Dies im Widerspruch zur Feststellung des amerikanischen Autors, Gebhard, der einerseits festhielt, daß Penisersatze nicht genutzt werden und der auch festhielt, daß es zwei Typen, nämlich männlich und weiblich gäbe, aber daß
"(d)iese Rollen (...) nicht dauernd fixiert (bleiben), man kann häufig einen Rollenwechsel beobachten, vor allem dann, wenn ein Partnerwechsel erfolgt. Es ist aber nicht zu übersehen, daß sehr viele homosexuelle Frauen ein solches Rollenspiel nicht entwickeln und es als völlig sinnlose Imitation des heterosexuellen Lebens betrachten." (Gebhard, S. 41)
2.3. Zusammenfassung

Für die Zeit der 50er Jahre läßt sich festhalten, daß die Frau sich in einer neuen Art und Weise erfahren hat. Sie erlebte sich in einem neuen Selbstbewußtsein und erfuhr eine Frauensolidarität, die plötzlich mit der Rückkehr der Männer aufgehoben wurde. Doch die vormals anerkannte Geschlechterhierarchie wurde in Frage gestellt. Dennoch wurde das Merkmal Zugehörigkeit zum Mann wieder zum trennenden Punkt, einschneidend wurde dies für die Lesben.
Die Frau wurde mit dem Ausschluß aus dem öffentlichen Leben zum privaten Wesen. Mit Macht wurde die Frau von den 'Konservativen' wieder an den heimischen Herd verwiesen.
An diesem Platz finden wir sie in den 60er Jahren. Die meisten Frauen haben diese Ideologie verinnerlicht. Für sie war es ihre Bestimmung für Mann, Kinder und Haushalt zu sorgen. Doch die erlebte Diskrepanz von Eintönigkeit im Haushalt und dem Berufsleben wurde entweder herabgesetzt, es würde nicht existieren oder die Vielfältigkeit des Haushalts und privaten Lebens hervorgehoben.
Eine Gefahr sahen die Männer für die traditionelle Familie in der Bestimmungsmöglichkeit über den Kinderzuwachs in der Familie. Die Frau hatte die Möglichkeit sich sexuell zu emanzipieren.
Das Tabu der Sexualität wurde gebrochen. Auch wenn in Deutschland speziell die überkommenen Anschauungen über Lesben vorherschte und die Empirie nicht zum Zug kam. Gegen Ende der 60er Jahre änderte sich die Situation für die Lesben. Es wurde erkannt, daß nicht ihre Homosexualität sie anders machte, sondern die Gesellschaft sie in die Situation preßte.


Quellen

MEYER, Sibylle/ Schulze, Eva: Von Wirtschaftswunder keine Spur. Die ökonomische und soziale Situation alleinstehender Frauen. In: Delille, Angela (Hg.): Perlonzeit: Wie die Frauen ihr Wirtschaftswunder erlebten. West-Berlin 1985, S. 92 - 98
GEBHARD, Paul Henry/ Giese, Hans/ Raboch, Jan: Die Sexualität der Frau. Reinbek bei Hamburg 1968
GEBHARD, Paul Henry: Die weibliche Sexualität. In Gebhard, P./ Giese, H./ Raboch, J.: Die Sexualität der Frau. Reinbek bei Hamburg 1968, S. 34 - 42
PALLOWSKI, Katrin: Leben im halben Zimmer. Jugendzimmer. In: Delille, Angela (Hg.): Perlonzeit: Wie die Frauen ihr Wirtschaftswunder erlebten. Westberlin 1985, S. 23 - 29
BÖHMER, Ulrike/ Kokula, Ilse: Die Welt gehört uns doch! Zusammenschluss lesbischer Frauen in der Schweiz der 30er Jahre. Zürich 1991
KOKULA, Ilse: Wir waren irgendwie unaufrichtig. Lesbisch leben in den 50er Jahren. In: Frauen untereinander. Dokumentation der Offenen Frauenhoch-schule 10.05. - 21.05.1989. Wuppertal, S. 105 - 119
LANGER, Ingrid: Vor dem Aufbruch. Die soziale Stellung der Frauen in den 60er Jahren. In: Becker, Bärbel (Hg.): Frauen in den 60er Jahren. "Unbekannte Wesen". West-Berlin 1987, S. 113 - 129
MEIXNER/ Helldörfer: Kriminalität und Sexualität. Hamburg 1961
GIESE, Hans: Die Sexualität der Frau. In: Die Sexualität der Frau. Reinbek bei Hamburg 1968, S. 120 - 132

Sonntag, 5. Juni 2016

Körperlichkeiten

Wechseljahre

Auf Twitter wurde mir der Beitrag Journal Freitag, 13. Mai 2016 – Menopausenbloggen vom Vorspeisenplatte-Blog zugezwitschert. Die Autorin  schreibt darin, dass sie hoffe, dass es bald mehr diesbezügliche Inhalte im "Mitschreib-Internet" gäbe, weil sich "(s)o viele Menschen" "aufgehoben und informiert gefühlt" "haben", wenn andere über ihre persönlichen Erfahrungen zu diversen Themen schrieben.

Meine Geschichte
Mit 42 fing ich an, mich mit den Wechseljahren auseinander zu setzen. Jetzt mit 50 bin ich definitiv drin in den Wechseljahren. Am Anfang waren die "Hitzewallungen" nur ein Flaum dessen, was ich unterdessen erleben durfte. Aber ich bin immer noch der Meinung: Wechsel hin und her. Jedoch, bitte, ohne Hormone (01.03.2018 Anm.: Was das Thema Hormone angeht, muss ich eingestehen, dass die Natur nicht alles so richtet, wie mensch es glaubt, dass sie es tut. Deshalb ja, Hormone unter der Begleitung von SpezialistInnen, wenn sie nötig sind.).

So manches Symptom stellte sich letzendlich als ein Wechseljahrsymptom heraus, z.B. ein Reizhusten, der meiner Frau Angst machte und die mich deshalb zur Ärztin schickte. Die Ärztin fand nichts. Und so suchte ich im Web und fand den wunderbaren Blog von Barbara Wenzel-Winter Gedanken zum Klimakterium. Ein Erfahrungsbericht. Dort findet sich auch eine Auflistung Rätselhafte(r) Symptomatik(en), der ich entnehmen konnte, dass Schleimhäute sich an vielen Stellen des Körpers befinden und deshalb mein Reizhusten eventuell mit den Wechseljahren zusammen hängen könnte.

Ich hoffe ja, dass die meisten Symptome nach endgültiger hormoneller Umstellung meines Körpers verschwinden werden. Dazu gehören die schweren Beine, die mir das normale Sitzen auf einem Stuhl unleidlich machen, weil meine Unterschenkel brennen wie Feuer. Oder die Fingerspitzen kribbeln seit Ewigkeiten - mal mehr, mal weniger. (01.03.2018 Anm.: Seit letztes Jahr weiß ich, dass das Kribbeln nichts mit dem Wechsel zu tun hatte, sondern ein Symptom der Multiple Sklerose sind, die mir diagnostiziert wurde.)
Aber ich bin tough. Jede Frau in den Wechseljahren ist tough, wenn sie trotz dem - obwohl viele Nächte mit Hitzewallungen nicht durchschlafbar sind - ihren Alltag bewältigt. Aber auch, wenn sie es da langsamer angeht oder manches gar lässt: Wechseljahre macht toughe Frauen.

Dumme Frau liest unpassende Bücher

Anderes Thema. Ich bin skinny fat. Wie konnte ich auch nur denken, dass ich mit meinem Normalgewicht gesund sein könnte? Wie dumm ist das?

Ich habe das Buch Fettlogik von Dr. Nadja Hermann durchgelesen. Ein Buch, das wahrscheinlich als Selbstunterstützungshilfe bei ihrem Abnehmprogramm der Autorin entstand. Die Autorin versucht darin, jeder Fettlogik die wissenschaftliche Grundlage zu geben, respektive, sie durch Wissenschaft als nichtig zu entlarven. Der Grundton im Buch - es gibt KEINEN Grund nicht abzunehmen. Und Dicksein sei ungesund.
Okay, da ich das Buch aus Neugier und nicht Betroffene las, war ich manchmal überrascht, was alles nicht wahr sein soll und wofür es Studien gibt, die beweisen: es gibt keinen Grund, nicht abzunehmen. Ein-/zweimal oder eins mehr geht sie auf die Fat-Acceptance-Bewegung ein.
Ich las das Buch mit Abstand. Mit Aha-Gemurmel. Und soso. Und immer wieder bemerkte ich, das wird wohl der Grund sein, WARUM SIE dieses Buch SCHREIBT.
Wenn ich dick wäre, würde ich mich bei dieser Lektüre komisch fühlen. Ein Konjunktiv, weil ich bin es ja nicht.
Dann kommt sie am Schluss noch mit dem Skinny-Fat-Thema. Zuerst bin ich erschrocken. Himmel! Wir sind dünn, aber trotzdem lastet an uns zuviel Fett. Uns fehlen die Muskel! Dann forschte ich nach dem Thema und stellte fest, das ist ein Thema vor allem der Fitness-Industrie. Natürlich. Die wollen schließlich die ehemals Dicken nicht als Kunden verlieren und am liebsten die "vermeintlich Dünnen" als Neukunden dazugewinnen. Gleichzeitig geht das einher mit Vorwürfen: du machst zuwenig für deinen Muskelaufbau. Die Fettpolster müssen weg! Du trainierst zu wenig!
Da habe ich dann im wahrsten Sinn des Wortes das K*tzen gekriegt. Für mich ist es legitim, am eigenen Körper zu arbeiten. Sport zu treiben.Gewicht zu- oder abzunehmen. Alles okay. Sich dazu Unterstützung zu holen via Ratgeberliteratur ist auch okay. Aber wenn die Ratgeber dir unentwegt mitteilen, dass du falsch bist, dann ist das nicht okay.


Sport

Ein kleiner Zwischenstand meines Trainings seit April 2009.

Durch Sport mutiert zu She-Hulk
Auch schon 8 Jahre her, dass ich mit Sport anfing. Ich laufe, ich mache Wii Zirkel Training, ich walke. Jetzt habe ich mir dicke fette Hanteln besorgt und starte mit Hanteltraining. Wobei ich zu den Kurzhanteln wohl auch noch die Langhantel besorgen werden. Plane, in einem Jahr 20 K..., tststs..., hm., 10 Kilogramm stemmen zu können.
Welche glaubt, dass Sport zum Abnehmen gut sei, dieser möchte ich mitteilen, ich habe seit damals ca. 5 Kilo zugelegt: von BMI 19,91 auf BMI 22,01. Ich bin She-Hulk! (Nur ohne grüne Farbe.)




Dienstag, 17. Mai 2016

Familie Nilgans: die sechste

Nilgans 17. Mai 2016

Als die kleine Nilgans immer weiter auf mich zu kam, dachte ich unentwegt: "Stopp! Nicht an mich gewöhnen! Ich gehöre zur bösen Spezies!" Sie hat meine Abwehrhaltung gespürt und ist zum Rasen zurückgekehrt.

Ich gehöre zur bösen Spezies, die andere Tiere töten und quälen. Wann wird der kleine Vogel lernen, dass Menschen ihnen nicht immer gut gesonnen sind und Brotkrumen ihnen zuwerfen?

Wir sind die böse Spezies. Kein Tier ist vor uns sicher.

Samstag, 14. Mai 2016

Vor 7 Jahren: erste Meile gepostet.

Am 14.05.2009 habe ich meine erste Meile auf Dailymile gepostet. ;-)

Seitdem läuft es...

Irgendwie...

Voran...





Ich habe mich langsam ans Thema "Laufen" herangetastet, indem ich z.B. auch Veranstaltungen (Blogbetrag vom besucht habe, die mir ein paar Hintergründe erklärten.

Sonntag, 8. Mai 2016

Zufalls-TV: So gesehen

Heute Morgen im TV zufällig reingeschalten. Wollte gerade mit meinem Wii-Zirkel-Training starten. Bin dann hängen geblieben. War ein schönes, ruhiges Format. Die beiden, Schauspielerin Kristin Meyer und Bruder Paulus sitzen in einem Park auf einer Bank und unterhalten sich nett.
Es hatte mich durch die Ruhe auf dem Bildschirm so sehr irritiert, dass ich mir den Rest der Sendung angeschaut hatte.

Fotografie des Videotextes zu So gesehen - Talk am Sonntag So 08.05. 08:06-08:26 auf Sendung. Die Schauspielerei ist ihr Leben. Und durch sie will Kristin Meyer notleidenden Kindern in Afrika zu einem besseren Leben verhelfen. Ihr Verein "Act to Be" kümmert sich um Waisenkinder in Uganda. Durch das Theater sollen die Kids unabhängiger und selbstständiger werden.
Bruder Paulus im Gespräch mit Kristin Meyer

Sie sprachen über ihren Beruf. Dass es so viele regelmäßige Zeiten (vor allem im Winter, weil meist "nur" im Sommer gedreht würde) gibt, in denen sie ihren Beruf eben nicht ausüben könne und sie sich deshalb - wie so einige SchauspielerInnen - ein zweites Standbein gesucht habe. Andere würden coachen. Sie wollte etwas machen, mit dem sie etwas bewegen könne. Also hat sie den Verein Act to be gegründet. Mit diesem Verein ist sie in Uganda unterwegs, um Kindern neue Perspektiven zu verschaffen, indem sie gemeinsam mit den Kindern an einem Theaterprojekt - nicht nur schauspielern, sondern mit allem, was dazu gehört: Kostüme schneidern, Bühnebildnern und Regie führen - arbeiten.

Info zur Sendung auf kirche.tv
Webseite Kristin Meyer Soziales 
Vereinsseite act to be  e.V.
bz-berlin.de Stille Heldin. TV-Star Kristin Meyer gründet eigenen Hilfsverein

Mittwoch, 27. April 2016

Gewohnt am 3. April 1986

Das Zimmer in einer Aufräumphase.

Montag, 25. April 2016

Familie Nilgans: die erste

#älterwerden und die Konsequenzen

Dieses Jahr wird einer die Endlichkeit des Lebens so häufig um die Ohren geknallt, dass ich mir so meine Gedanken machte, was ich dazu schreiben könnte.
Dabei habe ich solche Themen im Kopf:
  1. Älter werden, Rollen spielen: Nicht meine Klasse
  2. Älter werden spielt keine Rolle im Lebensumfeld
  3. Älter werden, reifer werden: ausgerollt im Job ohne Berufung
Ich erahne Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Aber die Gedanken müssen noch reifen.

#älterwerden Anderswo

Scheint gerade so das Thema zu sein. Es werden schließlich alle älter. Frau Quadratmeter eröffnete auf ihrem Blog eine Blogparade mit dem Thema #älterwerden:
Wir alle werden älter und ich habe das Gefühl, dass dieser Umstand für viele Menschen ein Tabuthema ist oder zumindest etwas, das man gerne verdrängt. Das ist eigentlich erstaunlich (oder eben auch nicht), weil die zunehmende Vergreisung unserer Gesellschaft ein relevantes Thema ist, mit dem wir alle uns werden auseinandersetzen müssen. Ich möchte gerne wissen, was dieses Thema mit euch macht, welche Aspekte euch besonders beschäftigen, ängstigen oder worauf ihr euch freut. 

Texte zum #älterwerden

Lektüre, die ich mir über Twitter recherchierte:

Montag, 18. April 2016

Vor 7 Jahren: Wii-Traingsstart

Montag, 11. April 2016

Mittwoch, 23. März 2016

18 Jahre Schmuse- und Schnurrweltmeister


Am 12. März 2016 ist unser Kater gestorben. Er wurde 18 Jahre alt.
Er war unser Knotterhannes, unser König, unsere beleidigte Leberwurst, unser Schmusehannes und unser Freund.

Ich bin so dankbar, dass meine Frau und ich mehr oder weniger Kopfmenschen sind. Denn wir sprachen schon im letzten Jahr darüber, dass der Dicke irgendwann sterben wird und was wir dann tun werden. Dieses Gespräch half uns in der Zeit der absoluten Trauer und Verzweiflung zu wissen, was zu tun ist: wir haben ihn verbrennen lassen und ihn in einer Urne wieder nach Hause geholt.

Der Schock war groß als das Ende kam: Er war doch ein junger Kater. In meiner Trauerarbeit half mir, mir bewusst zu machen, dass er alt war (88 Jahre nach Menschenalter) und dass wir seit vier Jahren uns seiner Gebrechlichkeit und Krankheit sehr angepasst und ihn gepflegt hatten. Es war anstrengend, aber wir liebten ihn und taten es gern.

In meinem Herzen war und ist er immer der junge Kater geblieben. Er ist nicht gealtert. Er war das Normale. Deshalb "nahm" der Kleine zu, als er abnahm. Deshalb war der Kleine höchst abenteuerlich drauf, während der Dicke nur noch schlafen wollte. Er war die Benchmark.
Aber er war nicht normal. Nie.
In der Krankheit nicht - siehe unten stehende Auflistung.
Und in seinem Verhalten nicht: ich habe noch nie eine Katze erlebt, die so gern schmuste. Die kein Problem darin sah, wenn er heftig von uns durchgeknuddelt wurde. Und der bei der kleinsten Berührung das Schnurren anfing.

Wir haben jeden Tag mit dir genossen.
Wir danken dir für deine Zeit mit uns.
Unser König.
Nestor.





Seine Krankheitsgeschichte:

  • Gleich zu Beginn im ersten Jahr 1998 gab es ein Thema mit Erbrechen und er musste eine Paste einnehmen
  • 22.04.2005 wurde ich das erste Mal von ihm gebissen
  • Irgendwann 2005/2006 konnte er keine hohen Möbel mehr hochspringen
  • Ende 2007 wurde eine Herzkrankheit bei ihm festgestellt und er musste abnehmen. 
  • er wurde kunkelig, manchmal meinten wir, er sei dement
  • seit ca. 2011 war er unrein.  Wir begannen, Möbel abzudecken und alles vom Fußboden gleich zu entfernen
  • 08.12.2011 wurde ich das zweite Mal von ihm gebissen
  • 2012 wurde er wegen Durchfall untersucht. Er musste Diätfutter fressen. Das mit dem Durchfall war immer wieder Thema.
  • März 2016 wollte er gehen und wir ließen ihn.

Mittwoch, 2. März 2016

Thema Lebensfreude

Im Brief an B. vom 01.03.1990 (nie abgeschickt)


Vor 27 Jahren wurde ich von einer Ärztin zum nächsten Arzt gereicht. Keiner dieser Fachmenschen sprach mit mir. Ich wusste nicht, warum ich unentwegt Termine wahrnehmen musste. Bis der Augenarzt im Termin zur Besprechung des Ergebnisses meiner Gesichtsfelduntersuchung mir mitteilte, dass die Überweisungen mit dem Verdacht auf Multiple Sklerose begründet worden seien. Und so schrieb ich an B.:
Die Ärzteschaft verdächtigt mich einer ZNS-Erkrankung. Der Augenarzt vermutete im letzten Jahr (das teilte er mir jetzt erst mit!) sogar MS, was er aber in dieser Woche zurücknahm. Für seinen Bereich zurücknahm. Die Neurologin ist dagegen nicht sehr kooperativ. Sie will unbedingt, daß ein SSEP und ein VEP an mir ausprobiert wird. Ich bin begeistert! Besonders da ich weiß, daß das SSEP schmerzhaft sein soll.

Können die mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich kann das in mein Leben integrieren, daß ich ab und zu vom Schreibtisch wegfalle und für fünf Minuten nicht da bin, anschließend mit rasenden Kopfschmerzen erwachend. Und daß ich ab und zu anstatt Schmerz nur Kälte verspüre, ist doch praktisch.
Lebensfreude!
Ich hoffe jetzt leicht, daß es "nur" eine verschärfte Form von Migräne ist.
Jetzt wiederhole: Lebensfreude.
ZNS = Zentralnervensystem
SSEP = Somatosensibel evozierte Potentiale (Link geht auf wikipedia)
VEP = Visuell evoziertes Potential (Link geht auf wikipedia)